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04.09.1987 - 

US-Broker nimmt Paradepferd der IBM in den Benchmark-Test:

DB2 hat bei Transaktionen zuwenig Power

SAN FRANCISCO (CWN) - Schlechte Noten für die Transaktionsverarbeitungs-Fähigkeiten von DB2: Einem Benchmark-Test zufolge, den das amerikanische Broker-Unternehmen Charles Schwab & Co. mit DB2 durchführte, bleibt das von, IBM als strategisches Produkt deklarierte Datenbank-Management-System weit hinter den Leistungsdaten zurück, die der Hersteller seinen Kunden verspricht.

Kritisch vermerkten die DV-Spezialisten des Brokers vor allem, daß Release 2 von DB2 bei Einsatz in der Transaktionsverarbeitung extrem anwendungsabhängig sei und nicht die von Big Blue versprochene Performance erbringe.

Nach offiziellen Angaben der IBM kann Release 2 des relationalen Datenbank-Management-Systems im Produktionsbereich zwischen 47 und 50 Transaktionen pro Sekunde verarbeiten. Der Hersteller verweist nach Erfahrung amerikanischer Branchenkenner jedoch auch oft auf ein Ergebnis von 62 Transaktionen pro Sekunde, dem ein bei dem dänischen Kreditinstitut Provisionsbanken durchgeführter Benchmark zugrunde liegt. Im Frühling dieses Jahres hatte Big Blue seine DB2-Kunden zu einem Meeting nach Dänemark eingeladen, um ihnen anhand dieser Resultate zu zeigen, was sie mit dem DBMS-Produkt in einer Produktionsumgebung erreichen könnten.

Komplexe Abläufe zwingen Performance in die Knie

"Ich bin sicher, daß die Transaktionen in einer typischen Schwab-Umgebung wesentlich komplexen sind als diejenigen bei Provinzbanken", kommentiert William Inmon, Autor des Handbuchs "Building Production Systems with DB2" und Senior Consultant bei American Management Systems in Lakewood/Colorado, den Vergleich der beiden Benchmarks. "Die Anwendung bei dem dänischen Kreditinstitut", so Inmon weiter, "war sorgfältig aufgebaut, die Daten standen in denormalisierter Form zur Verfügung, die SQL-Abfragen beschränkten sich auf ein begrenztes Informationsspektrum."

Das Schwab-System hingegen gehe von einer völlig anderen Konstellation aus: Kunden, die an der Börse Aktien kaufen oder verkaufen wollen, rufen zu jeder beliebigen Uhrzeit bei dem Broker an. Ihre Wünsche nimmt untertags ein Investment-Berater entgegen, nachts ist ein Anrufbeantworter für diese Aufgabe zuständig. Die zur weiteren Bearbeitung benötigten Informationen werden dann schnellstmöglich in den firmeneigenen Computer eingespeist. Eine typische Transaktion dieser Art erfordert nach Aussage der Schwab-Spezialisten bis zu 41 Datenbank-Calls, vier bis fünf davon seien reine Updates. Pro Tag würden 1,2 Millionen Transaktionen verarbeitet, meist innerhalb der auf sieben Stunden angesetzten Geschäftszeit. Erklärt Woodson Hobbs, Executive Vice-President of MIS bei Schwab: "Solch eine komplexe Kundentransaktion ist bei weitem nicht mit einer simplen Bonitätsprüfung zu vergleichen, wie sie im Kreditkartengeschäft gang und gäbe ist."

Von der Architektur her, so Hobbs weiter, sei DB2 zwar vielversprechend gewesen. Die Performance des Systems entspreche allerdings nicht annähernd den Forderungen eines Broker-Unternehmens; deshalb habe sich Charles Schwab & Co. letztlich auch für "Datacom/DB", Release 7.4 von Applied Data Research (ADR) entschieden. Dabei wäre das Unternehmen durchaus bereit gewesen, eine bis zu zehn Prozent schlechtere Performance in Kauf zu nehmen, um die Vorteile von SQL und eines RDBMS nutzen zu können.

Ausschlaggebend dafür, daß die Produktwahl nicht zugunsten von DB2 ausfiel, seien dann letztlich die Resultate des Schwab-Benchmarks gewesen. In diesem Testlauf wurden die beiden Produkte unter Verwendung des "Teleprocessing Network Simulator" der IBM miteinander verglichen.

"Datacom/DB" führte diese Testfolge nach Aussage von Hobbs mit 100 simulierten Terminals aus; DB2 hingegen habe auf 50 zurückgestuft werden müssen, da sich gravierende Locking- und Memory-Probleme einstellten, die sogar zum Absturz von DB2 und CICS führten. In diesem Szenario brachte es das ADR-Produkt auf 36 Transaktionen pro Sekunde, DB2 hingegen lediglich auf 18. Den CPU-Bedarf des IBM-Systems ermittelten die DV-Experten von Schwab mit 85 Prozent, wobei die Hauptbelastung durch CICS bedingt sei, der Vergleichswert für "Datacom/DB" liege bei 15 Prozent. Des weiteren werfe der bei Schwab durchgeführte Testlauf die Frage auf, ob IBM die Performance von DB2 überhaupt wesentlich verbessern könne, ohne das Record-Locking-Verhalten des DBMS-Produkts zu verändern.

Gefahren wurde der Benchmark auf einer IBM 3090 Modell 200, DB2 kam in einem CICS-Environment zum Einsatz. Als Anwendungsumgebung diente das Softwaresystem "Stock Order Entry" des Brokers.