Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

21.11.1986

DEC-Phänomen durch Meta-Information

Die führenden Wirtschaftsmagazine Amerikas feiern derzeit einen genialen Computerpionier: Ken Olsen, Entwickler der PDP-Minis, habe "seine" Digital Equipment Corporation (DEC) zum "Winner" der DV-Branche gemacht - ein Mann, der die IBM nicht fürchte, mehr noch: den die IBM fürchten müsse.

Nicht von ungefähr ist die DEC-Erfolgsstory auch zu einer Anti-IBM-Geschichte geworden: Die US-Analysten haben offenbar genug von Big Blues marktpolitischen Sandkastenspielen (100-Milliarden-Dollar-Company in 1990), wollen den glücklosen IBM-Boß Akers mit Hymnen auf Olsen provozieren.

Die US-Marktbeobachter proben den Aufstand. Einmütig wie selten küren sie DEC zum Herausforderer. Folge: Von IBM-Watchern wird das neue Abteilungssystem 9370 des Mainframe-Riesen denn auch flugs zum "VAX-Killer" hochstilisiert. Man stelle sich vor: IBM in der Defensivposition - ein ungewohntes Bild.

Das Thema "DEC gegen IBM" ist für viele US-Anwender in der Tat von nicht zu unterschätzender Tragweite. Im "Departmental Computing" konnte Digital selbst bei den "Fortune-500-Companies", traditionellen Hochburgen der IBM, enorm an Boden gewinnen. Der Mini-Marktführer hat drüben, daran kann kein Zweifel bestehen, den Sprung zum "General-Purpose-Computer-Anbieter" geschafft, sich in der Kommerz-DV-Welt etabliert.

Die Tatsache, daß es ein DEC-Problem für die IBM Corp. gibt, ist anzuerkennen, doch stellt sich sofort die Frage, ob daraus eine Regel für den hiesigen DV-Markt abgeleitet werden kann. In bundesdeutschen Wirtschafts- und DV-Magazinen ist das zu lesen, was die US-Presse über Olsen und Akers, über die VAX und die 9370 gemeldet hat. Tenor: Der blaue Riese wankt. Stimmt dies schon für den US-Markt nicht (noch fährt IBM dicke Gewinne ein, kann sich Big Blue auch auf loyale MIS-Manager stützen), so fehlen hierzulande überdies die Prämissen: Die DEC GmbH sieht sich nach wie vor auf den technisch-wissenschaftlichen Bereich beschränkt, kann wohl mit OEM-Erfolgen glänzen - im Kommerz-Markt geht indes noch nicht viel.

Wie sehr sich die bundesdeutschen Verhältnisse von der US-Praxis unterscheiden, können Anwender aus den Diebold-Berichten über die Rechner-Installationen erfahren: Siemens spielt bei uns die Rolle des Kronprinzen, und auch Nixdorf mischt kräftig mit - bleibt für DEC der undankbare vierte Platz. So gesehen ist auch das 9370-Announcement anders zu bewerten: Ein VAX-Wolf im /370-Pelz kommt jedenfalls nicht daher. Daß die IBM Deutschland selbst nicht weiß, was sie mit dem Abteilungsrechner anfangen soll, steht auf einem anderen Blatt.

Planungssicherheit, dies die (unbequeme!?) Binsenweisheit, ist vom sorglosen Umgang mit US-Analysen nicht zu erwarten. Information aus zweiter Hand (Meta-Information) sollte als solche allerdings deutlich gekennzeichnet sein.