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17.04.1987

DDP - das Schlagwort der 70er Jahre lebt wieder auf Zentralisierung oder Einsatz eines verteilten Systems - das ist hier die Frage. In vielen Unternehmen wird der Host oft durch die zunehmenden Dialoganforderungen der Fachbereiche blockiert. Das Organis

DDP - das Schlagwort der 70er Jahre lebt wieder auf

Zentralisierung oder Einsatz eines verteilten Systems - das ist hier die Frage. In vielen Unternehmen wird der Host oft durch die zunehmenden Dialoganforderungen der Fachbereiche blockiert. Das Organisationskonzept der "verteilten Intelligenz" gewinnt an Bedeutung. Zur Diskussion bei den Anwendern steht unter anderem ein Drei-Rechner-Ebenen-Konzept - die Installation eines Abteilungsrechners zwischen Desktop und Host. "Langfristig gesehen werden dem Einsatz von Abteilungsrechnern gute Chancen eingeräumt", so Gerhard Fleck, ADV-Leiter der Landesversicherungsanstalt Baden. Voraussetzung sei aber die Schaffung einer einheitlichen Benutzeroberfläche. Dieser Meinung schließt sich auch Bernd Früh, EDV-Leiter der Sparkassenakademie Bayern, an. Er meint jedoch: "Der Nachteil ist, daß derzeit bei IBM auch noch drei verschiedene Betriebssysteme zum Einsatz kommen."

Gerhard Fleck

Leiter ADV, Landesversicherungsanstalt Baden, Karlsruhe

Langfristig gesehen werden dem Einsatz von Abteilungsrechnern in Verbindung mit leistungsstarken zentralen DV-Anlagen gute Chancen eingeräumt.

Voraussetzung ist aus unserer Sicht die Schaffung einer einheitlichen Benutzeroberfläche, die unseres Erachtens mit Hilfe von intelligenten Terminals zu realisieren wäre.

Die Überlegungen gehen dahin, daß der Endbenutzer sich nur einmal zu identifizieren braucht, um ohne weitere Anmeldeformalismen möglichst parallel mit verschiedenen Anwendersystemen arbeiten zu können.

Bis wir aber solche Lösungen in unserem Hause realisieren können, wird es noch einige Jahre dauern, zumal unsere Leistungsabteilung im Bereich Versicherung und Rente sowie Rehabilitation auf ein und dasselbe Konto zugreifen.

Für diese Aufgaben kommt daher vorläufig noch keine dezentrale Lösung in Frage. Das Problem einer verteilten Verarbeitung können wir jedoch schon deshalb nicht vor uns herschieben, da wir in dem bundesweiten Netz mit dem Verband Deutscher Rentenversicherungsträger und den übrigen Landesversicherungsanstalten intensiv zusammenarbeiten .

Hier kommen bereits einheitliche Methoden der Programmierung und einheitliche Software-Tools zum Einsatz. Im Rahmen der Aufgabenteilungen in diesem Programmierkreis finden bereits heute Ferntests und der Austausch von Anwendersystemen statt, so daß wir auch heute schon in der Lage sind, auf unterschiedlichen Anlagen zu arbeiten.

Bernd Früh

EDV-Leiter Sparkassenakademie Bayern, Landshut

Die Alternativen Dezentralisierung oder Zentralisierung hängen meiner Meinung nach sehr von der Größenordnung des jeweiligen Unternehmens ab. Wenn zum Beispiel mehrere tausend Endgeräte an den Host angeschlossen sind, dann muß zwangsläufig dezentralisiert und entsprechende Logik aufgeteilt werden. Das Netzwerk wäre sonst, was die Dimension der Anwendungen betrifft, überfordert. Sicherlich sprechen verschiedene Argumente für die Realisierung eines solchen Drei-Rechnerebenen-Konzepts. Nachteil ist meiner Meinung aber, daß derzeit bei IBM auch noch drei verschiedene Betriebssysteme und die dazugehörige Basissoftware zum Einsatz kommen. Diese müssen letztendlich auf dem laufenden gehalten, versorgt und gepflegt werden.

Von der systemtechnischen Seite ist für uns ein der Dezentralisierung entsprechendes Drei-Rechner-Ebenen-Konzept zu aufwendig: Wenn wie bei uns durch die gegebene Organisationsstruktur die verteilte Datenverarbeitung in der Art nicht notwendig ist, sich auch kaufmännisch keineswegs rechnen läßt, dann nützen euphorische Versprechungen sowie Herstellerkonzepte und -angebote nichts.

Ein Zwei-Stufen-Konzept indes wird durchaus in unserem Haus diskutiert, da es auch unseren betrieblichen Anforderungen entspricht: Wir benötigen lediglich ein zentrales System, um die einzelnen Anwendungen wie Schulverwaltung, Finanzbuchhaltung, Bibliotheksverwaltung, Mediothek, Klausuren-Aufgabendatenbank, Warenwirtschaft etc. zu unterstützen.

