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21.10.1994

Debatte RISC contra CISC reduziert sich auf Pentium gegen Power-PC Tauziehen um Vorherrschaft im PC-Markt noch nicht entschieden

MUENCHEN (CW) - Trotz einer millionenschweren PR-Kampagne scheint der Pentium-Prozessor nicht der grosse Hit zu werden: Amerikanischen Marktforschern zufolge soll der Chip bei weitem nicht die von Intel erwarteten Absatzstueckzahlen erzielt haben. Zudem verfolgt die Branche mit Aufmerksamkeit, ob es der Power-PC- Fraktion gelingt, die Intel-Microsoft-Dominanz zu brechen.

Dean McCarron vom Marktforschungsunternehmen Mercury Research in Scottsdale, Arizona, gehoert zu denen, die am Markterfolg des Pentium-Chips zweifeln. Dabei kann er sich auf Erkenntnisse von Analysten stuetzen, die herausgefunden haben, dass in den USA lediglich 20 Prozent aller mit Pentium-Prozessoren ausgestatteten Rechner an Unternehmen verkauft wurden. Darueber hinaus konnte Intel nach den Aussagen einiger Insider auch nicht die urspruenglich fuer 1994 anvisierten fuenf Millionen Pentium-Chips absetzen, sondern lediglich 3,8 Millionen.

Trotz der hohen Werbeaufwendungen scheint es der Intel Corp. nicht zu gelingen, genuegend Interesse fuer ihren Top-Prozessor zu wecken. Das ist insofern von Bedeutung, als sich in der Vergangenheit - abgesehen vielleicht von dem 286-Chip - jede neue Intel- Prozessorgeneration zu einem Selbstlaeufer entwickelte.

Offiziell widerspricht der Prozessorhersteller der kritischen Einschaetzung der Insider. So meint Carl Everett, bei Intel Senior Vice-President der Mikroprozessor-Abteilung, nach wie vor verfolge man das Ziel, sechs bis sieben Millionen der 486-Nachfolgechips im Jahr 1994 auszuliefern. Allerdings gab er zu, dass es schwer sein werde, diese Vorgabe zu erfuellen.

Auch wegen solcher Meldungen scheinen Branchenkenner erstmals geneigt zu glauben, dass Intels monopolistische PC-Bastion in Mitleidenschaft gezogen werden koennte. Immerhin sieht sich der Halbleitergigant zum ersten Mal mit einem veritablen Konkurrenten konfrontiert, die nicht nur tiefe Taschen hat, sondern auch ueber gehoerige Marktmacht verfuegt.

In dem Triumvirat IBM-Apple-Motorola haben sich nicht nur zwei weltweit fuehrende Anbieter von PC-Systemen zusammengefunden. Big Blue und Motorola verfuegen auch je ueber erhebliches Know-how bei der Entwicklung und Produktion von Prozessortechnologie.

Ausserdem versucht die IBM, an verschiedenen Fronten gegen Intel anzutreten: Ihre Microelectronics-Prozessorschmiede produziert fuer die Nexgen Inc. den "Nx586"-Chip, ein Pendant zur Pentium-CPU. Zwar konnte das Unternehmen bislang noch keinen der bedeutenden PC-Hersteller fuer sich gewinnen - dafuer aber einige kleine Firmen. Bislang haben 30 OEM-Kunden Plaene bekundet, Systeme mit dem Nexgen-Chip auf den Markt zu bringen.

Bekannt ist auch die Tatsache, dass sich grosse PC-Anbieter nur zu gerne aus der Abhaengigkeit von Intel loesen wuerden und nach anderen Chiplieferanten schielen. Compaq, Dell und etwa Deutschlands PC- Anbieter Nummer eins, die Vobis Microcomputer AG, sind nur einige Beispiele.

Da auch Anbieter wie Cyrix mit ihrem "M1"- und AMD mit dem

"K5"-Prozessor CPUs der Pentium-Leistungsklasse vorgestellt haben, geraet Intel zunehmend unter Druck. Eingedenk der extrem hohen Entwicklungskosten fuer jede neue CPU-Generation - beim Pentium- Chip geht man von ueber einer Milliarde Dollar aus, die Intel darueber hinaus alleine aufbringen musste -, kommt auch die Frage der Amortisation von Intels FuE-Aufwendungen zunehmend ins Blickfeld.

Die IBM schafft es darueber hinaus auch, fuer ihre Power-PC- Technologie potente Halbleiterhersteller als Zweit- beziehungsweise Drittproduzenten zu gewinnen, die wie Motorola und Big Blue selbst ueber erhebliches Silizium-Know-how verfuegen. Der Vertragsabschluss mit Toshiba (vgl. CW Nr. 41 vom 14. Oktober 1994, Seite 2: "Toshiba und IBM...") ist das juengste Beispiel fuer solch eine Strategie.

Langsam scheint sich ausserdem in der Branche die Ueberzeugung durchzusetzen, dass fernab von jeglicher Theoriediskussion RISC- CPUs gegenueber der von Intel propagierten CISC- Prozessortechnologie eindeutig Leistungsvorteile aufzuweisen haben. Zwar konzediert der Dataquest-Analyst Dominic Ricchetti, dass RISC einen langsamen Aufstieg hinter sich bringen musste. Gleichwohl geht er, wie andere Marktforscher auch, davon aus, dass RISC-basierte Systeme peu e peu das CISC-Terrain erobern werden. "Power-PC-Rechner", so Ricchetti, "beginnen mit ihrer Leistungsfaehigkeit da, wo Pentium-Chips aufhoeren."

