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14.05.1982 - 

Fünfjahresplan legt bis 1985 Wachstumsrate von neun Prozent fest:

DDR forciert den Einsatz der Mikroelektronik

BERLIN (VWD) - "Einen kräftigen Beitrag zur beschleunigten Einführung solider Mikroelektronik" erwarten sich die Staaten des Rates für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) von der Elektrotechnik der DDR. Video, "Volkscomputer" Telespiele und Glasfaserkabel sind dagegen - anders als bei uns - kein Thema.

Eine Folge dieser Verpflichtungen im Rahmen des RGW ist daher auch, daß der Einsatz moderner Technologie in der DDR wesentlich unter dem Niveau der Bundesrepublik liegt.

In der elektrotechnischen Industrie der DDR werden 50 Prozent aller Produkte ausgeführt, in den Kombinaten Pentacon und Robotron 70 und bei Carl-Zeiss-Jena sogar 80 Prozent. Das meiste davon geht allerdings in Richtung Osten. Exporte in den Westen scheitern nicht immer am technischen Niveau, eher am fehlenden Einfühlungsvermögen für den Markt.

Die SED sieht in der Automatisierung von Arbeitsvorgängen durch Industrieroboter den Hauptweg zu höheren Fertigungszahlen. Für Politbüromitglied Günther Mittag ist der Ersatz von 2,5 Beschäftigten durch einen Automaten eine "Mindestzielstellung". Internationale Erfahrungswerte ergäben "vier, fünf und mehr freigesetzte Arbeitskräfte". Für die Elektrotechnik wurden deswegen bis 1985, dem Ende des laufenden Fünfjahresplans, reale Wachstumsraten von mehr als neun Prozent angesetzt. Angesichts der knappen Investitionsmittel vermutet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, daß ein solches Ziel nur durch höhere Schichtauslastung der Kapazitäten zu erreichen ist. Gerade daran hapert es aber auch bisher schon.

Das Ministerium für Elektrotechnik und Elektronik, dem 17 Kombinate mit zusammen 470 000 Beschäftigten unterstellt sind, leitet inzwischen 36 Prozent aller Investitionsmittel in Betriebe für mikroelektronische Bauelemente. Das "Zentrum für Forschung und Technologie der Mikroelektronik" in Dresden treibt mit 7000 Beschäftigten die Arbeiten voran. Bis 1985 will man eine eigene mikroelektronische Basis zur Modernisierung der Industrie aufbauen. Allerdings ist der Abstand zwischen Erstanwendung von Entwicklungen und einer serienmäßigen Verbreitung immer noch unverändert groß.

Von einem Einholen westlicher Länder in breitem Maßstab kann nach Ansicht des DIW keine Rede sein. Während sich im Westen ganze Computergenerationen ablösen, bleiben in der DDR alte und neue Modelle vielfach parallel in Betrieb. 1980 waren in der Bundesrepublik mehr als 194 000 EDV-Anlagen vom Tischrechner bis zum Großcomputer installiert, in der DDR dagegen nach Schätzungen lediglich 3500. Bis 1985 dürfte sich der Abstand wegen der hohen Exporte in die RGW-Staaten noch vergrößern.