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13.11.1992 - 

Der heiße Workstation-Herbst ist eingeläutet

DEC und Sun sowie HP definieren Preise und Leistungen völlig neu

MÜNCHEN (jm) -Jeder glaubte, mit seiner Ankündigung der erste zu sein. Doch nun müssen sich die drei Workstation-Anbieter Digital Equipment (DEC), Sun Microsystems Computer Corp. (SMCC) und Hewlett-Packard (HP) die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit teilen. Trotzdem gilt: Die zeitgleiche Einführung von neuen Sun-, Hewlett-Packard- sowie DEC-Alpha-RISC-Rechnern dürfte gravierende Veränderungen am Workstation-Markt hervorrufen, die bis in die PC-Szene spürbar sein könnten.

Wie wichtig allen drei Herstellern die Offenlegung der jeweiligen Workstation-Produktstrategie sein muß, machten Geplänkel deutlich, die im Vorfeld der weltweiten Ankündigungen zu beobachten waren: Sowohl Sun als auch DEC und HP reklamierten für sich, die ersten bei der Terminierung des Vorstellungsdatums gewesen zu sein. Jeder argwöhnte auch, mit den nun zeitgleich abgehaltenen Präsentationen wollten die Wettbewerber vom Angebot der Konkurrenten ablenken.

Sun kann um oberen Ende noch erheblich zulegen

Jeder der drei RISC-Workstation-Anbieter hat dabei Asse zu präsentieren, die durchaus stechen könnten und die den Anwendern die Kaufentscheidung nicht leicht machen dürften.

Preislich in etwa konkurrierende Angebote haben zunächst Sun ("Sparcstation LC" und "Sparcstation LX") und HP in petto: Beide gehen energisch den Markt von Low-cost-Workstations an, den DEC erst kommendes Jahr zu bedienen gedenkt.

Sun hat allerdings beim Ankündigungs-High-Noon gegenüber Konkurrent HP die Nase vorn, weil die Leute um Andreas von Bechtolsheim mit der 20-Prozessor-Maschine "Sparccenter 2000" ein System aus den Werkshallen rollen, das - nomen est omen - ganz klar auf

Rechenzentrums- und Unternehmens-DV-Bedürfnisse zielt und damit einen Anschlag auf die proprietäre Mainframe-Welt plant.

Sun peilt für das vollausgerüstete Einstiegssystem Sparcstation LC einen Preis von 4500 Dollar an. Wie aggressiv die Marketiers um CEO Scott McNealy jetzt den Workstation-Markt angehen wollen, zeigt ein Vergleich, den die Sun-Mannen anstrengen: Sie tabellarisieren die Leistungsmerkmale ihres Low-end-Rechners gegen die mit einem 486-Prozessor (50 Megahertz) ausgerüsteten PCs von Dell (Modell 450 DE/2), Compaq (Deskpro 50M) und IBM (PS/2 Modell 90SX-OL9).

Ergebnis: Bei diesen vier in der Ausstattung vergleichbaren und auch in der Rechen-Power gleichzusetzenden Systemen kommt die Sparcstation LC einen Käufer genauso teuer wie ein Dell-Rechner. Die äquivalenten Compaq- beziehungsweise IBM-PC-Systeme hingegen schlagen - so Sun gegenüber der COMPUTERWOCHE sehr viel stärker zu Buche (etwa 7300 und rund 8100 Dollar).

Workstations sollen eine Flutwelle auslösen

Sun setzt bei den beiden neuen Einstiegs-Workstations auf Farbe: Beide Rechner liefern die Kalifornier standardmäßig mit SVGA-Farbmonitoren aus. In den Systemen kommt der "Microsparc" -Prozessor (50 Megahertz) von Texas Instruments (TI) mit integrierter Fließkomma- und Speicherverwaltungs-Einheit sowie einen Cache zum Einsatz. Der japanische Codename "Tsunami" (die durch ein Seebeben ausgelöste Flutwelle) soll wohl programmatisch vorgeben, was Sun sich von den beiden Workstations erwartet.

Das gesamte I/O-Subsystem (SCSI, Ethernet etc.) packte der

weltweite RISC-Marktführer statt auf bisher sieben jetzt auf zwei anwendungsspezifische Bausteine. Der Arbeitsspeicher reicht von 16 bis 96 MB.

LC- und LX-Maschinen unterscheiden sich durch die höhere Grafikleistung der LX-Workstation. Außerdem wartet das LX-System mit einer besseren Audioleistung auf (16 Bit gegenüber 8 Bit bei dem LC-Rechner). Zudem bietet nur das LX-System einen ISDN-Port. Beide Workstations laufen unter dem Solaris-2.1-Betriebssystem.

