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28.06.1985

DEC reiht sich in die OSI-Anhängerschar ein

MÜNCHEN (cmd) - Die Protagonisten der "Open Systems Philosophie" in Europa haben prominente Unterstützung erhalten: Als erster namhafter US-Hersteller hat sich jetzt die Digital Equipment Corp. in einer als "außerordentlich weitreichend" apostrophierten Absichtserklärung uneingeschränkt dem OSI-Standard der ISO verschrieben.

Das Announcement, so erläuterte Willi Kister, der Boss der DEC Deutschland GmbH, in einem Pressegespräch in München, ist sowohl als "Statement of Direction" als auch als Produktankündigung zu werten. Die strategische Aussage besage nicht (...) und nicht weniger, als daß DEC in Zukunft seine DV-Systeme und seine DNA/DECnet-Netzwerkprodukte völlig dem OSI-Standard anpassen und damit uneingeschränkt offene, herstellerunabhängige Netze unterstützen werde.

Zwar würden die Vorteile der OSI-Normierung erst mittel- bis langfristig greifen, doch bedeute die DEC-Absichtserklärung "ein Stück freie Marktwirtschaft". Mit einem Seitenhieb auf IBM und deren Netzarchitektur SNA meinte Kister weiter, mit der Durchsetzung des OSI-Modells werde sich der Anwender künftig bei seiner Entscheidung für ein System nicht mehr nach herstellerspezifischen Einschränkungen richten müssen.

Das OSI-Bekenntnis des weltweit zweitgrößten Computerherstellers kommt freilich nicht von ungefähr: Um die in der ISO, dem CCITT, der ECMA und anderen Normungsgremien vereinbarten Standards auch in Form von Produkten und Lösungen zur Durchsetzung zu verhelfen, bemühen sich beispielsweise die Kommission der Europäischen Gemeinschaften in Brüssel und die in der "Gruppe der 12" zusammengeschlossenen fahrenden europäischen DV-Anbieter darum, bei künftigen - nationalen wie EG-weiten - Ausschreibungen der Öffentlichen Hände nur noch solche Hersteller einzubeziehen, die auf dem OSI-Pfad der Tugend wandeln und sich auch so "committed" haben.

Was die konkrete Umsetzung in Produkte angeht, so beinhaltet das DEC-Announcement die Realisierung folgender fünf Entwicklungen bis Mitte 1986:

- Die unteren Ebenen der DNA/ DECnet-Architektur werden durch Modifizierungen an die jeweiligen Schichten des OSI-Modells angepaßt.

- Für die Ebene 4, die OSI-Tansportschicht, wird ein VMS/OSI-Transportdienst entwickelt. Diese Software erlaubt die Kommunikation zwischen einem Programm unter VMS/VAX mit Programmen, die auf Systemen anderer Hersteller mit OSI-Implementierungen laufen.

- Die derzeitige X.25-Netzwerkunterstützung wird an die CCITT-Empfehlung X.25/1984 angepaßt.

- Die im vergangenen Jahr vom CCITT verabschiedeten X.400-Empfehlungen für die Dokumentenübertragung werden unterstützt.

- Schließlich unterstützt DEC mit Hard- und Softwareentwicklungen das von General Motors entwickelte MAP-Protokoll für die Informationsverarbeitung in Produktion und Fertigung. Die kürzlich verabschiedete MAP-Version 2.1 wird über entsprechende Software für VAX/VMS- und MicroVAX/MicroVMS-Systeme sowie durch Steuereinheiten und Modems realisiert.

Die Implementierungen der oberen OSI-Schichten sollen jeweils dann angeboten werden, sobald die Normung in den entsprechenden internationalen Standardisierungsgremien abgeschlossen sind.

Mitglieder aus der "Gruppe der 12" bewerten die Ankündigung durchweg als positiv und "als wichtiges politisches Signal", das jedoch aufgrund der Beiträge von DEC in den internationalen Normungsinstanzen nicht unerwartet war.

Die IBM Deutschland GmbH in Stuttgart versagte sich wie immer bei

Ankündigungen eines Mitbewerbers auch dieses Mal eine Stellungnahme, wies aber darauf hin, daß Presseberichte, wonach IBM den Standardisierungsmaßnahmen der ISO im Bezug auf offene Systeme ablehnend gegenüberstehe oder SNA als Netzstandard empfehle, nicht nur als unrichtig, sondern auch als irreführend gegenüber ihren Kunden zurück. IBM habe als eine der ersten Computerhersteller Produkte bekanntgegeben, die zum Beispiel zur Implementierung von X.25 in bestimmte SNAB-Betriebsumgebungen dienen oder die X.25-Fähigkeit mit OSNS an die höheren OSI-Schichten anbinden.