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12.06.1992 - 

Zukunftspläne: Workstation-Cluster und neuer Mainframe

DEC dreht mit neuem Konzept an der Rechenleistungsspirale

LONDON (CW) - Mit dem Konzept, Workstations unterschiedlicher Hersteller zu Clustern zu verbinden und damit hochparallele Konfigurationen zu schaffen, bereitet DEC eine weitere Variante des Down- beziehungsweise Rightsizings vor. Gleichzeitig scheint die Olsen-Company aber trotz bislang schlechter Erfahrungen auch dem Mainframe-Gedanken nicht endgültig abgeschworen zu haben.

Wie aus Digital-Kreisen zu erfahren war, konnten aufmerksame Besucher auf DECs Heimmesse Decworld den Erlkönig eines neuen "DEC-10000-"Mainframe-Systems mit dem Codenamen "Blazer" begutachten, der als Nachfolger zum erfolglosen VAX9000-System gedacht ist.

Bei der DEC10000 handelt es sich den Informationen zufolge um einen Multiprozessor-NVAX-Rechner, der zu einem späteren Zeitpunkt durch Austausch der Prozessorkarten auf die Alpha-Technologie umgerüstet werden könne. Dieser CPU-Tausch dürfte nach Insider-Meinung jedoch im laufenden Jahr nicht mehr akut werden.

DEC-Verantwortliche haben sich auch über die Positionierung des Großrechners Gedanken gemacht: Die Olsen-Company peilt eindeutig den kommerziellen Bereich an und hier vor allem solche Anwendungen, die höchste Rechenleistung verlangen. Vor allem das Segment zeitkritischer Anwendungen wolle man bedienen, äußerte Ed Barker, Digital-Manager für High-end-Systeme.

Äußerungen von Bob Sputnik, Vice-President für Top-VAX/VMS-Systeme, sollen allerdings übertriebene Erwartungen auf zukünftige Alpha-Systeme dämpfen, die ein symmetrisches Multiprocessing (SMP) unterstützen. Auch wenn zum Ende des Jahres erste Alpha-Rechner verfügbar sein würden, müßten interessierte Käufer noch länger auf SMP-Modelle warten, da diese erst noch eine intensive Testphase durchlaufen müßten.

Mit dem im Herbst 1989 vorgestellten Mainframe-Modell VAX9000 hatten die Entwickler aus Maynard bei Boston unter anderem technische Probleme. Insgesamt sollen nach Informationen aus der Branche lediglich 230 Systeme dieses Rechnertyps abgesetzt worden sein und Verluste aus Digitals Mainframe-Projekt in Millionenhöhe entstanden sein. Noch davor erntete DEC mit seinen Decsystemen/10 und /20 keinen Beifall bei Großrechner-Anwendern.

Cluster-Konzepte ohne DEC-Hardware

Neben diesem eher zentralistischen DV-Ansatz offenbarte DEC allerdings auch Einblicke in Pläne, bei der der geballten Rechenleistung von im Cluster-Verbund arbeitenden Workstations vertraut wird.

Dabei wandelt die Olsen-Company auf den Pfaden der IBM: Diese hatte ihr RS/6000-Cluster-Konzept - auf den Namen RS/6000 Cluster Service Offering getauft - bereits vorgelegt. Gegenüber dem blauen Workstation-Verbund will DEC softwareseitig jedoch mit einem für den Anwender sehr viel attraktiveren Angebot aufwerten: Der zeitliche Stufenplan sieht vor, daß innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre Cluster auf Basis von Alpha-Workstations verwirklicht werden können.

In einem weiteren Schritt soll es dann allerdings auch möglich sein, Workstations anderer Hersteller in solch einen Verbund einzubinden. DEC-Offizielle denken hierbei vor allem an Systeme der Wettbewerber Sun, Hewlett-Packard, Silicon Graphics oder auch der IBM.

Interessant scheint in diesem Zusammenhang, daß sich DEC-Verantwortliche gedanklich schon an die Option heranwagen, Cluster-Konzepte ganz ohne DEC-Hardware zu installieren. Bei solch einem Konzept lieferte Digital Equipment dann nur die zukünftige Cluster-Software, was gleichbedeutend wäre mit einem Wandel vom Hardware-Hersteller und -Verkäufer zum Systemintegrator.

Voraussetzung für einen Verbund parallelisiert arbeitender Workstations wäre nach Meinung von DEC-Verantwortlichen allerdings auch, daß die Kommunikationstechnologie entsprechende Fortschritte macht: Allerdings hegt man in Maynard die Hoffnung, daß in relativ kurzer Zeit Verbindungsleitungen zwischen den gekoppelten Rechnern mit Datenflüssen von mindestens 100 MB/s realisiert sein werden. Zum Vergleich: Auf FDDI-Leitungen lassen sich Transferraten von maximal bis zu 100 Mbit/s erzielen.

Mit dem Konzept der über Cluster verbundenen parallelisierten Workstations legt DEC erneut einen Plan vor, der sich des Konzepts von Parallelrechnern annimmt: In der Vergangenheit hatte der im Midrange-Bereich großgewordene Hardware-Anbieter bereits durch Vertriebskooperationen mit Maspar und Cray sowie - gerade erst - mit Intel auf sich aufmerksam gemacht.

Die Vereinbarung mit Cray Research, wonach die Rollwagen-Company einen massiv-par allelen Rechner auf Basis der Alpha-CPU entwickeln will, erhielt durch Äußerungen von Cray-Manager Derek Robb allerdings erste Kratzer: Robb hatte angedeutet, daß der Alpha-Prozessor aufgrund seiner eingeschränkten (32 Bit) Speicheradressierbarkeit nicht geeignet sei, extrem große Hauptspeicher zu addressieren. Genau diese seien bei massiv-parallelen Systemen jedoch erforderlich. Robb deutete in diesem Zusammenhang noch an, man stehe mit einem "kleinen Unternehmen, in das Cray bereits investiert habe", in Verhandlungen über ein neues Prozessordesign.