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09.07.1999 - 

Kolumne

"DEC-Potential ist nicht aufgeschöpft"

In den ersten 100 Tagen nach einer Fusion entscheidet sich ihr Erfolg, sagen Wirtschaftswissenschaftler. In dieser Phase herrscht Aufbruchstimmung. Mitarbeiter wie Management sind bereit, tiefgreifende Veränderungen zu akzeptieren und mitzugestalten. Müssen Produktpaletten bereinigt, Hierarchien abgebaut und Personal entlassen werden, kann der Vorstand mit Verständnis rechnen - vorausgesetzt, er hat ein klares Ziel vor Augen, das er adäquat vermittelt.

Bei Compaq und Digital Equipment zieht sich die Integrationsphase nun bereits fast anderthalb Jahre hin. Das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit des Konzerns ist bei Kunden wie bei Mitarbeitern stark gesunken. Eckhard Pfeiffer wollte der Architekt eines neuen IT-Imperiums sein, inzwischen ist er vom enttäuschten Aufsichtsrat davongejagt worden.

Der größte Fehler des Deutschen war das Festhalten am alten Geschäftsmodell. Pfeiffer hatte Tandem und Digital gekauft, um in neue Märkte vorzudringen. Server, Softwarelösungen und Dienstleistungen sollten neben dem angestammten PC-Geschäft vermarktet werden. Doch auch nach einem Jahr war von einem Allround-Anbieter nach dem Vorbild der IBM nichts zu sehen. Die Metamorphose blieb aus. Compaq ist wie gehabt ein PC-Bauer - bedeutend zwar, aber auf dem absteigenden Ast.

Selbst im Internet-Geschäft, wo der Konzern mit dem Portal Altavista eine glänzende Ausgangsposition gehabt hätte, ging nichts voran. Der Zögerer Pfeiffer vergrub sein Talent, anstatt es zu vermehren: Altavista wurde weder für den Consumer- oder Business-Markt ausgebaut noch für den PC-Verkauf kommerziell genutzt. Interims-Boß Ben Rosen verschleudert nun die Suchmaschine, mit der im Unternehmen niemand etwas anzufangen wußte.

Compaqs Kauf von Digital Equipment war riskant. Normalerweise verstärken sich IT-Allrounder durch den Erwerb von Spezial-Know-how - man denke etwa an IBMs Übernahmen von Lotus und Tivoli. Im Fall Compaq kaufte der Spezialist den Gemischtwarenladen, versäumte dabei aber, im Management entsprechende Weichen zu stellen. Vielleicht sollte Rosen über seinen Schatten springen und sich bei der Suche nach einem neuen CEO, der den Karren aus dem Dreck zieht, auch im ehemaligen Digital-Management umschauen.