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Erstmals OLTP auf RISC-Maschine


05.04.1991 - 

DEC und Stratus heizen Markt für fehlertolerante Systeme an

MAYNARD/MARLBOROUGH (CW) - Vor genau einem Jahr hatte DEC mit der VAXft 3000 (ft steht für fault tolerant) den ersten Schritt in Richtung fehlertolerante Systeme getan. In dieser Produktsparte kündigte Stratus gleichzeitig die "XA2000 Serie 200" an. Zwölf Monate später präsentiert Stratus neben Modellerweiterungen das erste RlSC-basierte OLTP-System, während Mini-Marktführer Digital mit vier neuen VAXft-Modellen seine Position in diesem Anwendungssegment stärken will.

Vor allem DEC dürfte sich von seinem Frühjahrsangebot einiges versprechen. Bekanntlich kritisierte Stratus nach der Vorstellung der VAXft 3000 (CW Nr. 10 vom 9. März 1990, Seite 31, "DEC erweitert die VAX-Palette...") prompt, die Anwender verlangten in der Regel nach unterschiedlichen Systemen, die auch in puncto Rechenleistung noch Ausbauoptionen offerieren würden.

Gegenüber den singulären Modellen der Konkurrenz, etwa von DEC, aber auch im Gegensatz zum " 1240"-Rechner von HP - hier stammt die Hardware von der Sequoia Systems Inc. - und Tandems "Integrity S2" könne Stratus gleich auf drei ausstattungsmäßig variierende Modellreihen mit insgesamt 13 fehlertoleranten Rechnern verweisen.

Zudem pflege man strategische Allianzen sowohl mit der IBM - aufgrund eines 1985 unterzeichneten und 1990 um weitere fünf Jahre verlängerten Abkommens vertreibt Big Blue die Stratus-Rechner als OEM unter der Bezeichnung "System/88" - als auch mit dem italienischen Büromaschinen-Multi Olivetti, mit dem das OEM-Verhältnis seit noch längerer Zeit bestehe.

Auch der Vorwurf des schlechten Preis-Leistungs-Verhältnisses bei der ersten fehlertoleranten VAX - für mindestens 540 000 Mark erhält der Anwender als Gegenwert eine VAXft 3000, die lediglich neun Transaktionen pro Sekunde (Tps) ermöglicht - hat DEC nicht entmutigt, nun vier weitere Familienmitglieder nachzuschieben, die zwischen 363000 Mark für das Einstiegsmodell 110 und einer Million Mark für die Top-Version 612 kosten.

Nach Analystenmeinung könnte vor allem die Tandem Computers Inc. - mit 80 Prozent Marktanteilen (nach Gartner Group) klarer Marktführer bei fehlertoleranten Systemen - von DECs neuer Stärke in Mitleidenschaft gezogen werden.

Vor allem der Trend zu vernetzten Rechnertopologien werde DEC aufgrund der Stärke im Netzwerkbereich 20 Prozent des Kuchens sichern, der ab 1995 zu verteilen ist. Sandra Gant, eine Analystin der Gartner Group/ Infocorp., sieht dies auch durch gewisse Vorurteile bei den Anwendern begründet: "Viele Leute, die in Zukunft von DEC fehlertolerante Systeme kaufen werden wie etwa VAX/VMS-Kunden oder unabhängige Software- Unternehmen, hätten von Tandem oder Stratus keine Rechner genommen." Der Mini-Marktführer verfüge eben über eine loyale Kundenbasis.

Wie vor einem Jahr positioniert Digital seine neuen fehlertoleranten Systeme - sie bestehen entsprechend der vor einem Jahr vorgestellten VAXft | 3000 Modell 310, jetzt umbenannt in VAXft 310, aus zwei identischen Rechnern in zwei Gehäusen, die Zonen genannt werden und durch eine redundant ausgelegte Verbindung gekoppelt sind - als Front-end-Rechner vor großen VAX-Clustern. Schon damals versuchte der Mini-Anbieter aus Maynard Massachusetts, das Argument der bei einem einzigen Modell eingeschränkten Systemauswahl zu entkräften: Fehlertoleranz brauche man nicht überall, vielmehr sei der gezielte Einsatz einzelner VAXft-Rechner im Verbund mit anderen DEC-Minis durchaus sinnvoll.

