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17.03.1989

DEC: "Bei uns ist alles auf das LAN ausgerichtet"

Mit Björn Tuft, dem Marketing-Leiter für Verteilte Systeme bei der Digital Equipment GmbH, München, sprachen Helga Biesel und Roland Schubert.

- Eine aktuelle Frage zur Kooperation mit Siemens in Sachen ISDN. Wenn es um das Netzwerkmanagement geht, spielt ja auch das IBM-Produkt Netview eine Rolle. Was hat DEC dazu zu sagen?

Wir haben eine Programmierschnittstelle entwickelt und als "öffentliche" Schnittstelle angeboten. Wir arbeiten jetzt mit vielen Firmen zusammen, damit sie als Standard akzeptiert wird. Wir möchten die Integration von Rechnern und PBX-Anlagen erreichen. Die Zusammenarbeit mit Siemens ist ein Beispiel dafür. Das ist keine ausschließliche Zusammenarbeit.

- Wie spielt IBM in diese Kooperation mit hinein?

Ganz allgemein: Die Zusammenarbeit findet mit Herstellern von Nebenstellenanlagen statt. Es gibt keine offizielle Zusammenarbeit DEC - IBM. In den Standardisierungsgremien arbeiten wir natürlich zusammen.

- Wie stehen denn hinsichtlich Netview die Aktien innerhalb dieser Standardisierungsgremien? Netview/PC spielt ja beim Thema PBX-Anlagen und PC-Anbindung eine wichtige Rolle.

Netview PC hat in der heutigen Version eine sehr beschränkte Funktionalität. Das Wichtige aber ist, daß sich alle Hersteller für das OSI-Netzwerkmanagement entschieden haben, auch IBM. IBM hat die Unterstützung von CMIP (Common Management Interface Protocol) angekündigt. CMIP ist das Standardprotokoll für herstellerübergreifendes Netzwerkmanagement. Ich kenne keinen großen Hersteller, der sich nicht zu CMIP bekannt hätte.

- Es gibt also keine direkte Zusammenarbeit, sondern lediglich den Trend zu einem "Zusammenfließen"?

Es gibt die Zusammenarbeit der Spezialisten, um ein Netzwerkmanagement anzubieten, und zwar nicht nur zur Fehlererkennung und -behebung, sondern auch für das Performance-, Konfigurations- oder Sicherheitsmanagement. Man muß die Netzwerk-Managementstrukturen verschiedener Hersteller zusammenführen.

- DEC tut sich also in diesem Bereich nicht sonderlich hervor, folgt aber dem Trend auf der anderen Seite genauso "eilig" wie andere auch.

Da möchte ich formell widersprechen. Sie können bei DEC Netzwerkmanagement anschauen.

- Das ist aber proprietary.

Wie Netview.

- Eben.

Heute gibt es nur herstellerspezifische Netzwerkmanagementsysteme. Das ist klar, daß man damit nicht leben kann. Deshalb CMIP, deshalb OSI.

- Sie entwickeln also derzeit auf CMIP-Basis ein Produkt, das einem Standard genügen soll, der noch nicht exisitiert. Wagen Sie eine Prognose, wann es fertig sein wird?

Teile des künftigen Standards sind bereits bekannt. Aber natürlich geht man ein gewisses, abschätzbares Risiko ein. Bis die Standards wirklich fertig sind, wird es wahrscheinlich noch zwei, maximal drei Jahre dauern.

- Es hat einmal geheißen, DEC hätte eigentlich das "bessere" SNA und könnte auch viel besser als IBM damit umgehen. Wie marktbeherrschend ist DEC selbst, was die Connectivity DEC-IBM angeht?

Wir liegen bezüglich der SNA-Anbindung von DEC-Systemen an die IBM-Welt nahe bei 100 Prozent. Es gibt nur sehr wenige Drittanbieter. Das liegt auch daran, daß die Kunden, wenn sie schon Systeme von zwei Anbietern einsetzen, nicht noch einen dritten Anbieter haben möchten.

- Kann man daraus den Schluß ziehen, daß IBM keinen Wert auf diese Anbindung legt?