Derzeit arbeiten in einem Aufgabenbereich mindestens ein bis zwei, maximal 15 Anwender. Seit vier Jahren bedienen wir diese Fachbereiche rein von der zentralen Seite. Basis dazu ist eine BS2000-Anlage von Siemens; für die Endbenutzer in den Abteilungen stehen "dumme" Terminals zur Verfügung.

In unserem Projekt Bürokommunikation wird ein zentrales Textsystem eingesetzt, das dem Anwender auf den bisherigen Terminals zur Verfügung steht. An drei, vier Arbeitsplätzen lohnt sich durchaus der Einsatz von PCs: In diesem Bereich muß viel individuelle Korrespondenz, Grafik etc. abgewickelt werden. Da diese Rechner wiederum an den Zentralrechner angebunden sein werden, sehe ich hier einen Ansatz zur "verteilten Intelligenz".

Eine dritte Systemebene zu schaffen, liegt derzeit nicht in unserem Interesse. Man kann hier vielleicht auf das Siemens-Konzept verweisen, das grundsätzlich eine Zwei-Schienen-Richtung vorsieht: im oberen Bereich eine BS2000-Anlage als Trägersystem und in der zweiten Ebene darunter dann Rechner, die unter Unix oder bei Siemens unter Sinix laufen.

Walter Ott

Leiter Automation, Stadtverwaltung Wiesbaden

Die Stadtverwaltung Wiesbaden ist Anwender am Hessischen Datenverarbeitungsbund, der sich aus fünf Kommunalen Gebietsrechenzentren (KGRZ) zusammensetzt. Diese bieten Datenverarbeitungsleistung für die Städte und Gemeinden in Hessen an. Wir nutzen hier zum

Beispiel das Angebot in den Bereichen kommunales Einwohnerwesen, Finanz- sowie Sozialwesen. 1982 wurde dazu bei der Stadtverwaltung eine Nixdorf-8890-Anlage installiert, die über fünf Standleitungen mit dem hiesigen KGRZ verbunden ist. Sie dient zum einen als Knotenrechner für alle Verbindungen zum KGRZ, zum anderen stellt sie den Mitarbeitern an den Terminals selbstentwickelte Anwendungssoftware und eine einheitliche Textverarbeitung zur Verfügung. Im Verhältnis zum KGRZ setzt die Stadt Wiesbaden im administrativen Bereich ein dezentrales System ein.

Eines unserer nächsten Ziele ist, im Bereich Abfallwirtschaft (Stadtreinigung) einen Abteilungsrechner zu installieren, im den wiederum Terminals angeschlossen sind. Hier soll zusätzlich Intelligenz direkt vor Ort gebracht werden, denn die Abfallwirtschaft hebt sich insofern von den administrativen Aufgaben der Stadtverwaltung ab, als sie nach betriebswirtschaftlichen Aspekten zu führen ist und mehr Rechnerleistung mit entsprechender Standardsoftware vor Ort erfordert.

Der Abteilungsrechner steht nicht als Stand-alone-System, Rechner verbunden und hat damit auch Zugriff zum Beispiel zum Finanzwesen im KGRZ. Wenn man es von der Bildschirm-Ebene her betrachtet, handelt es sich hierbei schon um ein Vier-Rechner-Ebenen-Konzept.

Als Alternative zu den HfD-Standleitungen fassen wir ein Ethernet-Netz mit Unix ins Auge. Leider ist das Marktangebot für Standardsoftware der Abfallwirtschaft nicht entsprechend ergiebig. Wir haben uns deshalb noch nicht definitiv für Unix-Standards entschlossen.

Realisiert wird diese Pilotinstallation über ein Bundesforschungsprojekt in Verbindung mit dem Umweltbundesamt. Die Fragen der Abfallwirtschaft, der Entsorgung betreffen ja nicht nur uns. Deshalb werden nach erfolgreicher Testinstallation die hier gewonnenen Erfahrungen auch anderen Städten beziehungsweise Abfallentsorgen zur Verfügung stehen.

Gerd Wulf

Leiter DV/Org., Nordwest Lotto und Toto, Hamburg

Zunächst wird in unserem Haus erst einmal vollständig die Dialogisierung durchgeführt. An jeden möglichen Arbeitsplatz kommt ein Bildschirm; in den nächsten Jahren sind auch PCs vorgesehen.

Die Bedürfnisse der einzelnen Abteilungen sind in den letzen Jahren derart gestiegen, daß zum Beispiel in der Buchhaltung ein Terminal gar nicht mehr wegzudenken ist.

