Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

12.04.1979

DDR und Sowjetunion beim RGW-Mini-Angebot:Inkompatibilität bremst Kleintechner-lntegration

Mit der Integration von Kleinrechner-Systemen in die Wirtschaft der RGW-Länder und mit der Leistung der in sozialistischer Produktion entstandenen Minicomputer beschäftigt sich die jüngste Analyse der Forschungsstelle für gesamtdeutsche wirtschaftliche und soziale Fragen. Autor Klaus Krakat kommt zu dem Schluß, daß speziell in der Kleinrechnertechnik nicht nur Kooperation mit verbündeten Ländern wird, sondern daß eine zum Teil enge Zusammenarbeit mit westlichen EDV-Herstellern und die Inanspruchnahme westlicher Lizenzen und Patente zur Praxis geworden ist.

Mit der Gründung des Systems der Kleinrechner (SKR) im Jahre 1974 wurde auch auf dem Gebiet der Kleinrechnertechnik eine Zusammenarbeit aller RGW-Länder beschlossen. Verbunden mit dem Kooperationsbeschluß war ohne Zweifel die Aufgabenstellung, ähnlich wie im Falle der ESER, zumindest langfristig eine hinreichende Systemvereinheltlichung anzustreben Noch können alle Aktivitäten der RGW-Länder,

die zunächst in ihrem Ergebnis zu einer ersten Modellreihe der Systeme der Klemrechner (SKR I) mit vier in der UdSSR hergestellten Rechnern (Prozeßrechnerkomplexe SM-I, SM-2, SM-3 und SM-4) führten, als ein erster Schritt auf dem Wege zu einer Integration verstanden werden. Von diesen Rechnern sind nach sowjetischen Aussagen Ende 1977 zwei Modelle in die Serienfertigung überführt worden Eine weitere Modell reihe (SKR Il), ausgerüstet mit Mikroprozessoren und daher mit erweiterter Leistungsfähigkeit, ist geplant.

Gegenwärtig wird das Bild jedoch von einer Vielzahl in Architektur und Leistungsvermogen unterschiedlicher und nicht miteinander kompatibler Kleinrechenanlagen (einschließlich Mini- und Mikrorechner sowie Prozeßrechner), die nicht dem SKR angehören, geprägt. Die zunehmende Produktion solcher Rechnersysteme und deren staatliche Förderung kann nicht nur als ein Ausdruck nationaler Interessen und Anwenderbedürfnisse gewertet werden. Sie demonstriert in der Tat ebenso den Stellenwert der elektronischen Datenverarbeitung und den Einsatz von Anlagen aus eigener Produktion in den verschiedensten volkswirtschaftlichen Bereichen. Vor allem die DDR nimmt gerade auf dem Gebiet der Kleinrechnertechnik eine führende Position innerhalb des RGW ein und rangiert aufgrund ihrer Angebots breite ohne Zweifel vor der UdSSR. In letzter Zeit machten jedoch auch andere RGW-Länder mit der Entwicklung und der Produktion neuer und leistungsfähiger Kleinrechnersysteme auf sich auf merksam. Die bisherige Entwicklung der

elektronischen Datenverarbeitung und speziell auf dem Gebiet der Kleinrechnertechnik hat gezeigt, daß für einige RGW-Länder nicht nur eine Kooperation innerhalb des RGW von Bedeutung ist, sondern daß eine zum Teil enge Zu sammenarbeit mit westlichen EDV-Herstellern und die Inanspruchnahme von Lizenzen zur Praxis geworden ist.

Kleinrechner werden in den RGW-Ländern seit den sechziger Jahren hergestellt Obwohl zwischen 1970 bis 1973 mit der Produktion leistungsfähiger Anlagen der dritten Generation begonnen wurde, sind noch immer ältere Rechner der zweiten Generation im Einsatz. Sie werden jedoch nach und nach ausgegliedert und durch neue Anlagen ersetzt, so daß sich ihr Anteil von Jahr zu Jahr verringert. Die gegenwärtig hergestellten Rechenanlagen unterscheiden sich aufgrund der für sie vorgesehenen speziellen Einsatzgebiete in Architektur und Leistungsvermögen voneinander. Von diesen neuen Klein- und Spezialrechnern gehört zumindestens gegenwärtig dem System der KIeinrechner mit seinen ersten Modellen nur ein verschwindend, kleiner Teil an.

