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Teilnehmer erhalten anonymisierte Aussagen zu ihrem Unternehmen


14.05.1982 - 

DB-Studie: Einsatz in Versicherungsunternehmen

Der Datenbankeinsatz bei Versicherungsunternehmen wurde am Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität Frankfurt unter Leitung von Prof. Dr. J. Niedereichholz* im Rahmen eines Forschungsprojektes untersucht.

Die empirisch orientierte Studie beschäftigt sich unter anderem mit folgenden Fragestellungen:

- Ziele der DB-Systemanwendung in Versicherungsunternehmen;

- Auswahl der Datenbanksysteme;

- Standard-Datenbanksystem versus Eigenentwicklung;

- Testverfahren vor der Auswahl der Datenbanksysteme;

- Gründe für die Anwendung eigenentwickelter Datenbanksysteme

- Gründe für den Einsatz der einzelnen Datenbanksysteme und für einen Datenbanksystemwechsel bei Berücksichtigung des Umstellungsaufwands.

Einige interessante Antworten zu den obigen Fragen/Problemstellungen sollen aus dem umfangreichen Erhebungsmaterial von 26 ausgewählten Unternehmen hier zusammenfassend dargelegt werden, wobei aus der Gesamtmenge der untersuchten Versicherungsunternehmen einige besonders charakteristische anonymisierte (als Vi) herausgegriffen werden.

Auf die Frage, welche ohne ein Datenbanksystem nicht erreichbaren Ziele die Versicherungsunternehmen mit dem Einsatz eines Datenbanksystems erreichen wollten, gingen die folgenden Antworten ein:

a) eine klare Schnittstelle zwischen den Daten und den Anwenderprogrammen soll eingeführt werden. Darüber hinaus sollen im ganzen DB/DC-Bereich einheitliche Schnittstellen mit dem Datenbanksystem erreicht werden.

b) Dialogverarbeitung, aktenlose Sachbearbeitung, Sachbearbeitung in einem Zug, aktenarme Sachbearbeitung durch Online-Verarbeitung, Realtimeanwendungen für die Verwaltung und den Versicherungsbestand sowie Änderungen über Terminals in den Fachabteilungen mit sofortiger Prüfung auf Korrektheit, sind die arbeitsablauforientierten und organisatorischen Ziele, die auch zu organisatorischen Vereinheitlichungen führen (V3, V5, V4, V10, V11, V12).

c) Eine dritte Gruppe von Zielen ist mehr EDV-technisch orientiert. Es wurden genannt: Zentrale Softwarewartung, Systemweiterentwicklung durch Datenbanksystemhersteller, Softwarenormierung, Einsparung von Programmiererkapazität, Erhöhung der Sicherheit und verbessertes Recovery-Konzept sowie weniger Datenredundanz bis zu Einmalspeicherung der Daten. Auch der Aufbau eines Auskunfts- und Informationssystems wurde als Ziel gesehen: Einstieg zu den Daten mit verschiedenen Schlüsseln, Aufbau eines Auskunftssystems und umfassende Versorgung mit Online-Recherchen (V2, V5, V6, V13, V12).

Wie oben dargelegt ist erkennbar daß Verbesserungen, Automatisierungen und Vereinheitlichungen eine starke Zielorientierung darstellen. Gleichgewichtig sind die Zielen im EDV-technischen Bereich, die die Rationalisierungswirkung von Datenbanksystemen ausnutzen wollen.

Von 26 Unternehmen waren sechs keine Datenbanksystem-Anwender und zwei gaben keine Auskunft. Die 18 restlichen Anwender verteilen sich auf 10 IMS-, 2 UDS- und eine Adabas-Anwendung. Fünf Unternehmen wendeten eine Eigenentwicklung an.

Standard-Datenbanksystem versus Eigenentwicklung

Auf die Frage, ob der Einsatz eines Standard-Datenbanksystems mit der Möglichkeit der Eigenentwicklung verglichen wurde, antworteten die folgenden Versicherungsunternehmen mit "ja"; die Frage welche Standard-Datenbanksysteme für die Auswahl in Betracht gezogen wurden, ergab die folgenden Antworten:

V3: IMS DB/DC

V4: IMS DB/DC (oder CICS).

V5: Im Entscheidungsjahr stand nur IMS als Alternative an.

V6: IMS (bei Eigenentwicklung zu großer Einrichtungs- und Pflegeaufwand).

V8: SESAM, UDS

V11: IMS, Adabas

V13: IMS, Adabas

Im Gegensatz zu den meisten Unternehmen verglichen drei Versicherungsunternehmen den Einsatz eines Standard-Datenbanksystems mit dem Aufwand eines eigenentwickelten Datenbanksystems nicht. Begründet wurde dies mit:

a) der Grundsatzentscheidung zu möglichst umfassendem Einsatz von Standard-Software (Eigenentwicklung nur bei Anwendungen),

b) der eventuell nötigen, ständigen Anpassung an die Herstellerentwicklung und der Größenordnung der Massendatenverarbeitung, sowie

c) der Tatsache, daß zum Entscheidungszeitpunkt kein geeignetes Datenbanksystem vorhanden war.