Gestuetzt wird diese Ansicht durch die Ergebnisse, die das industrieunabhaengige Benchmark-Konsortium AIM Technology aus dem kalifornischen Santa Clara vierteljaehrlich veroeffentlicht. AIM testet sowohl Intel-CISC- als auch saemtliche RISC-basierten Rechner unter anderem auf das Verhalten, das sie in einer Multiuser-Umgebung an den Tag legen. Die Systeme - in der Regel Multiprozessor-Maschinen -, die mehr als 1000 Anwender mit Rechenleistung bedienen koennen, ohne in die Knie zu gehen, sind ausschliesslich RISC-Maschinen.

Abgesehen von reinen Leistungsaspekten muss Intel auch hausgemachten Problemen begegnen: Seit langem bekannt sind Schwierigkeiten, die durch die Waermeemission der Pentium-CPUs entstehen. Dies gilt zumindest fuer die erste Generation der Bausteine. Die erforderliche Kuehlung der CPU gestaltet sich nicht nur sehr aufwendig, sie schafft vielmehr auch ein neues Aergernis: Pentium-basierte Systeme entwickeln ganz im Gegensatz zu Power-PC- basierten Rechnern einen erheblichen Laermpegel.

Die grosse installierte PC-Basis schuetzt Intel

Damit nicht genug, irritierten in der juengsten Vergangenheit Meldungen die Branche und die Anwender, wonach bei verschiedenen PC-Systemen, die mit dem Pentium-Prozessor und PCI-Chipsaetzen ausgeruestet sind, Inkompatibilitaeten auftreten. Von der COMPUTERWOCHE befragte Unternehmen wie Compaq, SNI und IBM verneinten fuer ihre PC-Produkte zwar postwendend solche Schwierigkeiten. Fuer Firmen dieses Kalibers scheint diese Aussage auch glaubhaft, da sie sich teure Qualitaetskontrollen leisten koennen beziehungsweise ihre Systemplatinen und Chipsets selbst entwickeln. Fuer die vielen Billiganbieter unter den Clonern, die ihre Chipsaetze oft von taiwanischen Lieferanten beziehen, gilt dies aber nicht.

Beim Pro und Contra der Marktchancen fuer die beiden Prozessorplattformen darf aber natuerlich Intels Marktposition nicht ausser acht gelassen werden: Zirka 80 Prozent aller weltweit ausgelieferten PCs arbeiten mit Intel-Prozessoren und einem Microsoft-Betriebssystem. Ausserdem ist es den RISC-Vertretern bislang nicht gelungen, Anwendern unwiderlegbare Argumente fuer einen Wechsel auf eine der fuenf wesentlichen RISC- Rechnerplattformen zu nennen.

Gerade erst musste Sunsoft konzedieren, dass Anwender statt der hauseigenen Wabi-Software doch lieber gleich Windows kaufen sollten. Wabi galt als komfortable Bruecke, ueber die Benutzer von RISC-Rechnern den Weg zu ihren gewohnten Windows-Anwendungen beschreiten konnten. Von HP und IBM, die Wabi ebenfalls unterstuetzen wollten, ist nicht bekannt, wann sie eine funktionierende Version des Sunsoft-Tools fuer ihre Rechner bringen werden.

Darueber hinaus zeigt DECs Debakel bei dem Versuch, einen Alpha- RISC-PC ueber einen Massendistributor in den Markt zu druecken, wie steinig der Weg fuer RISC-Vertreter noch sein wird. Vobis jedenfalls verzeichnet praktisch seit Monaten keine Verkaeufe von Alpha-PCs, was ausschliesslich auf die unbefriedigende Zahl von Applikationen fuer die Alpha-Hardware zurueckzufuehren ist. Eingedenk dieser schlechten Erfahrungen hat die Lieven-Company Plaene, ein Power-PC-System vorzustellen, vorerst auf Eis gelegt.

Auch Apples Erfolgsstory mit den Power-Mac-Systemen ist fuer sich genommen noch kein Beleg fuer eine rosige Power-PC-Zukunft: Zwar lieferte die Apfel-Company nach einer Untersuchung von Dataquest innerhalb eines Vierteljahrs mehr RISC-basierte Rechner aus als jemals ein RISC-Anbieter zuvor in einem ganzen Jahr. Aber selbst wenn Michael Spindler alle Apple-Anwender auf die neue Plattform locken koennte, entspraeche dies lediglich zehn Prozent des gesamten PC-Marktes.

Zudem sind die Meldungen bezueglich eines einheitlichen Prep- Standards (Power-PC Reference Platform), den IBM mit Apple und Motorola ausarbeitet, immer noch sehr widerspruechlich. Die Prep- Anforderungen wurden offiziell in einem 193 Seiten langen Papier bereits auf der Herbst-Comdex 1993 vorgestellt. Sie sollen gewaehrleisten, dass alle Prep-konformen Power-PC-Systeme problemlos unter den Betriebssystemen AIX, Taligent, Windows NT, Solaris und OS/2 arbeiten. Bis heute ist nicht klar, ob Prep realisiert wird und wann die Spezifikationen fuer Systemhersteller verfuegbar sein werden.