Die bisherige Entwicklung hat sich in zwei verschiedenen Richtungen vollzogen: Einerseits wird mit der Gründung eines "Systems der Kleinrechner (SKR)" analog zum "Einheitlichen System der elektronischen Rechentechnik (ESER)" unter der Leitung der UdSSR eine Systemfamilie zueinander kompatibler Kleinrechner geschaffen und andererseits verstärkt sich der Trend, unabhängig vom SKR, die nationalen Aktivitäten auf dem Gebiet der Kleinrechner zu verstärken. Besonders mit der Produktion verschiedener Bürocomputer entsprachen einige RGW-Länder der internationalen Entwicklung, Rechenanlagen für Klein- und Mittelbetriebe zur Verfügung zu stellen. Bei den neuesten Kleinrechnermodellen handelt es sich zudem in der Regel um funktionsfähige Grundeinheiten und einer Reihe von Baugruppen zum Systemausbau. Die Berücksichtigung einer leistungsfähigen Schaltungstechnik ermöglichte darüber hinaus den Bau der allgemein üblichen raumsparenden Bauteile. Mit ihren neuen Rechnern versprechen sich die Computerhersteller im RGW auch eine für sie zählbare Resonanz im Westen und damit Absatzchancen. In der Tat konnte zum Beispiel die DDR ihren Buchungs-Fakturierautomaten daro 1720 nicht nur nach Frankreich, sondern ebenso an Abnehmer in die Bundesrepublik Deutschland und Österreich exportieren. Eine Ausweitung des Exportes ist durchaus denkbar, wenn vom RGW in Leistung, Verarbeitung und verwendeter Technologie den westlichen Erzeugnissen ebenbürtige Anlagen produziert werden, und wenn diese auch aufgrund ihres Preis-/Leistungsverhältnisses für einen möglichen Kunden aus dem Westen interessant genug sind.

Aufgaben der Kleinrechner (SKR)

Mit Blick auf die zunehmende Bedeutung der elektronischen Datenverarbeitung als "lntensivierungsfaktor" und anerkannter Maßstab des wissenschaftlichtechnischen Fortschritts im allgemeinen und speziell unter Berücksichtigung der sich international abzeichnenden Tendenz zur verstärkten Anwendung von Klein- beziehungsweise Bürocomputern, wurde bereits vor längerer Zeit innerhalb des RGW die Notwendigkeit erkannt, analog zum bereits bestehenden "Einheitlichen System der elektronischen Rechentechnik (ESER)", gleichfalls ein "System der Kleinrechner (SKR)" zu schaffen und damit die bisherigen gemeinsamen Arbeiten innerhalb des Bereichs der elektronischen Datenverarbeitung "auch auf das Gebiet der Prozeß- und Kleinrechner auszudehnen". Entsprechend faßte man Mitte 1974 einen "Beschluß zur Organisation gemeinsamer Arbeiten an Kleinrechnern im Rahmen der mehrseitigen Regierungskommission für Rechentechnik". An der Gründung der SKR beteiligten sich Bulgarien, die CSSR, die DDR, Kuba, Polen, Rumänien, die Sowjetunion sowie Ungarn.

Anders als im Falle des ESER handelt es sich bei dem SKR nicht um eine Spezialorganisation. Mit ihm verband sich insbesondere das Bemühen, die Arbeiten auf dem Gebiet der Kleinrechner in den einzelnen RGW-Ländern zu koordinieren und untereinander abzustimmen. Weiterhin heißt es hierzu wörtlich: "Das Ziel dieser Arbeiten ist die gemeinsame Entwicklung eines Komplexes gerätetechnischer und programmtechnischer Mittel des SKR und die Organisation der Serienproduktion auf der Grundlage der Spezialisierung und Kooperation der sozialistischen Länder. Das SKR muß auf modernem, hohem technischen Niveau entwickelt werden, womit der Übergang zu einem neuen Niveau von Systemanwendungen in der Volkswirtschaft der sozialistischen Länder ermöglicht wird. Indem sie sich gegenseitig ergänzen, sind das ESER und das SKR insgesamt die technische Basis der automatisierten Datenverarbeitung und Steuerung in allen Bereichen der Volkswirtschaft unserer Länder."