Ein Versicherungsunternehmen das nicht zu der Grundmenge der 26 Unternehmen gehört und das ein eigenentwickeltes Datenbanksystem anwendet, gab an, für die Eigenentwicklung eines Datenbanksystems weniger aufzuwenden als für die Anwendung eines Standard-Datenbanksystems. Das Unternehmen besitzt einen sehr großen, aber vergleichsweise homogenen Versicherungsbestand: berufsspezifische Urlaubs-, Lohnausgleichs- und Zusatzversorgungsleistungen für viele Millionen Versicherungssätze.

Bei den Anwendern eigenentwikkelter Datenbanksysteme lassen sich die folgenden Gemeinsamkeiten feststellen:

- Vier Unternehmen besitzen mit die größten Versicherungsbestände (je mehrere Millionen Versicherungssätze),

- die Vertragsbestände haben einen hohen Anteil an Lebensversicherungsverträgen (also langfristige Verträge mit relativ wenigen Änderungen),

- die vertragsanzahlmäßig besonders großen Versicherungsunternehmen entwickeln nach eigenen Angaben ein Datenbanksystem mit einer relational flachen Struktur.

Hieraus kann man verallgemeinernd schließen:

- Standard-Datenbanksysteme werden für sehr große Versicherungsbestände weniger häufig angewendet als für weniger große Bestände. In diesem Bereich lohnten sich anscheinend Eigenentwicklungen.

- Je homogener der Vertragsbestand eines Versicherungsunternehmens ist, beziehungsweise je größer der Anteil von Verträgen mit langer Laufzeit und wenig Änderungen am Gesamtbestand ist, desto eher neigen Versicherungsunternehmen zur Eigenentwicklung eines Datenbanksystems, da viele Funktionen eines Standard-Datenbanksystems nicht benötigt werden.

Je größer der Datenbankbestand eines Versicherungsunternehmens ist, desto weniger wird im Datenbanksystem vernetzt (relationaler Ansatz),

Testverfahren vor der Auswahl

Die Frage, ob Tests mit verschiedenen Datenbanksystemen durchgeführt wurden, bejahten drei Versicherungsunternehmen.

Die angewandten Verfahren beinhalten unter anderem:

Testinstallationen, Testprogramme und Zeitmessungen mit Sesam. Tests mit UDS unter BS1000, Tests mit IMS und Simulationen der Datenbanksystemanwendungen.

Auf die Frage, warum Versicherungsunternehmen sich für die Datenbanksystem-Eigenentwicklung entschieden, antworteten vier Unternehmen:

- Mangelnde Performance bei großen Datenbeständen beziehungsweise Durchsatz und Leistungsfähigkeit der damals (Anfang der siebziger Jahre) verfügbaren Datenbanksysteme reichten nicht aus.

- Kein geeignetes Datenbanksystem auf dem Markt vorhanden (Ende der sechziger Jahre).

- Die Bestandgröße von acht Millionen Versicherungssätze Leben und etwa 30 Millionen Sätze gesamt, sowie die geforderte Schnelligkeit, sprachen für eine Eigenentwicklung.

Als Gründe für den Wechsel von einem Datenbanksystem eines anderen Herstellers auf IMS nannte ein Unternehmen das große Angebot von IBM an Standard-Software, sowie Schwierigkeiten beim Bändertausch mit Verbänden und übergeordneten Institutionen. Insgesamt gab es in dieser Erhebung drei Datenbanksystem-Wechsler. Ein Unternehmen nannte als datenbankspezifische Gründe für den Wechsel die Vorteile, die eine Normierung (Codasyl) langfristig bietet.

Einzelne Versicherungsunternehmen nannten folgende Gründe für den Einsatz von speziell IMS statt eines eigenentwickelten Datenbanksystems:

- laufende Standard-Software-Weiterentwicklung,

- Pflege und Wartung weitgehend durch Hersteller,

- gute Unterstützung seitens IBM.

Der Einsatz von IMS statt einem anderen Standard-Datenbanksystem für IBM-Anlagen wurde oft wie folgt begründet:

- ein Gesprächspartner für die Software,

- hierarchisches System mit wenigen Sekundärindizes wurde benötigt.

- eine Versicherung mit hohen Beständen und zwangsläufig auch sequentiellen Läufen braucht kein totales Realtime-Informationssystem, sondern nur wenige Sekundärindizes und gute Zeiten, gerade auch bei sequentiellen Läufen.

- Empfindlichkeit gegenüber MVS und SNA.

- gute Unterstützung von IBM bei Einführung und im Problemfall.

- Es gibt einen, wenn auch begrenzten Personalmarkt für IMS-Spezialisten.

Der Einsatz von UDS statt einem anderen Standard-Datenbanksystem wurde wie folgt begründet:

- Fehlende Norm-Kompatibilität und ein Personalmangel an IMS-Spezialisten schaffen eine - möglicherweise aus marktpolitischen Gründen gelenkte - Abhängigkeit der Versicherungsunternehmen von EDV-Herstellern. Man entschied sich deshalb für Siemens und UDS.

- Ein Netzwerkkonzept wurde benötigt, außerdem herrschten Bemühungen vor, von IBM unabhängiger zu werden.

Diese Pilotuntersuchung wird fortgesetzt. Versicherungsunternehmen, die an der Teilnahme interessiert sind, wenden sich bitte an die angegebene Adresse.

-Interessenten für die Untersuchung könner sich an die folgende Adresse wenden: Prof. Dr. Joachim Niedereichholz, Institut für Wirtschaftsinformatik, Johann Wolfgang Goethe Universität, Mertonstraße 17-25, 6000 Frankfurt/Main, Tel.: 06 11/7 98 25 05.