Sie versuchen es ja mit Interlink. Bis jetzt ist der Erfolg nicht sehr groß.

- Welche Schwerpunkte gibt es in diesem Connectivity-Segment, welche Rechner mit welchen Betriebssystemen spielen die Hauptrolle? Welche Probleme treten am häufigsten auf?

Es gibt drei Millionen VMS-Benutzer, und die Verbindung VMS - IBM ist naturgemäß am meisten gefragt. Jetzt entwickelt sich auch sehr schnell die MS-DOS-zu-IBM-Welt, zunehmend auch Ultrix. In den meisten Fällen ist die IBM-Anbindung immer noch "3270-datastream". Daran wird sich auf kurze Sicht auch wenig ändern. Abgelöst werden soll dies einmal durch LU6.2. Aber die Kunden sind noch nicht so weit. Abgesehen davon gibt es allein bei IBM derzeit um die zwölf verschiedene 6.2-Implementierungen.

- Zum Thema LAN: Digital tritt am LAN-Markt, soweit es um die Vernetzung von Personal Computern geht, kaum in Erscheinung. Ist DEC am LAN-Markt überhaupt in der Weise interessiert wie etwa Novell?

Also, DEC ist die Nummer eins auf dem LAN-Markt, legt man beispielsweise Zahlen von Marktforschungsunternehmen wie IDC zugrunde.

- Wie definieren denn Sie den LAN-Markt?

Der Markt unterteilt sich in zwei Segmente: den der reinen PC-Netze und den der gemischten Vernetzung von PCs und Minis etc. Insgesamt sind wir die Nummer eins.

- Welche Systeme außerhalb der DEC-Welt vernetzen Sie?

Alle MS-DOS-Rechner. Es gibt den De-facto-Standard MS-Net. MS-Net implementiert jeder für PC-Netze. Das bieten wir auch an unter VMS.

- Was ist mit Novell als weiterem De-facto-Standard?

Novell hat den größten Anteil bei reinen PC-Netzwerken. Wenn wir nur dieses Segment des Marktes betrachten würden, wäre Digital nicht die Nummer eins. Aber die bevorzugte Weise beispielsweise, wie Bildschirme an unsere Systeme angebunden werden, ist das LAN. Bei uns ist alles auf das LAN ausgerichtet.

- Dann ist, polemisch gefragt, ein LAN aus DEC-Sicht nichts anderes als ein Verkabelungskonzept?

Ein LAN ist die einfachste Art und Weise, flexibel und erweiterungsfähig zu sein. Wir tun dies auch, weil unsere Kunden in der Regel mehrere Systeme betreiben und ohnehin ein Netz installieren.

- Wie sieht es mit Ihrem Engagement bei LAN-Standards aus?

Das wichtigste für den Kunden ist es sich für Standards zu entscheiden. Stichwort Investitionsschutz. Das ist mal der Ausgangspunkt. Es gibt zwei Standards, das sind 802.3 und 802.5. Dann gibt es noch Arcnet als wichtiges Konzept, aber das ist kein Standard. Was man heute herstellerübergreifend einsetzt, ist im Augenblick nur 802.3. 802.5 ist zur Zeit nur für PC-Netze interessant. Und da muß man dann weniger 802.5- als vielmehr IBM-kompatibel sein.

- Als abschließende Frage: Sie empfehlen dem Kunden, aus verschiedenen Gründen auf Standards zu setzen. Ken Olsen hat jedoch im vergangenen Herbst gesagt, an guten Produkten sei immer irgend etwas, was nicht Standard ist. Wie sicher kann ein DEC-Kunde sein, Standardprodukte, die diesen Namen auch verdienen, zu bekommen?

Diese Aussage kann sehr schnell falsch verstanden werden. Im LAN-Bereich darf kein Bit unterschiedlich sein. In anderen Bereichen, etwa ganz oben, kann man erweiterte Funktionen anbieten - nur muß man das dem Kunden klar sagen und ihm deutlich machen, wo er aus dem Standard herauskommt. Die meisten Kunden sind so erwachsen, daß sie wissen, worauf sie sich einlassen, wenn sie solche Erweiterungen verwenden.