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27.08.1993 - 

Entwicklungs- und Lizenzierungsabkommen geschlossen

Deal von Silicon Graphics mit Nintendo signalisiert Trendwende

MUENCHEN/SAN FRANZISKO (jm) - Die Entwicklungs- und Lizenzierungsvereinbarung zwischen dem 3D-Grafik-und Animationsspezialisten Silicon Graphics Inc. (SGI) und dem weltweiten Marktfuehrer fuer elektronische Spiele (Gameboys) Nintendo ist einmal mehr Beleg dafuer, dass die Computerindustrie vor einem entscheidenden Entwicklungsschritt steht.

Die Branche befindet sich vor einem Durchbruch: Marktbedeutende Unternehmen wie Intel, Microsoft, IBM und HP, Verlage wie Time Warner Inc., der nebenbei der zweitgroesste Kabelkanalanbieter der USA ist, sowie TV-Dienstleister bewegen sich mit auffallendem Interesse aufeinander zu, um ihre Kompetenzen unter einen Hut zu bringen.

In diesem Zusammenhang ist auch das Entwicklungs- und Lizenzierungsabkommen zwischen SGI und Nintendo zu sehen: Die Kalifornier werden fuer ihre Entwicklungsanstrengungen, wie SGI- Marketing-Manager Matthias Ehrlich mitteilte, 24 Monate lang von den Japanern finanzielle Zuwendungen erhalten. Ueber deren Hoehe bewahrten beide Firmen Stillschweigen. Im Gegenzug schmelzen die Entwickler aus Mountain View ihre 3D-Grafiksoftwareprodukte wie etwa die Reality Engine so zusammen, dass sie auf einer ebenfalls von SGI zu entwickelnden und "Multimedia Engine" genannten Hardware in Gameboy-Groessenordnung ablauffaehig sind.

Kuenftige TV-Programme per PC zusammenstellen

Bei Multimedia Engine handelt es sich zum einen um den R4200- RISC-Prozessor der SGI-Tochter Mips Technologies Inc. Zum anderen entwickelt SGI anwendungsspezifische ICs (ASICs) sowie einen dedizierten Grafikprozessor. Der komplette Chip-Satz wird in zukuenftigen Gameboys eingesetzt. 1994 sollen erste Produkte in Umrissen sichtbar sein, 1995 planen die beiden Unternehmen die Markteinfuehrung zu einem Preis von 250 US-Dollar.

Auf den "Super"-Gameboys koennen Anwender auf einer hochleistungsfaehigen 64-Bit-Hardware-Architektur 3D-Animationen fuer Unterhaltungszwecke nutzen. Die "Reality Immersion Technology" genannten Applikationen wuerden "echte" Interaktion insofern zulassen, als nicht wie bei bisherigen Gameboys durch die Software bereits im vorhinein festgesetzte Rahmenbedingungen die Interaktion begrenzen. "Jetzt", so Ehrlich, "berechnet der Computer, wie bei Animationen ueblich, jeweils sich aendernde Situationen nach den Vorgaben des Anwenders."

Die Bedeutung des Nintendo-SGI-Deals gewinnt zusaetzliche Bedeutung vor dem Hintergrund weiterer Geschaeftsaktivitaeten des 3D-Grafik-Spezialisten, der unter anderem auch fuer die Generierung der gesamten computeranimierten Sequenzen in dem Steven-Spielberg- Film "Jurassic Parc" verantwortlich zeichnete. Im Juni 1993 unterschrieb SGI-CEO Edward McCracken ein Abkommen mit der Time Warner Inc. Inhalt der Zusammenarbeit ist das erste "interaktive TV". Danach wird SGI die Challenge-Systeme (maximal 36 Prozessoren) als Multimedia-Server sowie Konverterboxen, unter anderem fuer die Signalumsetzung, einbringen. Kabelkunden von Time Warner koennen sich zukuenftig von ihrem PC aus Fernsehprogramme selbst zusammenstellen und auf den heimischen TV-Apparat ueberspielen.

Die Auswirkungen dieser Vereinbarungen sind nach Meinung vieler Brancheninsider von extremer Reichweite: Sie koennten, verfolgen TV-Anstalten diese Entwicklung nicht aufmerksam, sogar zu deren Abloesung fuehren, weil der Endanwender sein eigener Programmgestalter wird.