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03.06.1983 - 

Konkurs des schwäbischen DV-Anbieters scheint unabwendbar, wenn sich kein Partner findet:

David Händler gründen Auffang-Gesellschaft

STUTTGART - Der Konkurs der in Liquiditätsschwierigkeiten geratenen David Computer GmbH scheint unausweichlich. Erneute Verhandlungen mit den Hausbanken am vergangenen Montag scheiterten. Sollte der schwäbische DV-Anbieter nicht bis zum 6. Juni einen kapitalstarken Partner gefunden haben, so heißt es in Stuttgart, steht der Gang zum Konkursrichter bevor. Zur Selbsthilfe griffen indes 30 David-Vertriebspartner: Sie schlossen sich unter der Regie der Strässle-Tochter BIS GmbH zu einer Auffang-Gesellschaft zusammen, um von ihren rund 5000 Kunden einen möglicherweise entstehenden Schaden abzuwenden.

Der Weg in die Unternehmenszentrale in der Stuttgarter Maybachstraße 42 muß Peter David am letzten Montagmorgen wie ein Kanossagang vorgekommen sein. Am Vormittag wollten sich rund 30 der bisherigen Vertriebspartner in der Betriebskantine einfinden, um darüber abzustimmen, in welcher Form sie weiterhin mit ihrem bisherigen Hoflieferanten zusammenarbeiten. Das Ergebnis dieser Debatte sollte am Nachmittag den Geldinstituten unterbreitet werden, die ihrerseits darüber zu entscheiden hatten, ob sie dem angeschlagenen DV-Anbieter nach einer vorangegangenen Absage nun doch noch mit Krediten aus der Patsche helfen, damit er wenigstens sein "Restgeschäft" abwickeln könne. Dem Vernehmen nach mußte David in beiden Fallen eine Watsche einstecken. Die Händler hätten eine weitere Zusammenarbeit mit dem derzeitigen Stuttgarter Management abgelehnt, bestätigen Teilnehmer der "Kantinenrunde". Das Vertrauen in die bisherigen Geschäftsführer, hier insbesondere Peter David, sei nicht mehr vorhanden, selbst wenn sich die Hausbanken dazu durchringen würden, die Liquidität des Unternehmens wieder herzustellen.

Den Geldinstituten muß in Anbetracht des negativen Händlerbescheids im Zusammenhang mit einem vorhandenen Auftragsbestand von angeblich über 20 Millionen Mark die Entscheidung nicht leicht gefallen sein (siehe auch CW Nr. 18 vom 29. April 1983 und CW Nr. 22 vom 27. Mai 1983). Die Banker tagten bis in den späten Abend hinein, bevor sie ein Ergebnis präsentieren konnten. Dies ist für Peter David geradezu niederschmetternd: Seine Kreditpartner waren nicht bereit, weitere Gelder bereitzustellen, gewährten lediglich Aufschub. Gelinge es David nicht, so heißt es in der Schwabenmetropole, in den nächsten Tagen einen kapitalstarken Teilhaber zu finden, sei der Konkurs unabwendbar.

Über Interessenten können sich die Stuttgarter indes nicht beklagen. Hatte Peter David über Monate hinaus Angebote renommierter Firmen ausgeschlagen, um sein Unternehmen "nach altväterlicher Art als Alleinunternehmer zu führen", wie es Mitglieder der Geschäftsführung darstellen, so gebe es auch nach dem kürzlich eingeleiteten Vergleichsverfahren noch immer zahlreiche Anwärter. Bestätigt David-Geschäftsführer Michael Lanik: "Zu keiner Phase unserer Krise hat es an Interessenten gemangelt, die teilweise gar eine hervorragende Ergänzung zu unserer Produktpalette und zu unserer Vertriebsorganisation abgegeben hätten."

Eine Teilhaberschaft mit dem schwäbischen Bürocomputeranbieter habe nach Aussage von leitenden

David-Mitarbeitern unter anderem auch die Eschborner Data General GmbH angestrebt, zu deren Rechnern die David-Systeme von jeher kompatibel waren. Das Interesse des hessischen Minimakers sei jedoch rapide abgeflacht, als die Stuttgarter Vergleich beantragten.

Ob es David gelingen wird, einen kapitalkräftigen Partner zu finden, nachdem die Uhren in der Schwabenmetropole bereits auf fünf vor zwölf stehen, ist bei Insidern umstritten. Die jetzt noch vorliegenden Angebote kämen in der Regel von relativ unbekannten Firmen, die im wesentlichen nur den als erfahren und gut organisiert geltenden Vertriebsapparat für eine künftige Personal Computer-Vermarktung nutzen wollten. Wie Eingeweihte einräumen, werde sich kaum ein Interessent finden lassen, der bereit sei, die inzwischen verschärften Bedingungen der Hausbanken zu akzeptieren.

Da David aber ein Großteil seiner Gebäude und Anlagen gemietet oder geleast habe, stünden ihm kaum Vermögenswerte für einen positiven Ausgang des Vergleichsverfahrens zur Verfügung, heißt es in Bankenkreisen.

Egal, wie sich bei den Schwaben das Blatt nun wendet: Die bisherigen Vertriebspartner haben sich inzwischen durch eine

Auffang-Gesellschaft von ihrem Lieferanten weitgehend abgenabelt und wollen die Produkte unter eigener Regie vermarkten. Die BIS GmbH, eine Vertriebstochter der Strässle Datentechnik GmbH in Stuttgart, eines der zehn größten deutschen Systemhäuser, übernimmt jetzt quasi die Funktion von David Computer. Die Selbsthilfe der Vertriebspartner, die nach eigenen Angaben insgesamt etwa 1500 Mitarbeiter beschäftigen und in 1982 schätzungsweise 200 bis 300 Millionen Mark eingefahren haben, war zwingend notwendig: Vor allem bei den kleineren Unternehmen bahnte sich nach dem Lieferengpaß und finanziellen Kalamitäten der Stuttgarter ein Fiasko an. Glaubt man dem geschäftsführenden Gesellschafter der Strässle Datentechnik, Wolfgang Dietrich, habe die Händlergemeinschaft die Probleme inzwischen im Griff. Unter BIS-Regie sollen zunächst die noch vorhandenen David-Anlagen verkauft werden. Danach wollen die BIS-Manager die Rechner direkt vom US-Lieferanten Bytronics beziehen, der bisher auch David mit den wesentlichsten Systemkomponenten beliefert hat.

Damit sei sichergestellt, so Dietrich, daß die etwa 5000 David-Anwender mit Service, Beratung sowie neuen Produkten ebenso bedient würden wie in der Vergangenheit und somit keinerlei Schaden zu befürchten hätten.

Die Betroffenen sind damit weniger die Kunden, als vielmehr die rund 100 Mitarbeiter in der Schwabenmetropole. Sollte es zum Konkurs des Unternehmens kommen, werden zwar BIS-Angaben zufolge ein Teil der Vertriebs- und Marketingleute von den Händlern übernommen. Geleimt ist jedoch der überwiegende Teil der Mitarbeiter aus Verwaltung und Produktion. Dieser müßte sich zwangsläufig nach einem neuen Job umsehen.