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30.04.1999 - 

Spekulationen um eigenen Börsengang

Debis Systemhaus: Geschäft in USA bleibt Achillesferse

30.04.1999
Von Beate Kneuse* STUTTGART - Angesichts eines imposanten Wachstums im Geschäftsjahr 1998 und einem ebenfalls guten ersten Quartal 1999 hätten die Verantwortlichen des Debis Systemhauses eigentlich allen Grund zum Strahlen. Doch das Spielbein im US-amerikanischen Geschäft bleibt schwach. Noch immer sucht der schwäbische IT-Dienstleister jenseits des großen Teiches nach einem Partner.

In ihrem neunten Geschäftsjahr legte die Debis Systemhaus GmbH, Leinfelden-Echterdingen, beim Umsatz um 39 Prozent von 3,15 auf 4,39 Milliarden Mark zu. Davon entfielen knapp 1,1 Milliarden Mark auf das Auslandsgeschäft, das sich gegenüber 1997 mit 557 Millionen Mark um 97 Prozent verbesserte (siehe Abbildung). Auch die Einnahmen durch Fremdkunden konnten weiter gesteigert werden. Sie wuchsen von 2,03 auf 3,02 Milliarden Mark. Damit trage, wie Geschäftsführer Karl Heinz Achinger auf der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens betonte, der Umsatz mit Kunden außerhalb des Daimler-Chrysler-Konzerns mittlerweile knapp 70 Prozent zum Gesamterlös bei.

Hauptumsatzträger war einmal mehr das Outsourcing-Geschäft, das von 1,94 auf 2,94 Milliarden Mark zunahm. Davon entfielen 1,06 (Vorjahr: 551 Millionen) Milliarden Mark auf Desktop-Services, die mit einem Plus von 93 Prozent das stärkste Wachtum verzeichneten und die laut Achinger in den kommenden Jahren eines der Schwerpunktthemen im IT-Service-Geschehen sein werden. Mit Softwareprojekten nahmen die Schwaben rund 1,2 (1,1) Milliarden Mark ein. Der Beratungsumsatz stieg von 136 auf 213 Millionen Mark. Zuzüglich des Betreibergeschäftes beliefen sich die Einkünfte mit SAP-Aktivitäten insgesamt auf 650 (400) Millionen Mark. Zum Ertrag wollte Achinger gemäß offizieller Daimler-Chrysler-Politik, nach der nur konzernweite Zahlen veröffentlicht werden, keine konkreten Angaben machen. Die Zuwachsrate beim Gewinn sei 1998 aber höher gewesen als die beim Umsatz, sagte der Firmenchef.

Erklärte Strategie der in Deutschland nach jüngsten Erhebungen von Pierre Audion Conseil (PAC) zumindest im Outsour- cing-Markt auf Platz eins rangierenden Debis-Tochter (siehe Kasten Seite 46: "Markt in Bewegung") ist es, in Europa zum führenden herstellerunabhängigen IT-Service-Anbieter aufzusteigen.

Derzeit nimmt das Debis Systemhaus hier (unter Ausschluß von IBM) Platz vier ein. Stärkster herstellerneutraler IT-Dienstleister in Europa ist, so die Marktforscher, nach wie vor EDS, gefolgt von Cap Gemini und Andersen Consulting. Den Weg der Schwaben zum Big Player auf dem Alten Kontinent ebnen sollen wie schon in den Vorjahren Akquisitionen. 1998 verstärkte man sich in der Schweiz, in Österreich, in Frankreich und in der Tschechischen Republik - in den letztgenannten Ländern beispielsweise durch die Übernahme des Desktop-Services-Spezialisten Group Spring beziehungsweise durch Gründung eines Joint-ventures mit Oasa Computers. Für dieses Jahr hat sich Achinger vor allem den Ausbau der Aktivitäten in Italien, Spanien und Benelux auf die Fahnen geschrieben.

So sehr die Schwaben auch in Europa in die Offensive gehen, so schwach sind sie nach wie vor in den USA. Gerade einmal neun Millionen Mark Umsatz verzeichneten sie dort 1998. Unumwunden räumte Achinger deshalb ein, daß das US-Geschäft "die Achillesferse" des Unternehmens sei. Zwar scheint durch die Daimler-Chrysler-Fusion im vergangenen Herbst nun der Weg frei, auch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten über Akquisitionen zu wachsen. Vor dem Merger galt der IT-Dienstleister bekanntlich aufgrund des mehr als 20-Prozent-Anteils der Deutschen Bank an dem Automobilkonzern als bankbeherrschtes Unternehmen, was ihm aufgrund der US-Gesetze eine Mehrheitsübernahme von amerikanischen Unternehmen untersagte. Doch ein Zukauf, der dem Debis Systemhaus ein signifikantes Marktpotential bescheren würde, läßt sich nicht von heute auf morgen realisieren. Achinger stellte aber klar, daß man noch in diesem Jahr etwas unternehmen werde. "Wir benötigen ein vernünftiges operatives Standbein in den USA. Deshalb werden wir nicht auf dem europäischen Festland bleiben und abwarten."

Konkret schweben ihm entweder, wie in Europa, Übernahmen lokaler Unternehmen mit speziellem Know-how vor, etwa in den Bereichen Vernetzung oder E-Commerce, oder aber eine Allianz mit einem Service-Anbieter mittlerer Größe - also 200 bis 500 Mitarbeitern sowie einem Umsatzvolumen von etwa 500 Millionen Mark. Vorteilhaft wäre, wenn sich ein solcher Partner in spe aufgrund einer internationalen Kundenstruktur an der Ausdehnung seiner Geschäfte in Europa interessieren würde. Realisieren ließe sich, so Achinger, eine solche Partnerschaft beispielsweise über einen Aktientausch. Sollte ein solcher Merger anstehen, werde Daimler-Chrysler aber auf jeden Fall die Mehrheit am Debis Systemhaus behalten. Einen großen spektakulären Deal schloß er indes nahezu aus: Das wäre "nicht machbar". Die Verlust-Abschreibungen wären viel zu hoch und würden die Gewinne auf Jahre hinaus drücken. So ganz begraben scheint aber der Debis-Systemhaus-Chef den Traum vom großen Wurf in den USA noch nicht zu haben. Denn zu den zuletzt in Branchenkreisen aufgekommenen Gerüchten, die Schwaben würden mit einem eigenen Börsengang liebäugeln, erklärte Achinger: "Es gibt Situationen, in denen vorheriges Going Public hilfreich ist."

*Beate Kneuse ist freie Journalistin in München.