Die bisher installierten Bildschirme sind schon zu 70 Prozent mit einem Abteilungsrechner, einer Nixdorf 8850, verbunden. Dieser Rechner fungiert als Datensammelsystem und betreut derzeit alle Abteilungen. Eine dritte Stufe dazwischenzuschalten, kommt für das Nordwest Lotto nicht in Frage. Geplant ist den Nixdorf-Rechner durch ein mit dem Host verbundenes System MX500 zu ersetzen.

Heutzutage ist das Marktangebot sehr groß, und man kann leicht den Zug für die Zukunft verpassen, wenn man nicht das für das Unternehmen passende System aussucht. Ich glaube, wir haben mit der Unix-Welt die richtige Entscheidung getroffen.

Peter Mann

Mitarbeiter Systemprogrammierung und Planung, Hochschulrechenzentrum der Gesamthochschule Kassel

Anlaß der Dezentralisierung der DV-Leistung an der Gesamthochschule Kassel war die Neuberufung von Professoren in den Bereichen Produktionstechnik, Technische Mechanik, Strömungsmaschinen, Wärmetechnik und Metallphysik. Diese Fachgebiete benötigen für ihre Lehr- und Forschungstätigkeiten leistungsfähige Prozeßrechner in ihren Labors. Der bis dahin betriebene alte zentrale Prozeßrechner der Firma Siemens konnte den gestellten Anforderungen der Fachgebiete jetzt nicht mehr gerecht werden.

Bei dem damaligen Planungsstand konnte bereits vorausgesehen werden, daß Insellösungen für die Anforderungen ungenügend sind. Es entstand ein Drei-Rechner-Ebenen-Konzept, realisiert durch zwei verschiedene Hersteller.

Als erstes zentrales System (Ebene 1) wurde im Rechenzentrum eine leistungsfähige Anlage der Firma Norsk Data installiert. An dieses Zentralsystem wurden die Laborrechner (Ebene 2) angeschlossen. Zu diesem homogenen Rechnerverbund wurden auf der Ebene der Laborrechner außer Terminals auch PCs angeschlossen (Ebene 3). In der Regel sind zwischen acht und zwölf Terminals beziehungsweise PCs an die Laborrechner angeschlossen. Das zweite Rechnersystem mit Anlagen

der Firma Digital Equipment ist analog aufgebaut.

Dieses Rechnerkonzept vereinigt die Vorteile der ausreichenden Rechnerleistung vor Ort mit dem komfortablen Zugriff auf Ressourcen des Zentralsystems. Beispielsweise können Meßdaten an den lokalen Prozessen aufgenommen und vorverarbeitet werden, und anschließend auf dem Zentralsystem als Eingabe für aufwendige FEM-Berechnung zu dienen, die ihrerseits rückkoppelnd auf die Prozesse einwirken.

Die Realisierung des Rechnerverbundes verlief ohne größere Schwierigkeiten. Den Aufbau des Netzes mit herkömmlicher Technologie unter Verwendung bereits vorhandener Telefonkabel haben unsere eigenen RZ-Abteilungen ausgeführt. Nach einem halben Jahr waren die homogenen sowie die inhomogenen Komponenten des Netzes funktionsfähig.

Nicht alle Laborsysteme befinden sich auf dem Hauptstandort der Hochschule; zu ihrer Anbindung müssen die Dienste der Post in Anspruch genommen werden. Die Übertragungsgeschwindigkeiten von 9,6 (Post) und 76 Kilobaud (inhouse) sind für die meisten Anwendungen ausreichend. Langwierige Arbeiten, wie zum Beispiel Datensicherung der Laborrechner auf Magnetbändern des Zentralsystems, werden in die Nachtstunden ausgelagert.

Parallel zu dem über Telefonkabel installierten Netz wird derzeit ein Netz der Firma Digital Equipment auf Basis von Ethernet realisiert. Dieses Netzwerk garantiert eine wesentlich höhere Leistungsgeschwindigkeit. Die Installation lief bisher leider nicht so reibungslos. Obwohl die Rechner schon seit vier Jahren installiert sind, sind sie immer noch nicht miteinander verbunden. Gründe für die Verzögerung der Installation waren unter anderem der Konkurs des OEM-Anbieters, bei dem die DEC-Systeme beschafft worden sind, sowie Finanzierungsprobleme bei den zusätzlichen Investitionen für Kabel und deren Verlegung.

Rückblickend auf die Erfahrungen, die wir mit dem einen Rechner-Verbund-System machen konnten (das zweite wird in Kürze in Betrieb gehen), ist davon auszugehen, daß eine wirtschaftliche Amortisierung gegeben ist. Alle erforderlichen Dienstleistungen, angefangen mit der Softwareverteilung, dem Software-Update, der Softwarewartung, bis hin zur Systembetreuung und -beratung, können von unserer eigenen zentralen DV-Abteilung ausgeführt werden. Die Wissenschaftler in den Labors sind auf diese Weise in der Lage, sich ganz ihrer Arbeit zu widmen und müssen sich nicht mit Problemen der Systemwartung beschäftigen.