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Computerfachleute verlassen ihren Elfenbeinturm


04.12.1992 - 

DEC-Mitarbeiter fordern die Sicherung , ihrer Arbeitsplätze

MÜNCHEN (CW) - Rund 1000 Mitarbeiter der Firma Digital Equipment (DEC) forderten bundesweit in einer Aktion ihre Kollegen auf einen offenen Brief an die Geschäftsleitung zu unterschreiben. In diesem Brief wird die Arbeitsplatzabsicherung vor allem für ältere Mitarbeiter gefordert. Die Aktion stieß bei den Kollegen auf große Resonanz.

Daß Computerfirmen Personal abbauen, gehört inzwischen zur Tagesordnung; daß High-Tech-Mitarbeiter dagegen protestieren und sogar Forderungen stellen, ist jedoch ein Novum. Rund 1000 DEC-Mitarbeiter gingen im November in zwölf Städten auf die Straße und forderten ein Rationalisierungsschutz-Abkommen. 780 Arbeitsplätze wurden in Deutschland laut Betriebsrat in den letzten zwei Jahren abgebaut, 550 allein in diesem Jahr.

Weltweit will der Konzern weitere 20 000 Stellen streichen (siehe auch CW Nr. 43, Seite 1: "Digital Equipments Verluste ... "). Richard Polzmacher vom Vorstand des IG Metall-Bezirks München: "Wir kämpfen vor allem um die altgedienten DEC-Mitarbeiter, die sind nämlich von den Entlassungen besonders betroffen. Eine Firma kann sich nicht einfach ihrer Mitarbeiter entledigen, wenn es ihr schlechter geht." Weiterqualifizierung der Mitarbeiter und langfristige Strategien seien letztendlich effizienter als stetiger Personalabbau.

Diese Forderungen sind auch in dem der Geschäftsleitung präsentierten Haustarif Rationalisierungsschutz enthalten:

- Grundsätzlich bleibt der Arbeitsplatz des Mitarbeiters bei Umorganisation erhalten.

- Versetzungen haben, wo immer möglich, Vorzug vor Entlassungen.

- Es gilt ein absoluter Kündigungsschutz für Beschäftigte ab 45 Jahren und für langjährige Mitarbeiter.

- Es müssen Vorruhestandsregelungen getroffen werden mit der Möglichkeit des gleitenden Übergangs in den Ruhestand.

- Jeder Mitarbeiter hat einen garantierten, unverfallbaren Anspruch auf bezahlte Weiterbildung.

Die Angst um den Arbeitsplatz führt heute dazu, daß immer mehr Mitarbeiter aus dem Computerbereich inzwischen eine tarifliche Absicherung wünschen. "Die Zeiten in denen die DV-Branche in der Lage und bereit war, freiwillig übertarifliche Gehälter zu zahlen, sind vorbei", erklärt denn auch Wigard Cramer, Betriebsratsmitglied bei Digital in München. Da die tarifliche Absicherung derzeit noch keine Chance hat, probierten die DEC-Mitarbeiter zunächst einmal mit ihrer Forderung nach einem Haustarif zur Arbeitsplatzabsicherung den kleinen Aufstand. Dieter jung, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats (und Mitglied der IG Metall): "Die Belegschaft hat begriffen, daß es mit den sicheren, hochbezahlten Arbeitsplätzen vorbei ist. Ohne hohen Organisierungsgrad sind wir allerdings nicht streikfähig und können der strikten Personalabbau- und Sparpolitik des Konzerns keine Alternative entgegensetzen.