Zu den Hauptaufgaben des SKR wird vor allem die Erweiterung der bisherigen Anwendungsbereiche für Kleinrechner gezählt. Vergleicht man nun die in der einschlägigen Literatur eingehend behandelten umfangreichen Aufgaben und Ziele des ESER mit den bisher relativ wenigen Angaben zum SKR, dann drängen sich einige Schlußfolgerungen auf: Man kann durchaus davon ausgehen, daß nach dem Vorbild des ESER ebenso die Realisation eines "Einheitssystems" im Bereich der Kleinrechner in der Form einer Typenreihe leistungsmäßig abgestufter und zueinander kompatibler Rechner geplant worden war. Immerhin bot sich zudem mit einem solchen "einheitlichen System der Kleinrechner auch eine Reduzierung der verschiedenen im RGW produzierten Kleinrechnertypen an. Es müssen im vorliegenden Falle jedoch Kräfte wirksam geworden sein, die eine weitgehende Vereinheitlichung verhindert haben. Sicherlich war man wohl auch gezwungen gewesen, spezifischen nationalen Entwicklungen und den sich daraus ergebenden Sachzwängen sowie nationalen Produktionsprogrammen und -schwerpunkten größeren Raum zu gewähren. Auf jeden Fall waren ,,eine Reihe unterschiedlicher Ansichten" zu koordinieren, "um eine Konstruktionsbasis für die einzelnen Computerteile und die verschiedenen zusätzlichen Einrichtungen" zu schaffen. Mit Blick auf die 1973/1974 im RGW anzutreffenden Tatbestände und die bis dahin in den einzelnen RGW-Ländern produzierten Kleinrechnersysteme erklärte Naumov, der Generalkonstrukteur im SKR, resignierend: "Diese Arbeiten wurden allerdings ohne die notwendige Koordination durchgeführt. Damit ist es nicht möglich, diese Ergebnisse wegen der fehlenden Kompatibilität der Technik und der Systemunterlagen gemeinsam zu nutzen.'' Der Betriebsdirektor des VEB Robotron Zentrum für Forschung und Technik und zugleich Chefkonstrukteur im ESER, Merkel, äußerte sich hierzu wie folgt: ". . . bei Kleinrechnern ist auch die Möglichkeit eines jeden Landes zu eigenen Lösungen reichhaltiger als bei EDVA. Wir selbst spuren dies in der DDR im Bemühen einiger Zweige außerhalb der rechentechnischen Industrie, Spezialrechner selbst zu entwickeln und zu produzieren. Uns scheinen das nicht notwendige, volkswirtschaftlich nicht vertretbare Versuche zu sein. Wir alle haben eigentlich dasselbe Spektrum an Bauelementen zur Verfügung, und bei allen hängt der Gerätepreis von der Technologie und Stückzahl ab. Die national skizzierten Tendenzen sind natürlich international weit stärker vertreten und haben dort zum Teil auch ihre Berechtigung, so daß wir bei dem System der Kleinrechner nicht mit einer so straffen Systemkonzeption und Spezialisierung rechnen sollten."

Organisatorisch wurde das SKR dem ESER angegliedert, und so sind daher auch für das SKR weitgehend die innerhalb der ESER tätigen Leitungsorgane zuständig: Oberstes Leitungsgremium ist die Regierungskommission für die Zusammenarbeit sozialistischer Länder auf dem Gebiet der Rechentechnik (offizielle Abkürzung RKRT. Das Grundungsdatum des RKRT ist mit dem des ESER identisch 23 12 1969 Mitgliedslander sind Bulgarien, Ungarn, DDR, Kuba, Polen, Rumänien, die UdSSR und die CSSR), das

Koordinationszentrum (es leitet und koordiniert die Arbeiten aller Organe während der Zeit zwischen den einzelnen Tagungen der Regierungskommission), der Ökonomische Rat, der Rat der Chefkonstrukteure sowie weitere Spezialisten wie der Einsatzrat und der Rat für die komplexe Wartung der Rechentechnik.

Den gesamten Forschungsarbeiten sowohl für das SKR als auch für das ESER liegt ein bis 1980 reichender nicht veröffentlichter Plan zugrunde, der sämtliche Aspekte der Entwicklung, Produktion und der Anwendung der elektronischen Datenverarbeitung in den RGW-Ländern umfaßt.