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19.05.1978

DBMS auf MDT: Textverarbeitung mit Wörterbuch

HAMBURG - Medizinische lnformationssysteme müssen die Eingabe variabler Texte zulassen, und zwar an jeder Stelle des Dialogs: Eine harte Nuß für Programmierer. Wie dieses Problem bei dem medizinischen Dokumentation- und Auskunftssystem MEDA gelöst wurde, beschreiben Brigitte Fleck und Wolfgang Bünger.* Dies vorweg: Ohne Thesaurus geht's nicht.

Schon nach der ersten Systemanalyse im medizinischen Bereich wurde klar, daß ein medizinisches Informationssystem in der Lage sein muß, an jeder Stelle des Dialogs die Eingabe von variablen Texten zuzulassen: Viele medizinische Befunde lassen sich (bisher noch) nicht standardisieren, die Krankenvorgeschichte (Anamnese) jedes Patienten ist - sowohl im Inhalt als auch in der Länge - unterschiedlich, und meist muß zu den formatierten Untersuchungsdaten ein optionaler Kommentar vorgesehen werden dessen Länge ebenfalls nicht beschränkt sein darf.

Da wir einer Nixdorf 8870/2 mit dem medizinischen Dokumentations -und Auskunftssystem MEDA arbeiten (siehe CW 7/77 vom 11.2, das als DBMS die formatierten Daten redundanzfrei und wegen optimaler Plattenausnutzung (2x6 Mio. Bytes) nahezu keine Leerstellen abspeichert, mußte die Textspeicherung ähnlich effektiv organisiert werden.

MEDA arbeitet zur Datenerfassung die Auskunft am Bildschirm mit komfortablen Bildschirmmasken und Bedienerführung, da das System im täglichen Medizin-Betrieb von Schwestern und Ärzten benutzt wird, also ohne EDV-Fachkräfte auskommt. Dazu wurde das System in DEGAS (Nixdorf -Datenerfassungsgenerator) programmiert. DIGAS kann gleichzeitig in einer Partition mehrere Bildschirme bedienen, was für diesen Anwendungsfall, (Auskunft und Erfassung erfolgen gleichzeitig) auch erforderlich war. Datenerfassungs-Generatoren sind aber vordringlich dafür konstruiert, formatierte Daten aufzunehmen und auszugeben, und bieten für Springhandling wenig Hilfen. Wie fast überall in der EDV sind die Plattenlaufwerke und das Plattenbetriebssystem dateimäßig organisiert, so daß auch hier die Verarbeitung von Daten fester Länge favorisiert wird. Was tun?

Thesaurus-Subsystem

Zunächst ergab eine zeitraubende Durchsicht von ärztlichen Befunden aller Art bei mehreren Patienten, daß jeder Arzt einen individuellen Standard entwickelt hat, Befunde zu formulieren, vor allen Dingen, wenn es nur um kurze Aussagen geht. Es war also zu erwarten, daß viele gleichartige Textstücke abzuspeichern sind, ohne daß man von vornherein ein Schema dafür angeben könnte, denn die Ärzte können wechseln, ihre Sprache präziser werden.

Als Lösung programmierten wir schließlich ein Thesaurus-Subsystem, also ein Wörterbuch, das automatisch neue bisher unbekannte Texte einsortiert und den Verweis auf diese Stelle dem DBMS zur Verfügung stellt.

Im Eingabedialog, der ja nur formatierte Daten zuläßt, werden die variabel langen Texte in Teilstücke zerlegt und dem Textverarbeitungs-Subsystem übergeben.

Dieses prüft die Gleichzeit mit bereits vorhandenen eingegeben Texten: Bei Vorhandensein wird der Verweis auf diese Texte übergeben, bei Ungleichheit wird der neue Text einsortiert und der neue Verweis übergeben. Der Verweis ist formatiert, so daß er andere Daten aus Befunden, Laboruntersuchungen, Stammdaten ohne weiteres ergänzen kann und von MEDA in die formatierte Datenbank aufgenommen werden kann.

Da der Text bei der Ausgabe auf dem Bildschirm nicht allein erscheint sondern nur in Verbindung mit formatierten medizinischen Daten in Form einer Bildschirmmaske, ist für lange Textstellen ein Überlaufbereich auf dem Schirm vorgesehen, so daß auf Wunsch bei der Ausgabe der gesamte Text und nicht nur sein Anfang angesehen werden kann. Bei der Druckausgabe des MEDA-Systems von Arztbriefen, Epikrisen und vorausgefüllten Erfassungsbögen für die Nachuntersuchungen wird der Text am Zeilenende bei Leerstellen, Interpunktions- und Trennzeilen getrennt und auf der nächsten Zeile fortgeführt.

Standardisierungs-Hilfen

Das Subsystem ist jetzt eineinhalb Jahre im Einsatz, und es ließ sich gut verfolgen, wie am Anfang des Betriebes noch fast jede neue Textstelle in den Thesaurus eingetragen wurde, während mittlerweile nur noch eine langsame Zunahme des Thesaurus-Wortbestandes zu beobachten ist. Fast alle medizinischen Ausdrücke, die zur Befundung im Dialyse-Zentrum, dem Einsatzort des Systems, von den Ärzten verwendet werden, sind also inzwischen gespeichert.

Durch Bearbeitung des Textes mit Hilfe von linguistischen Analyseprogrammen läßt sich ein Standardwortschatz für dieses spezielle Fachgebiet ermitteln, da beim Eintragen einer Textstelle eine Häufigkeitsstatistik vom Subsystem geführt wird. Die Texte lassen sich nach Häufigkeit sortieren, so daß auf diese Weise Hilfen zu einer Standardisierung der medizinischen Fachsprache gegeben werden können, wobei jetzt schon erkennbar ist, daß für den gleichen Sachverhalt von den Ärzten mehrere unterschiedliche Begriffe benutzt werden. Die Aussagen dieser statistischen Auswertungen veranlassen die dort arbeitenden Ärzte, ihre Ausdrücke zu vereinheitlichen, um so langfristig eindeutiger kommunizieren zu können.