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24.07.1992

DEC ohne Olsen was ändert sich?

Wenn die externen und internen Olsen-Kritiker recht behalten, dann wird sich die DEC-Situation in absehbarer Zeit verbessern. Der Digital-Gründer sei immer mehr zu einer Belastung für das Unternehmen aus Maynard geworden: unnachgiebig in der Sache - wenn es nämlich um sein Baby, die Technik, ging - und ungerecht gegenüber denjenigen Mitarbeitern, die bei dem Mini-Marktführer etwas verändern wollten. Dazu ein Abschnitt aus einer früheren CW-Kolumne (CW Nr. 19 vom 8. Mai 1992: "Digital plant den Untergang"): "Wie gehabt setzt der DEC-Chef darauf, daß ihn sein technischer Genius vor Unheil bewahren wird. Olsen läßt sich von nichts und niemandem beeindrucken. Wer darauf spekuliert, daß offene Systeme, die diese Bezeichnung verdienen, bei den Anwendern diskreditiert werden können, der rechnet mit einem Alles-oder-nichts-Finale. Das kann Olsen haben, das wird er haben, wenn nicht vorher DEC-intern Außergewöhnliches passiert."

Das Außergewöhnliche ist passiert - der Lotse geht von Bord. Nur DEC-Novizen werden die Frage stellen: "Hat Olsen den Überblick verloren, hat er Angst vor der Pleite?" Einen ähnlichen Fehler begehen diejenigen, die nach positiven Antworten suchen, etwa derart, daß Olsen den großen Verzicht üben will, um die Company zu retten. Nein, der einst visionäre DV-Pionier wurde zum Rücktritt gedrängt, von Leuten, die Bilanzen interpolieren können; er hat ihn vollzogen. Was Olsen bewegt, wir werden es wohl nie erfahren.

Man kann sich nur an die Fakten halten - und die sehen bei Digital alles andere als gut aus: Kunden und damit Marktanteile gehen verloren, das traditionelle VAX-Geschäft wirft nichts mehr ab, Mitarbeiter müssen entlassen werden. Bleibt die Frage nach dem Alles-oder-nichts-Finale: Digital ohne Olsen - aber was ändert sich, für Digital und - wichtiger noch - für die Digital-Anwender?

Von den neuen Leuten an der DEC-Spitze weiß man nicht viel. Ausschlaggebend für den erhofften Erfolg dürfte es indes nicht sein, wer das Unternehmen in der jetzigen Krisensituation führt. Andererseits müssen die DEC-Manager zur Kenntnis nehmen, daß Digital in den Augen vieler Kunden kein Hersteller mehr ist, dem man uneingeschränkt Vertrauen schenken kann. Dieses Vertrauen wiederherzustellen, hat nur mittelbar etwas mit der Verfügbarkeit und der technischen Brillanz von Produkten zu tun. Der Ärger bei den Anwendern verschlimmert sich sogar, weil keine klare Linie (Stichworte: VAX-Zukunft und offene Systeme) erkennbar ist. Ken Olsen hat sich immer gebrüstet, er habe Mühe, in dem Angebot anderer Hersteller - was die Technik betrifft - eine ernsthafte Konkurrenz zu erkennen. Die Digital-Kunden wollen das nicht mehr nachvollziehen - viel Arbeit für die Olsen-Nachfolger.