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26.09.1980

DDP: Vom Zentralregen in die Fachbereichstraufe?

Die von den DV-Anbietern gepriesene Produktivitätssteigerung der Datenverarbeitung als Folge der Verlagerung von Verantwortung in die Fachbereiche lasse sich nicht nur durch Integration von Bildschirmen erreichen, stichelt Wilfried Büsing, DV-Chef bei den Bielefelder Dürkopp Werken. Für den Endbenutzer sei es völlig unerheblich, ob seine Anwendung auf einem zentralen System oder auf einer dezentralen Maschine laufe, so Büsing, "Hauptsache, sie funktioniert". Hans Sternberg von der Hertie GmbH sieht in Distributed Data Processing (DDP) den Ausweg aus einer Sackgasse, denn über Jahre hinweg sei durch immer größer werdende zentrale Systeme geradezu ein Trichter aufgebaut worden. Bisher sei jedoch der gewünschte Effekt nur bedingt eingetreten. "Der Weg ist zwar der richtige", sagt der Hertie-Manager, "aber die technischen Voraussetzungen sind herstellerseitig noch nicht vorhanden." ha

Wilfried Büsing

DV-Leiter, Dürkopp-Werke GmbH, Bielefeld (IBM 370/125, DOS/VS)

Wir wenden Distributed Data Processing (DDP) seit 1978 in den Bereichen Betriebsdatenerfassung und -abfrage sowie in der allgemeinen Datenerfassung (zentral und dezentral) an. Neuerdings auch in der Auftragsabwicklung für Fertigerzeugnisse.

DDP haben wir nie als Philosophie betrachtet, sondern als eine technische Lösungsmöglichkeit, die man bei jeder Anwendung neu in Betracht ziehen muß. Für uns war es selbstverständlich, daß die Integration auf der Ebene der Daten und Programme mit anderen Anwendungssystemen absolut sichergestellt werden mußte. Insofern ergab sich als Kriterium für DDP, daß der Datentransfer zu anderen Anwendungssystemen nicht zu groß werden und die Redundanz der zu speichernden Daten in diesem dedizierten System nicht einen zu großen Umfang annehmen durfte. Waren diese Voraussetzungen gegeben, haben wir grundsätzlich DDP in Betracht gezogen. Allein von der technischen Lösung betrachtet, hat es uns erhebliche Vorteile gebracht.

Man bekommt im Grunde genommen ein System mit höherer Ausfallsicherheit und mit der Einschränkung des negativen Einflusses anderer Anwendungen auf dieses System. Bezogen auf die Anwendungslogik ist es egal, ob die Daten im Zentralcomputer in einer Partition parallel zu vier anderen Partitions laufen oder in einem eigenen Rechner.

Der Anwendungsnutzen ist unabhängig von der technischen Lösung zentral oder durch DDP festzustellen. Das heißt, der Endbenutzer in der Fachabteilung erwartet bestimmte Eigenschaften einer Anwendung.

Erst wenn diese gegeben sind, ist der Nutzen feststellbar. Es ist dabei völlig unerheblich für den Benutzer, ob seine Anwendung auf einem zentralen System läuft, an das er seine Bildschirme angeschlossen hat, oder ob dazwischen noch eine zusätzliche intelligente Maschine steht, die ihm Autonomie in der Anwendung gewährleistet. Insofern hat DDP bei uns die Produktivität nicht erhöht. Andererseits haben sich jedoch indirekt andere Dinge ausgewirkt. Im Falle der Auftragsabwicklung für Fertigerzeugnisse haben wir zum Beispiel ein DDP-System einschließlich Standardsoftware (inklusive Anpassung durch den Hersteller, für weniger Geld bekommen) als uns die reine Auftragsabwicklung Software für ein DOS-System komplett gekostet hätte.

Andererseits haben wir jedoch die Erfahrung gemacht, ab Mißtrauen gegenüber der von Kleinrechner-Herstellern angebotenen DFÜ-Prozeduren angebracht ist. Diese funktionieren in der Praxis selten so reibungslos, wie es die Broschüren der Anbieter versprechen.

Die von Herstellerseite häufig gepriesene Verantwortungsübertragung in die Fachbereiche läßt sich nicht durch die Integration von Bildschirmen übertragen. In unserem Unternehmen sind wir schon immer davon ausgegangen, daß der Benutzer für seine Daten selbst verantwortlich ist. Die DV-Abteilung hat nur die technische Durchführung und die Integrität der Daten sicherzustellen. Daran ändert auch DDP nichts.

Bei der Einführung von DDP reagierten die Fachbereiche in, dessen verwundert, weil der Anstoß zu diesem dedizierten System von Seiten der EDV gekommen war. Obwohl wir den Computer nie als Machtfaktor betrachtet haben, sondern vielmehr als technisches Hilfsmittel, war dennoch die Verwunderung über ein eigenes System groß. Die Sachbearbeiter dachten gar, die DV-Abteilung löst sich auf.

Die Realisierung des DDP-Projektes ist bei uns als ganz normales DV-Projekt bearbeitet worden. Der Unterschied lag lediglich darin, daß wir die DDP-Systeme nicht selbst programmiert haben, sondern ein Softwarehaus für die Programmerstellung sorgte.

