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Der Preis für den Kauf war zu hoch


04.07.1997 - 

Debis und Cap Gemini: Trennung statt Fusion

Der deutsche Autokonzern trennt sich mittelfristig von seiner Beteiligung an Cap Gemini und kauft die Debis-Anteile der Franzosen zurück (siehe Kasten "Die Trennung"). Begründet wird die Maßnahme mit der "zukünftig unterschiedlichen strategischen Orientierung". Schon bislang lagen die Schwerpunkte der Unternehmen auf verschiedenen Gebieten. Während die Franzosen vor allem im Beratungsgeschäft glänzen, macht das Debis Systemhaus sein Geschäft überwiegend im Outsourcing. Da die Partner vereinbarungsgemäß verschiedene regionale Märkte bedienten, ergaben sich aus dieser Kompetenzverteilung keine Synergieeffekte.

Die Franzosen reagierten mit Erleichterung auf die Auflösung des schwierigen Verhältnisses. "Wir gewinnen dadurch unsere Handlungsfreiheit in allen Märkten wieder", freut sich Serge Kampf, Gründer und Vorstandsvorsitzender von Cap Gemini. Sein Urteil ist klar: "Die Zusammenarbeit hat nicht gebracht, was wir uns erhofften, die Kulturen und Management-Ansätze waren einfach zu unterschiedlich." Außerdem äußerte sich Kampf enttäuscht darüber, daß der deutsche Konzern in den vergangenen Jahren seine Ziele nicht mehr mitteilte. So entstand bei den Franzosen der Eindruck, "daß Daimler niemals strategische Ziele für das Partnerunternehmen hatte", verriet ein Cap-Gemini-Manager dem "Wall Street Journal".

Aufgebraucht wurden die Gemeinsamkeiten insbesondere in dem Joint-venture Cap Debis, das einer der zuständigen französischen Manager 1993 als "finanziellen Fehlschlag sondergleichen" bezeichnete. In der Folge wurde das Tochterunternehmen 1994 in das Debis Systemhaus integriert.

Zudem hatten die Franzosen - nach IBM, EDS und Microsoft Europas größte IT-Dienstleister - seit der Debis-Beteiligung im Jahr 1991 bis 1994 rote Zahlen geschrieben, die allerdings nicht nur auf die Kooperation zurückzuführen waren. Erst im Geschäftsjahr 1995 konnten sie wieder ein positives Ergebnis verbuchen.

Trotz des angespannten Verhältnisses galt als abgemachte Sache, daß der Daimler-Konzern - nachdem sich Debis und Cap Gemini in der Gewinnzone befanden - seinen Anteil am Kuchen durch eine Mehrheitsbeteiligung an dem französischen Partner vergrößern würde. Doch bei genauerem Hinsehen fand Debis-Vorstandschef Klaus Mangold immer mehr bittere Stücke darin. So würde das französische Recht bei der angestrebten Anteilserhöhung auf 50,1 Prozent verlangen, daß er allen Aktionären die Übernahme ihrer Anteile anbieten würde. Das hätte den Kaufpreis auf 4,5 Milliarden Mark hochgetrieben.

Einen weiteren Strich durch die Rechnung machte ihm der Bank Holding Company Act, ein amerikanisches Gesetz, das den Einfluß der Banken an Unternehmen, die in den USAtätig sind, auf höchstens 25 Prozent direkte oder indirekte Anteile begrenzt. Bei einer Cap-Gemini-Übernahme würde dieser Grenzwert überschritten, da die Deutsche Bank 23 Prozent an Daimler und über französische Investoren einige Prozent an Cap Gemini hält. In der Folge müßte Daimler die lukrativen US-Divisions des Unternehmens wieder abstoßen, deren Expansionsdrang schon jetzt durch das Gesetz empfindlich gebremst wird.

Die jetzige Lösung kommt vor allem den Franzosen zugute, die bald - nahezu befreit vom Engagement der Deutschen Bank - ihre US-Präsenz ungehindert ausbauen können. Debis dagegen ist bislang noch kein internationaler Player. So flossen 1996 nur rund 12,5 Prozent der Einnahmen aus dem Ausland in ihre Kassen.

Dennoch wird die Trennung von Debis mit einer Stärkung des internationalen Geschäfts begründet. So soll der Reinerlös der Cap-Debis-Anteile in Höhe von etwa einer Milliarde Mark in die Kriegskasse des Systemhauses fließen, um damit nicht nur das eigene Wachstum, sondern auch Akquisitionen zu finanzieren. Zudem hofft man nach dem Milliarden Mark schweren Outsourcing-Deal mit der italienischen Banco Ambrosiano Veneto auf ähnlich lukrative Anschlußgeschäfte. Ein Rückzug aus dem Geschäft mit DV-Dienstleistung beziehungsweise eine Entlassung von Debis in die Selbständigkeit steht laut Pressesprecher Eckhard Zanger bei der Daimler-Benz AG nicht zur Diskussion. Vielmehr sei Dienstleistung eine der zentralen Säulen des Geschäfts.

Das Debis-Geschäft

Die Debis AG betätigt sich mit unterschiedlichem Erfolg in den Bereichen Finanzdienstleistungen (63 Prozent des Umsatzes), Telekommunikation (zwölf Prozent) und DV-Services (18 Prozent). Die 18 Prozent des Debis Systemhauses entsprechen einer Summe von 2,397 Milliarden Mark bei einem Gewinn von 74 Millionen Mark. Dabei wird der Löwenanteil beim Betrieb von Rechenzentren und Netzwerken (Outsourcing) verdient. Am schwächsten ist der vor allem vom Tochterunternehmen Diebold verantwortete Bereich Beratung, der dagegen die Stärke des bisherigen Partners Cap Gemini ausmacht.

Die Trennung

Daimler-Benz gibt seine Pläne auf, mit 50,1 Prozent Mehrheitseigner von Cap Gemini zu werden. Statt dessen plaziert der Konzern seine 24,4 Prozent Anteile an Cap Gemini Sogeti im Wert von etwa 1,5 Milliarden Mark bei einer Reihe institutioneller Investoren aus Europa in Form sogenannter Wandelanleihen, die sich viereinhalb Jahre lang in Aktien umwandeln lassen. Außerdem kauft Debis 19,6 Prozent Anteile der eigenen Firma von Cap Gemini zurück. Die Geltungsdauer der Wandelanleihen hat zur Folge, daß Daimler im Grunde weiterhin bis über die Jahrtausendwende hinaus Anteile an Cap Gemini halten kann. Die Erlöse aus dem Verkauf der Anleihen in Höhe von etwa einer Milliarde Mark werden in das internationale IT-Geschäft von Debis investiert.