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28.09.1990 - 

Reaktion auf revidierte Umsatzerwartungen

DB-Spezialist Oracle entläßt ein Zehntel der Belegschaft in USA

MÜNCHEN (qua) - Um die Betriebskosten der aktuellen Umsatzentwicklung anzupassen, will die Oracle Corp. zehn Prozent ihrer Arbeitsplätze in den USA einsparen.

Nach einer Meldung des "San Francisco Chronicle" vom 18. September werden 400 Mitarbeiter des im kalifornischen Redwood ansässigen Datenbank-Herstellers demnächst ihre Papiere erhalten.

Wie bereits berichtet (CW Nr. 38 vom 21. September, Seite 86), rechnete das "Wall Street Journal" für das erste Quartal des Oracle-Geschäftsjahres 1990/91 einen Minusbetrag von 27,4 Millionen Dollar hoch.

Der Software-Anbieter selbst wollte sich zu dieser Bilanz zunächst nicht äußern; ein Unternehmenssprecher gab jedoch bekannt, daß das Oracle-Management künftig mit Umsatzsteigerungen von lediglich 25 Prozent rechne.

Nach Ansicht von Marktbeobachtern ist der Verlust auf die Diskrepanz zwischen dem erwarteten Umsatzwachstum von 50 Prozent und der tatsächlich erreichten Einnahmesteigerung von 30 Prozent zurückzuführen. Dazu der Oracle-Berater Axel Kropp: "Wenn man das Wachstum auf 50 Prozent ausrichtet, hat man Kosten in entsprechender Höhe; und falls man dieses Wachstum nicht erreicht, schreibt man Verluste."

Zu den Kosten, die nicht durch adäquate Umsätze gedeckt sind, zählen offensichtlich die Gehälter der bislang 4000 US-amerikanischen Mitarbeiter. Die zur Zeit 2800 europäischen Oracle-Beschäftigen sind laut Kropp jedenfalls nicht von den Job-Kürzungen betroffen.

Zum überwiegenden Teil kämen die entlassenen Mitarbeiter aus dem mittleren Management der Oracle-Zentrale; im Zuge des Personalabbaus werde die Berichtshierarchie von bisher fünf auf drei Ebenen gestrafft. Vertrieb und Kundenunterstützung, so verspricht der Berater, blieben hingegen unangetastet.

Gleichwohl fürchten die Kunden, die Sparpolitik ihres Lieferanten könne sich negativ auf den Support auswirken. "Wir sind sehr besorgt, daß die Unterstützung des Produktes unter diesem Trubel leiden könnte", klagt Rainer Hochkoeppler, Vorsitzender der European Oracle Users Group (EOUG).

Nach Ansicht des Anwendersprechers sollte Oracle die momentane Situation vielmehr zum Anlaß nehmen, darüber nachzudenken, inwieweit die Kundenunterstützung verbessert werden könnte. Sollte der Support unter der Umsatzentwicklung leiden, so werde sich die Abwärtsspirale fortsetzen.

Für das schlechte Abschneiden des jahrelang durch Umsatzsteigerung von mehr als hundert Prozent verwöhnten Unternehmens macht Hochkoeppler keineswegs nur die allgemeine Lage auf dem Softwaremarkt verantwortlich. Zwar sei speziell im Sektor Datenbank-Management-Systeme eine gewisse Sättigung zu beobachten, doch gebe es "Gründe, die jenseits der momentanen Konjunktur liegen".

Dazu zählt der Oracle-Anwender unter anderem Versäumnisse beim Umgang mit der bestehenden Kundenbasis. "Die ungeheure Dynamik der letzten Jahre stammt daher, daß Oracle sehr schnell Marktpositionen erobert und immer wieder neue Kunden angeworben hat. Dabei wurde das mittel- und langfristige Potential eines internen Ausbaus ein wenig vernachlässigt."

Dazu komme der "mit allzu voreiligem Enthusiasmus" unternommene Versuch des Herstellers, sich im Bereich Anwendungssoftware ein zweites Standbein zu schaffen. Selbstverständlich sei es für ein Unternehmen notwendig, sich weiterzuentwickeln, räumt der hauptberuflich beim Basler Chemie-Konzern Hoffmann-LaRoche beschäftigte DV-Spezialist ein. Allerdings müsse dies "mit einer konservativen, quasi einer europäischen Sorgfalt" geschehen.

Die Entwicklung von Anwendungssoftware verlange große Sensibilität für die reale Situation des jeweiligen Kunden, erläutert Hochkoeppler. Außerdem herrsche in diesem Marktsegment ein besonders harter Konkurrenzkampf. Hochkoepplers Fazit: "Das ist ein ganz anderes Geschäft."

Wichtig sei hier vor allem die Qualitätssicherung. "Wenn die Qualität der Produkte nicht den Anforderungen entspricht, geht das kommerziell ins Auge", konstatiert der Schweizer. Offensichtlich hat Oracle seine Kunden in diesem Punkt enttäuscht. Hochkoeppler: "Wir erwarten mehr Solidität."

Allerdings findet sich der EOUG-Sprecher bereit, die Schuld für die mangelnde Produktqualität nur teilweise dem Hersteller anzutasten: "Wie jedes amerikanische Unternehmen wird auch Oracle von seinen Quartalsergebnissen gesteuert. Und das ist eine problematische Sache."