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16.01.2004 - 

Dienstleister will Kundenorientierung und Marktstellung verbessern

DB Systems bildet IT-Projektleiter aus

FRANKFURT/M. (am) - Ab 2005 wird die DB Systems IT-Projekte nur noch an zertifizierte Projektleiter übertragen. Dadurch will das System- und Beratungshaus der Bahn die Projektarbeit standardisieren, um seinen Hauptkunden zufrieden zu stellen und sich auch im externen Markt besser zu positionieren. Die ersten Mitarbeiter haben die neue Projekt-Management-Ausbildung durchlaufen.

Carsten Schönemann ist einer der ersten zwölf. Eigentlich könnte sich der Mathematiker und Informatiker seit wenigen Wochen den Zusatz "zertifizierter Projektleiter" auf seine Visitenkarte drucken lassen, doch darüber hat er sich noch keine Gedanken gemacht. "Viel wichtiger ist es, dass man nach der Weiterbildung mit einem ganz anderen Selbstvertrauen ins Projekt einsteigt und mit dem Kunden vernünftig umgeht", beschreibt der 35-Jährige seine wichtigsten Lernerfolge. Neben den drei Säulen des Projekt-Managements "Zeit, Budget und Qualität", die man einhalten muss, ist für Schönemann die Kundenorientierung das A und O. Dazu gehört auch, dass man die Mitarbeit des Kunden immer wieder einfordert und Transparenz demonstriert.

Offene Punkte sofort klären

"Handeln statt verwalten" heißt das Credo des frisch gebackenen Projektleiters, der offene Punkte künftig sofort klären und gegenüber dem Projektteam wie Kunden ein "vernünftiges Berichtswesen" aufbauen will. Schönemann arbeitet seit fünf Jahren für die DB Systems, war in Projekten in Frankfurt am Main, Hamburg und Berlin dabei und hat auch schon leitende Funktionen übernommen. Damit erfüllt er alle Voraussetzungen, die die Gesellschaft für Projekt-Management (GPM) für die Qualifizierung zum zertifizierten Projektleiter stellt: Die Teilnehmer sollten über erste Praxiserfahrung in der Projektarbeit verfügen, die Methoden und Prozesse kennen sowie für einzelne Projektphasen wie Reporting oder Angebots-Management bereits verantwortlich gewesen sein. Zudem müssen sie mindestens 30 Jahre alt sein.

Die Projekt-Management-Ausbildung der DB Systems basiert zwar auf den Richtlinien des Branchenverbandes GPM, der auch die Prüfung abnimmt und das Zertifikat vergibt, will aber betriebsnah sein. "Wir haben aus den allgemeinen Normen der GPM die Richtlinien für IT-Projekte weiterentwickelt", sagt Lothar Hofmann, der bei der DB Systems die Projekt-Management-Ausbildung verantwortet. In dem Unternehmen waren Tools und Vorgehensweise für IT-Projekte bislang in einer großen Datenbank hinterlegt, die seit fünf Jahren kontinuierlich wächst, aber mittlerweile eine kritische Masse an Daten erreicht hat, dass man leicht den Überblick verlieren kann. "Durch die Projekt-Management-Ausbildung wollen wir klare Strukturen schaffen und zum Beispiel die Projektsteuerung so verständlich machen , dass die Sprache des Auftraggebers und -nehmers zusammenpassen", so Hofmann.

Seminare über Methoden, Prozesse, Richtlinien und Normen des Projekt-Managements, Kurse zum Thema Soft Skills, Fallstudien und Transfer-Workshops sind die wichtigsten Bestandteile der berufsbegleitenden Ausbildung bei der DB Systems, die sich bis zu eineinhalb Jahre erstrecken kann. Für Schönemann brachten die fachlichen Seminare die wichtige Erkenntnis, dass sich durch jedes Projekt ein roter Faden angefangen von der Zieldefinition über Termin- und Ablaufplan bis hin zur Projektsteuerung und Kostenfeststellung ziehen sollte. Die einzelnen Phasen mussten die Teilnehmer in der Fallstudie ausarbeiten, die sich an ein fertig gestelltes Projekt der DB Systems anlehnte: Der Auftrag war, für Railion (ehemals DB Cargo) eine digitale Datenkommunikation über mobile Endgeräte zu entwickeln, die es erlaubt, die in den Rangierbahnhöfen erfassten Daten über die einzelnen Züge zentral auf einem Server zu bearbeiten. Einzeln oder in virtuellen Teams lösten die Teilnehmer über 13 Wochen je eine neue Teilaufgabe - meist am Abend oder Wochenende, da sie von ihrer normalen Arbeit nur für die Seminare und Workshops freigestellt waren.

Projektlaufbahn als Karrierealternative

"Die Projekt-Management-Ausbildung war schon aufwändig", räumt Schönemann ein. Er schätzt den Umfang auf 30 bis 40 Tage, zumal bis zur Prüfung ja 1300 Seiten Stoff gelernt werden mussten. Den Einsatz bereut der IT-Spezialist nicht, schließlich hat er seine eigenen Skills dadurch verbessert: "Die Ausbildung war so fundiert, dass man hinterher theoretisch auch ein Bauprojekt leiten könnte." Für die Zertifizierung mussten die Teilnehmer ein Investitionsprojekt für eine Müllverbrennungsanlage exemplarisch beschreiben, bestanden trotz ihres IT-Schwerpunkts diese Herausforderung auf Anhieb und bekamen von den Prüfern der GPM ein hohes Niveau bescheinigt.

Das bestätigt auch Hofmann, mit der neuen Ausbildung den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Inzwischen haben weitere 130 Mitarbeiter mit den Kursen begonnen, im nächsten Jahr will das Systemhaus über 200 zertifizierte Projektleiter verfügen. Mittelfristig möchte sich die DB Systems im Wettbewerb mit externen Dienstleistern im eigenen Haus und auch auf dem freien Markt besser positionieren. Für die Mitarbeiter wird die Projektlaufbahn künftig als dritte Entwicklungsperspektive parallel zur Fach- und Führungskarriere angeboten.

Motivieren ohne Geld

In Unternehmensberatungen gibt es unter IT-Projektleitern die Einsicht "Technology is easy - people are hard". Darum widmen sich mehrere Seminare im Rahmen der Projekt-Management-Ausbildung der DB Systems dem Faktor Mensch beziehungsweise der sozialen Kompetenz. Was heißt Mitarbeiterführung? Wie formuliere ich Kritik so, dass sie den Mitarbeiter nicht verletzt? Wie motiviere ich meine Mitstreiter im Projekt, auch wenn das Budget gekürzt wurde? Auf diese und andere Fragen suchte Trainer Volker Tantow in den Soft-Skill-Kursen zusammen mit den Teilnehmern Antworten. Manchmal sind diese augenscheinlicher, als man erwarten würde, so der Verhaltenspsychologe: "Der Vorgesetzte muss seine Mitarbeiter kennen und ihre Leistungen anerkennen. Ein großes Problem in Projekten ist es, dass Leistung als selbstverständlich gilt. In Meetings wird meist nur über das gesprochen, was nicht klappt."

Tantow ruft dazu auf, gegen diese "Jammerkultur in deutschen Projekten" anzugehen und als Projektleiter darauf hinzuweisen, welche Ziele erreicht wurden. Wichtig sei überdies, dass die Projektleiter die sozialen Strukturen innerhalb einer Gruppe erkennen, jeden akzeptieren und die Stärken der Mitarbeiter nutzen anstatt sich auf Schwächen zu konzentrieren. So verbessere sich das Projektklima, und Arbeit wie Erfolg machten Spaß.