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15.08.1980

DDP-Lernphase

Die Computerleute haben ihre Hausaufgaben gemacht. Sie wissen mittlerweile auswendig, was sich hinter dem neudeutschen Kürzel "DDP" (wortgetreu) verbirgt. Kunststück: Der DDP-Zug rollt - der Computer ist auf seinem Weg zum Endbenutzer nicht mehr aufzuhalten.

Für DV-Profis besteht freilich als Streckenarbeiter erhöhte Gefahr, unter die Räder zu kommen.

Denn der Begriff hat sich gewandelt: Stand "Distributed Data Processing" bis vor kurzem als Synonym für "Dezentrale Datenverarbeitung" - mit Betonung auf "Verarbeitung" -, so wird diese DV-Nutzungsform nunmehr von den meisten DDP-Theoretikern vorrangig unter dem Aspekt der "Verteilung" von Daten gesehen. Das heißt: Nicht, ob und wie Zentralrechner-Power teilbar ist, bereitet Kopfzerbrechen, sondern die Frage nach der Redundanz, die hingenommen werden kann. Dies betrifft auch das Personal, das im Unternehmen für Datenverarbeitung eingesetzt wird. Mit anderen Worten: Wenn in der Zentrale nicht mehr so viel Datenarbeit da ist, dann soll man die Manpower verringern.

Und da gibt es ja auch noch den Entfremdungseffekt, die Tatsache also, daß sich die DV-Abteilung immer mehr von der Benutzerbasis entfernt hat und gleichzeitig immer unkontrollierbarer geworden ist.

Problematisch wurde es, als es mit den dicken Online-Jumbos nicht mehr so recht voranging.

Es scheint doch so, als hätten die Anbieter von Distributed Data Processing-Produkten das Unvermögen der "Zentralisten" ausgenutzt, endbenutzerorientierte Lösungen auf immer komplexer werdenden Systemen zu entwickeln.

Meldungen, wonach in Minicomputern ein vollwertiger Großrechnerersatz gefunden worden sei, erwiesen sich freilich als "Enten".

Das Ergebnis dieser Anti-Mainframe-Kampagne kennen wir alle: Die Mini-Fans schadeten der DDP-Sache durch einseitige, wenn auch mitunter witzige Polemik ("Mini-Lösung gleich Mini-Kosten").

So ist die Minicomputer-Euphorie in Nüchternheit umgeschlagen, der freilich die Fixpunkte am Entwicklungshorizont fehlen.

Woran soll sich der DV-Leiter im Dschungel der Distributed Data Processing-Konzepte orientieren? Betrachten wir das Rollenverhalten und die Kompetenzverteilung beim DDP-Entscheidungs- und Einführungsprozess. Von wem geht die Initiative aus, den Wasserkopf "DV-Zentrale" abzubauen? Welche Unternehmensbereiche wirken bei der Ausarbeitung von Distributed Data Processing-Konzepten mit? Wer wählt die geeigneten DDP-Produkte aus? Wer führt die Implementierung durch? Und wer ist letztlich für den laufenden DDP-Betrieb verantwortlich - vor Ort und in der Zentrale?

Auf alle diese Fragen gibt es eine Antwort: Die starke Beteiligung des gehobenen Managements und der Endbenutzer ist das besondere Merkmal von Distributed Data Processing-Konzepten. Die DV-Abteilung verliert als Ausführungs- und Leitungsinstanz an Bedeutung, wird zum Beratungs-, Steuerungs- und Kontrollinstrument umfunktioniert - kein Wunder, daß der Anstoß für ein DDP-Experiment oft nicht von der DV, sondern vom Top-Management ausgeht. Noch mehr: Viele DV-Chefs wollen angesichts drohenden Kompetenzverlustes von "Verteilter Intelligenz", vom Prinzip der Gleichberechtigung der Endbenutzer, nichts wissen.

Wir leben in einer DV-Übergangsphase. Die "Zentralisten" sind dabei abzutreten. Zur Zeit sucht ein neuer Typ von Datenverarbeiter seine Identität als "Informations-Manager" - gewiß kein leichtes Unterfangen. Doch ohne Engagement geht es nicht.