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02.08.1991 - 

Neue Netzwerkarchitektur enthält TCPIP- und Decnet-Features

DEC begräbt mit Decnet Phase V hochgesteckte OSI-Konzeptionen

MÜNCHEN (gh) - "Decnet Phase V" ist tot, es lebe "Advantage-Networks": Die Digital Equipment Corp. (DEC) hat die Pläne für ein reines OSI-Upgrade ihrer Netzwerkarchitektur - zum Leidwesen vieler OSI-Verfechter - fallengelassen. Die Weiterentwicklung von Decnet Phase IV beinhaltet eine Reihe der für Phase V konzipierten OSI-Features, integriert diese aber mit TCP/IP und der alten Decnet-Umgebung auf einer einheitlichen Systemplattform.

Mit der bereits 1987 in Aussicht gestellten Phase V als ausschließliche OSI-Version von Decnet übernahm Digital eine Vorreiterrolle und nährte entsprechende Hoffnungen unter den OSI-Freaks. Nachdem das schon als OSI-Führer gepriesene Unternehmen die Ankündigung von Phase V Jahr für Jahr hinausschob, ist jetzt mit der Präsentation von Advantage-Networks die Entäuschung bei diesem Anwenderkreis um so größer. "Neutrale" Branchenkenner sehen den Umschwung des Hardwaregiganten aus Massachusetts allerdings pragmatischer und werten ihn als logische Konsequenz des nach wie vor großen Bedarfs an TCP/IP-Lösungen im Markt.

Bernd Stephan, Program Manager Enterprise Integration Services bei der deutschen Digital Equipment GmbH, führte gegenüber der COMPUTERWOCHE den Standpunkt seines Unternehmens auf eine realistische Markteinschätzung zurück: "Wir wollen heute noch keinen Kunden dazu zwingen, ins kühle OSI-Wasser zu springen", erklärte der DEC-Manager und bezeichnete die 1987 in die Welt gesetzten Planspiele mit Decnet Phase V als "etwas zu euphorisch". Zwar habe OSI, so Stephan, als zukünftige Architektur eine große Perspektive, die jetzige DEC-Ankündigung entspreche aber den tatsächlichen Markterfordernissen .

Entscheidend sei, daß Advantage-Networks alle drei Welten integriere und die DEC-Umgebung durch die Unterstützung von Komponenten anderer Hersteller öffne, denn man könne nicht erwarten, so der DEC-Netzexperte Stephan, "daß die ganze Welt Decnet spricht". In jedem Fall stehe das neue Release in der Tradition der Netzentwicklungen von DEC und könne als deren fünfte Generation bezeichnet werden - vor allen Dingen, weil es letztlich mehr Features als die ursprünglich geplante Phase V biete. So wuchs parallel zur funktionalen Erweiterung die Anzahl der möglichen Knoten von 32 in Phase I über 64 000 in Phase IV zu einer praktisch unbegrenzten Knotenmenge bei Advantage-Networks.

Die neue DEC-Architektur besteht aus einer Reihe von Produkten, Programmen, strategischen Beziehungen und Dienstleistungen. Innovationsmäßig am weitesten fortgeschritten ist dabei Ultrix, das Unix-Betriebssystem von DEC. Mit "Decnet/OSI for Ultrix 5.0" präsentieren die Entwickler aus Maynard ein neues Netzwerkpaket, das OSI- und Decnet-Protokolle auf Ultrix implementiert. Zusammen mit TCP/IP, ebenfalls ein Bestandteil von Ultrix, haben nun laut DEC die Anwender von Unix-basierten Digital-Workstations und -Systemen - bezogen auf das Marktangebot - die meisten Optionen.

Als erste OSI-Anwendung auf Ultrix steht FTAM einschließlich eines Gateways zu FTP zur Verfügung. Weiterhin ist es nun möglich, Ultrix-Systeme direkt in X.25-Paketvermittlungsnetze einzubinden. Für Decnet-VAX 5.4 enthält Advantage-Networks zusätzliche Tools, die neben den VMS-Features OSI-Endknoten-Funktionalität einschließlich FTAM- und X.400-Applikationen gewährleisten. VMS-Kunden soll dadurch ein kontinuierlicher Migrationspfad in Richtung angekündigter Integration von Decnet und OSI auf VMS geebnet werden.

Für die weitere Entwicklung von OSI-Applikationen für Ultrix- und VMS-Umgebungen wurde mit dem "OSI Application Developers Toolkit" eine Sammlung von Softwarewerkzeugen als Produkt freigegeben, die zusätzlich FTAM-Anwendungen und die vom ACE-Konsortium vorgegebenen Schnittstellen berücksichtigen. Seit September 1990 arbeitet DEC nach eigenen Angaben zusammen mit Stratacom und Northern Telecom an einem Standard für Frame Relay, einer Technologie für die Datenkommunikation im WAN-Bereich. Erste Früchte dieser Kooperation sind die Advantage-Networks-Komponenten "DEC WAN-Router 100" und "DEC Wan-Router 500". Beide Multiprotokoll-Router unterstützen gemäß IS-IS-Protokoll TCP/IP, OSI sowie Decnet und gewährleisten Frame-Relay-Funktionalität.

Wesentlich vereinfacht wurde laut DEC-Manager Stephan das Netzwerk-Management durch die einheitlich strukturierte Sprache NCL auf Basis von CMIP. Das Protokoll hat sich, so Stephan, mittlerweile als stabil genug erwiesen und dient als Ansatz für eine künftige Standardisierung des Netzwerk-Managements im Bereich offener Systeme. Auch in Zukunft will DEC die Entwicklung in Richtung OSI fortsetzen. Mittelfristig soll wie schon den Ultrix-Anwendern auch den VMS-Benutzern die volle Integration von Decnet- und OSI-Protokollen angeboten werden.

Mit dem "Open Network Licensing"-Programm (ONL) hat der weltweit zweitgrößte Computerhersteller ein strategisches Angebot an andere Hersteller gerichtet.

Für die Entwicklung von Decnet-basierten Applikationen auf anderen Systemen können Produkte aus Decnet Phase IV oder der Advantage-Networks-Serie lizenziert werden. Bereits entstanden ist so "Decnet for SCO Unix 1.0", ein Programm, das die Decnet-Funktionalität für Anwender von SCO Unix und Open Desktop implementiert.

DEC kündigte ferner an, auch Token-Ring-Netzwerke entsprechend IEEE 802.5 in Umgebungen zu integrieren, die den Spezifikationen des Network Application Support (NAS) entsprechen. Dabei wird der Schwerpunkt zunächst bei der Anwendung der "Pathworks"-Produkte liegen, die PCs in Token-Ring-Netzen den Zugang zu DEC-Diensten bieten, die in unternehmensweiten Ethernet-, Token-Ring- oder FDDI-Netzen zur Verfügung stehen. PC-User können dadurch auf Applikationen wie DEC-Windows, Motif, All-in-1 und VTX zugreifen.