Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

21.10.1988 - 

Vertriebsvereinbarung mit Tandy läßt Mikrokanal-Frage offen:

DEC macht neuen Anlauf im PC-Geschäft

MÜNCHEN (CW) - Digital Equipment, mit eigenen PC-Produkten bisher mehrfach auf den Bauch gefallen, will einen neuen Versuch starten, in diesem Markt Fuß zu fassen. Diesmal hat sich das Unternehmen fremder Hilfe versichert: Die künftigen DEC-PCs kommen von Tandy. Unklar bleibt vorerst die Haltung des Branchenzweiten zum Mikrokanal.

Mit zwei Aktionen will das Unternehmen den Kampf um das bereits weitgehend aufgegebene Mikro-Terrain wieder aufnehmen. Zum einen kündigte es eine neue Software an, die die Einbindung von (IBM)-Mikrokanal-Maschinen in das DEC-Netz Decnet erlaubt. Zum anderen will DEC künftig wieder unter eigener Regie PCs verkaufen. Die Geräte sollen von Tandy nach DEC-Spezifikationen gebaut werden. Brancheninsider bezweifeln allerdings, daß diese Geräte sich wesentlich von Tandys Serienprodukten unterscheiden. Tandy, dessen wichtigster Absatzkanall die Ladenkette "Radio Shack" ist, bietet derzeit als einziger Hersteller PS/2-kompatible Mikrokanal-Maschinen an .

Digital-Sprecher begründeten den Schritt mit Kundenwünschen nach Komplettlösungen aus einer Hand. Tandy habe man als Lieferanten auserkoren, weil dessen Vertriebskanäle und Kundenkreis eine Kollision mit DEC-Interessen nicht befürchten ließen. Zum Thema Mikrokanal kommen aus DECs Zentrale in Maynard widersprüchliche Signale. Offiziell hieß es, diese neuerlichen Aktionen nicht als Aussage für oder gegen den Mikrokanal zu werten.

Geoffrey Burr, Digitals Manager für strategische Kooperationen im PC-Sektor, erklärte, sein Unternehmen betrachte den Mikrokanal nicht als Industriestandard und habe keine Pläne, ein Mikrokanal-Produkt zu vermarkten. Digital unterstütze stattdessen den kürzlich erst von einer Reihe unabhängiger PC-Hersteller ins Leben gerufenen EISA-Bus.

Andererseits sickerte durch, daß DEC möglicherweise auch eine mit dem Microchannel bestückte Tandy-Maschine verkaufen würde, falls IBM seine Lizenzforderungen von fünf Prozent reduziere. Auch Tandy ließ verlauten, DEC habe sich eine Option auf die Vermarktung des Tandy-Modells 5000 MC offengehalten. Diese Maschine ist mit dem Mikrokanal bestückt.

Auf eine De-facto-Anerkennung der Mikrokanal-Welt deutet auch die Einführung von DECs Software zum Anschluß solcher Maschinen an das Decnet hin. Es handelt sich um Programme der Decnet/PSA Client- und Decnet-DOS-Familien, die die Integration von Mikrokanal-Maschinen in Digital-Netzwerke erlauben.

Die Reaktionen der Branche waren gemischt. So meinte Neil Colvin, Chef der durch die Entwicklung IBM-kompatibler Firmware für das Basic-Input/Output-System (BIOS) von PCs bekanntgewordenen Phoenix Technologies, die Übereinkunft mit Tandy statte DEC mit einer kompletten Produktlinie aus und erlaube dem Unternehmen "den Griff in IBMs Gesäßtasche". John Dunkle, Vice President des Marktforschungsunternehmens Aberdeen Group, erklärte: "Was unter dem Strich herauskommt ist, daß DEC den Support für den Mikrokanal angekündigt hat". Ein anderer Analyst erinnerte an DECs bisherige Pechsträhne im PC-Markt. Das Unternehmen werde weiter "im Schatten seiner Vergangenheit" leben müssen. Das DEC-Projekt PVAX, einer Desktop-Maschine mit der Fähigkeit, außer dem DEC-eigenen Betriebssystem VMS auch DOS-Programme abzuarbeiten, ist nach übereinstimmender Insidermeinung von dem Tandy-Deal nicht betroffen.