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03.11.1989 - 

Durchgängige Architektur vom Desktop bis zum Hauptrechner

DEC: Mit VAX 9000 der IBM zeigen, was ein Mainframe ist

MAYNARD (CW) - Mit einer Palette von fünf Mainframe-Modellen will Digital Equipment in den von IBM zu 70 Prozent beherrschten Großrechner-Markt einbrechen. "Das Wort Mainframe hat ab heute eine neue Bedeutung." Mit solch großen Worten präsentierte DEC vergangene Woche in den USA denn auch seine Mainframe-Serie "VAX 9000".

DEC: bietet - so Firmensprecher Allan McGuire - Mainframe-Kunden eine neue Generation von Rechnern. Bei jeweils vergleichbaren Leistungen zu entsprechenden IBM-Mainframes würden die DEC-Rechner nur die Hälfte des von Big Blue geforderten Preises kosten. Ähnlich aggressiv geht die Tandem Computers Inc. den Großrechner-Markt an.

Der neue Ansatz von DEC liegt darin, daß der Mainframe nicht mehr ein zentraler Großrechner sein soll, sondern Teil einer dezentralisierten Welt, in der er das Zusammenspiel von PCs, Workstations, Druckern und weiterer Peripherie sicherstellt.

Betont wird, daß DEC erstmals die Vektorverarbeitung in ihre Hardware integriert hat. Dies gilt nicht nur für die fünf Modelle der jetzt vorgestellten VAX 9000, sondern auch für die im Juli dieses Jahres auf den Markt gebrachten VAX-6000-Serie. Dazu wurde die VAX-Architektur am 63 Vektorinstruktionen erweitert. Nach Unternehmensangaben bleibt die Kompatibilität innerhalb der gesamten VAX-Rechnerfamilie gewährleistet, da Programme, die dieVektorinstruktionen benutzen, auch auf Systemen ohne Hardware-Vektorunterstützung laufen.

In Branchenkreisen wird allerdings bezweifelt daß DEC ihre modifizierte VMS-Betriebssystem-Version zur Unterstützung der Vektorverarbeitung vor Mitte 1990 fertigstellen kann. Deshalb sieht man Käufer des nicht ausbaufähigen Einprozessor-Einstiegsmodells 210 auch als Beta-Tester für das neue Betriebssystem an. Die Verfügbarkeit des mit einem Skalar- und einem Vektorprozessor versehenen kleinsten Mainframe-Modells von DEC wurde für das zweite Quartal des kommenden Jahres avisiert, die leistungsstärkeren Rechner sollen ab dem 3. Quartal vertrieben werden.

Neben dem VMS-Betriebssystem werde ab dem 4. Quartal l990 auch DECs Unix-Derivat Unix ausgeliefert, hieß es aus Unternehmenskreisen.

Die fünf DEC-Modelle 210 und 410 bis 440 bieten mit ein bis maximal vier Skalar- und Vektorprozessoren eine Rechenleistung von 125 bis 500 Megaflops. Das Unternehmen betont, daß die neuen Mainframe-Rechner je nach Konfiguration gegenüber der VAX 1 1/780 mit einer 30 bis 117fach höheren Leistung aufwarten könnten. DECs Preisgestaltung von 2,7 Millionen Mark für das Einstiegsmodell bis zwölf Millionen für das VAX-9000-Modell 440 ist gegenüber der eindeutig den Markt beherrschenden IBM um etwa die Hälfte günstiger.

Laut DEC-Präsident Ken Olsen konzentriere man sich mit den Mainframe-Rechnern besonders auf den Bereich On-line Transaction Processing. Hier allerdings dürfte besonders die Tandem Computers Inc. mit ihrem neuen Mehrprozessor-Parallelrechner Cyclone zum gewichtigen Konkurrenten für DEC werden, da sie mit ähnlich kämpferischen Preisen den Markt angeht. Als Käufer der VAX-9000-Rechner sieht man besonders Kunden, die bereits über VAX-Maschinen verfügen und nun die Möglichkeit haben, auf höhere Kapazitäten aufzusteigen, ohne auf IBM wechseln zu müssen.

DEC steigt zu einem Zeitpunkt in den Mainframe-Markt ein, da IBM eine nicht sehr erfreuliche Vorweihnachtszeit durchleben muß. Die jetzt veröffentlichten Geschäftszahlen für das dritte Quartal weisen gegen über dem Vergleichszeitraum des Vorjahres lediglich ein Umsatzplus von 4,3 Prozent auf. Bei den Gewinnzahlen gar erlitt Die IBM einen Rückgang von 30 Prozent.

Doch auch Digital Equipment hatte gravierende Gewinneinbußen in ihrem ersten Geschäftsquartal hinzunehmen (Beginn Juli): 33 Prozent weniger werden in Maynard mit dem schwachen US-Verkauf und einem starken US-Dollar erklärt. Eine weitere Erklärung für den massiven Gewinnrückgang kann man in den hohen Kosten für Forschung und Entwicklung sehen, die laut Unternehmensangaben im vergangenen Geschäftsjahr zwölf Prozent des Umsatzes ausgemacht hätten. Branchenanalysten rechnen mit einem Umsatz von einer Milliarde US-Dollar aus dem Geschäft mit den neuen Mainframe-Rechnern. Da vor allem die Modelle 410 bis 440 nicht vor dem zweiten Halbjahr 1990 verfügbar sein werden, können die Umsatzzuwächse aus dem Verkauf der neuen Mainframe-Rechner jedoch erst für das im Juli beginnende kommende Geschäftsjahr verbucht werden.