Mit dieser Strategie will man auch die geringe Transaktionsleistung der Computer - für sich allein genommen erzielen die jetzt vorgestellten vier VAXft-Modelle in elf verschiedenen Konfigurationsmöglichkeiten lediglich zwischen sechs und 25 Tps - in ein besseres Licht rücken: Nutze der Anwender die gesamte Rechenleistung die hinter der Front-end-VAX zur Verfügung stehe, könne er zwischen 500 und 1000 Tps aus einem Gesamtsystem herauskitzeln.

Insgesamt besteht die VAXft-Linie nun aus fünf Modellen: VAXft Modell 110 ist die Einstiegsversion, VAXft Modell 310 wurde vor einem Jahr vorgestellt, Modell 410 bietet gegenüber Modell 310 eine höhere Prozessorleistung. Modell 610 entspricht dem System 410, unterstützt aber die doppelte Online-Speicherkapazität.

Beim Modell 612 wiederum handelt es sich um zwei Modelle 610, die zu einem Digital-Storage-Systems-Interconnect -VAXcluster verbunden sind. Alle fehlertoleranten Rechner kommen im Sommer 1991 auf den Markt.

Alle DEC-Rechner laufen unter dem VMS-Betriebssystem. Nach wie vor keine Angaben machte das Unternehmen zu der Frage, ob und wann man denn mit einer fehlertoleranten Ultrix-Implementation rechnen könne. Ungeklärt ist nach wie vor auch, wann für VMS eine integrierte Posix-Schnittstelle angeboten wird.

Mit den fehlertoleranten Systemen kündigte Digital außerdem die begrenzte Verfügbarkeit von "Disaster-resistenten" VAX-Clustern an, die unter Ausnutzung von FDDI-Verbindungen eine bis zu 40 Kilometer auseinanderliegende gemeinsame Datenhaltung und -sicherung ermöglichen sollen.

Stratus hingegen hat mit der Vorstellung des auf der Intel-860-CPU basierenden RISC-Systems "XA/R Modell 20" eine ein Jahr alte Absichtserklärung des Stratus-Managers Rob Albers erfüllt: Aufgrund eines Technologieabkommens von 1989 mit Intel werde man in die Stratus-Rechnerhauptlinie RISC-CPUs einbauen, hieß es damals.

Der XA/R-Rechner, dessen Duplex-860-CPU auf 40 MIPS veranschlagt wird, ist nun der erste Schritt in Richtung RISC. In den nächsten zwei Jahren sollen weitere Modelle folgen.

Bemerkenswert an diesem Rechner ist, daß sowohl das proprietäre VOS-Betriebssystem von Stratus als auch eine neue FTX-Unix-Version eingesetzt werden können. "FTX 2", das symmetrisches Multiprocessing unterstützt, ist laut Stratus die erste Fehlertoleranz unterstützende Unix-Implementation von AT&Ts System V, Version 4.

Das Unternehmen gab auch an, daß alle bestehenden VOS-Applikationen nach der Rekompilation auf der RISC-Plattform ablauffähig seien, ohne daß der Anwendungs-Code neu geschrieben werden müßte.

Seine aus bislang sechs Rechnern bestehende Modellreihe "XA2000 Serie 200" stockte Stratus um die Top-Modelle "270" und "280" auf, die entsprechend der Namengebung mit sieben respektive acht geduplexten Motorola-68030-CPUs arbeiten. Neben dem VOS-Betriebssystem kann der Anwender das FTX-1-Unix-Derivat auf Basis von AT&Ts System V, Version 3.2, einsetzen.

Um dem Interesse für den zukunftsträchtigen Kommunikationsbereich Ausdruck zu verleihen, gab Stratus anläßlich der Hardwarevorstellung auch Einblicke in seine Softwarepläne: Danach entwickle man sowohl einen Transaktions-Monitor für verteilte OLTP-Anwendungen unter FTX 2 als auch ein Hochgeschwindigkeits-Filesystem für den kommerziellen Bereich.

Zudem kündigte man die Stratus Intelligent Network Application Platform (Sinap) an. Sinap soll vor allem Telekommunikations-Unternehmen eine Entwicklungsplattform zur Verfügung stellen, die es ermöglicht, "intelligente" Netzwerkdienste selbst zu entwickeln.