Hans Sternberg

Direktor Organisation und Datenverarbeitung, Hertie Waren- und Kaufhaus GmbH, Frankfurt (2 x IBM 370/158, OS/VS)

Besonders bei einem Unternehmen unserer Struktur, einem Warenhaus-Konzern mit einer großen Anzahl von Filialen, spricht vieles für die dezentrale Datenverarbeitung. Noch vor ein paar Jahren gab es nur die Möglichkeit, mit einer zentralen DV sehr unterschiedliche Aufgaben zu bewältigen. Dies führte dazu, daß immer größere Systeme in der Zentralverwaltung eingesetzt werden mußten und somit ein Trichter mit entsprechenden Engpässen aufgebaut wurde.

Da in unseren Filialen eine hohe Anzahl von Daten anfiel, die dann zentral verarbeitet werden mußten, entstand die Frage, ob hier nicht ein organisatorisch besserer Weg gefunden werden konnte. So zum Beispiel, statt mit einer großen Anzahl von Einzeldaten, letztlich nur noch mit den Endergebnissen zu rechnen. Dies war einer der Vorteile, die wir uns durch die Einführung von Distributed Data Processing versprochen haben. Bisher konnte allerdings dieses Ziel noch nicht erreicht werden, weil die zur Verfügung stehenden Systeme eine Verwirklichung nur bedingt zulassen.

Die erste Umstellung erfolgte somit zunächst auf Disketten-Erfassungsgeräte, um die Einsendungen von Handschriftbelegen oder Zeichenlochkarten zu ersetzen. In unserem derzeitigen Stadium werden uns Disketten von den Filialen geschickt, die den Vorteil bringen, daß die Zahlen bereits verarbeitungsfähig in die Zentrale gelangen.

Eine andere Anwendungsform in unserem Hause sind Point of Sale-Systeme. Auch hier ist die echte dezentrale Anwendung nur einer der Wünsche, die bisher nur zum Teil realisiert werden konnten. Die meisten Systeme ermitteln lediglich in ganz geringem Umfang Zwischenergebnisse, so daß die effektive Verarbeitung trotzdem größtenteils zentralseitig erfolgen muß.

Für Filialbetriebe unserer Art muß künftig verstärkt dafür gesorgt werden, den Computer an den Arbeitsplatz zu bringen um die Engpässe in den Zentralverwaltungen zu vermeiden. Alle Ergebnisse, die zentral nicht benötigt werden, sollten in den jeweiligen Bereichen verbleiben.

Bisher ist bei uns der gewünschte Effekt durch DDP nur bedingt eingetreten. Der Weg ist zwar der richtige, aber die technischen Voraussetzungen sind herstellerseitig hier noch nicht vorhanden.

Bernd Krimmel

DV-Leiter, DWM Copeland GmbH, Berlin (IBM/370-125, DOS/VS-2 x IBM/34)

1972 entstand aus der DWM Kältekompressoren GmbH durch die Partnerschaft mit der amerikanischen Copeland Corporation die DWM Copeland GmbH. Auf 49 000 Quadratmeter Nutzfläche wird in den drei Werken (Hauptsitz Berlin; St. Tries/ Frankreich; Walkenreadt/Belgien) produziert. Die Belegschaft belauft sich heute auf rund 8000 Mitarbeiter.

Vor zwei Jahren entschlossen wir uns zur stufenweisen Einführung einer dezentralen Datenerfassung. In der ersten Phase wurde die Buchhaltung sowie ein Teil der Materialwirtschaft mit Funktionen abgedeckt. Die Installation dauerte ein hlemlos. Der Beweggrund für dezentrale Datenerfassung lag hauptsächlich darin, daß die Belege am Ort der Verarbeitung bleiben sollten. Dadurch erreichten wir einen hohen Informationsstand sowie eine hohe Transparenz der Daten.

Die anfängliche Skepsis seitens der Fachabteilungen wurde durch den sich rasch zeigenden hohen Informationsstand der Vorgänge kurzfristig ausgeräumt. Der durch die direkte Verarbeitung erzielte Nutzen liegt auf der Hand: Wegfall der Zwischendatenträger (Lochkarten), zeitraubende Belegaufbereitung, umständlicher Transport.

Heute sind wir überzeugt, daß der eingeschlagene Weg für unser Unternehmen sinnvoll und vernünftig ist. Deshalb werden wir weiterhin konsequent die Ziele verfolgen, die uns den direkten Dialog Fachabteilung - DV ermöglichen, um damit dem Benutzer alle Vorteile zu geben, die ein modernes System bietet.

Jedoch dürfen bei all den Überlegungen die Schwierigkeiten nicht außer acht gelassen werden, die durch Einführung von Distributed Data Processing für die DV-Abteilung entstehen. Da sich die Durchlaufzeit verringert und somit der Online-Betrieb zunimmt leidet der Batch-Betrieb, so daß ein Systemwechsel unausbleiblich wird.

Die nächsten Ziele in unserem Hause umfassen Produktionsplanung und Steuerung. Wir wollen damit einen weiteren Schritt machen, um den Fachabteilungen hautnahe Informationen zu liefern. Gleichfalls können wir auf empfindliche Marktreaktionen reagieren. DDP sinnvoll eingesetzt und angewandt, stellt heute in unserem Unternehmen einen nicht mehr wegzudenkenden organisatorischen Faktor dar.