Die Kalifornier ersetzen mit den LC- und LX-Modellen die bisherigen Low-level-Maschinen IPX und IPC und fächern das Angebot jetzt auf in die Systeme Sparcstation ELC, LC, LX, 2 und 10.

Abgesehen von dem Dumping-Preis-Angebot der Einstiegsrechner, dürfte Sun aber auch mit dem Sparccenter 2000 für einige Aufregung am Markt sorgen: Das System rundet die Linie der Sparcserver-Modelle 10, 64OMP, 670 MP und 690 MP nach oben ab und arbeitet wie diese mit dem Supersparc-Prozessor von TI (Codename Viking).

Auch HP denkt über die Preise nach

Suns Marketing-Argument: Von der Abteilungsrechner- bis zur Unternehmensebene steht dem Anwender nun durchgehend auf einer Prozessorplattform unter einem Unix-Betriebssystem ein Rechenkonzept zur Verfügung, das Client-Server-Computing Realität werden läßt, weil nun durchgängig Binärkompatibilität besteht - ein Argument, das bis dato vor allem HP mit seiner Unix-9000-Familie mit Verve bemühte.

Zu den Charakteristika des Sparccenter 2000 gehören neben dem 20-Wege-Multiprozessor-System (Minimalkonfiguration fünf CPUs) bis zu 5 GB Arbeitsspeicher, 20 MB Cache, maximal 1 TB Massenspeicher, ein 10-Kanal-I/O, bis zu 40 S-Bus-Erweiterungssteckplätze sowie die Unterstützung von "Hunderten" von X-Terminals und " über 3000 ASCII-Terminals". Das System läßt sich durch zusätzliche System-Boards ( je mit zwei Sparc-CPUs, 4 S-Bus-Slots, zwei XD-Bus-Schnittstellen und ECC-Simm-Speichern ausgestattet) ausbauen. Der Sparccenter-Rechner läuft unter Solaris 2.1, das Multithreading und symmetrisches Multiprocessing unterstützt.

HP ist der zweite im Bunde der Workstation-Anbieter, die den PC-Anbietern mit einem preiswerten Workstation-Angebot das Wasser abgraben wollen. Branchen-Insider halten es übrigens für möglich daß sowohl Sun als auch HP sich inoffiziell schon auf Straßenpreise um 4000 Dollar und weniger einrichten.

HPs vier neue Workstations (Modelle 715, 725, 735 und 755) der 7000-Serie aus der Unix-Linie der HP-Apollo-9000-Familie stattete HP mit dem mit 99 Megahertz getakteten PA-RISC-Prozessor 7100 aus. Dieser kommt schon in zwei Business-Servern der HP-9000-Serie-800-Rechnern zum Einsatz. Die superskalare CPU ist binärkompatibel zu allen 7000-Workstations.

Ein Vergleich der Rechenleistung von Suns neuen Modellen mit denen von HP zeigt deutlich die unterschiedliche Ausrichtung beider Unternehmen: HP setzt auf Leistung, Sui auf den Preis. Während die Specinteger-92-Werte für HP von 24,2 (Modell 715/33) bis 80 (Modell 755) reichen, kann Sun lediglich 22,8 Punkte bieten. Die Spec-Floating-Point-92-Werte liegen für HP von 45 bis zu 1,50,6, Sun kommt auf 17,4.

Dafür liegt der Einstiegspreis für eine HP-Workstation mit Farbmonitor und 200-MB-Festplatte momentan noch bei rund 7500 Dollar. In Deutschland werden Entry-level-Modelle mit Monochrom-Bildschirm um die 11 000 Mark kosten. In der höchsten Ausbaustufe (Modell 755), mit dem 3D-Grafik-Subsystem "CRX-24" beziehungsweise "CRX-24Z" ausgerüstet, kostet ein HP-System etwa 150 000 Mark.

Ganz anders liegt der Fall bei DEC: Während die beiden Mitbewerber auf mittlerweile etablierter Technologie aufsetzen, wartet Digital bei den "Sandpiper" -",Flamingo"- ",Cobra"- und "Ruby"-Rechnern mit der Alpha- RISC-Architektur auf, die schon im Vorfeld für viele kritische Bemerkungen von Branchenanalysten gut war: Neben der sehr hohen Leistungsaufnahme von bis zu 32 Watt, die ein Kühlelemtent auf dem Bukkel des Prozessors nötig machen, ist nach wie vor die Unterstützung der DEC-Technologie in der Branche unsicher.

Alpha-CPU: Bislang kaum Lizenznehmer

Immer noch nicht konnte sich einer der großen japanischen oder europäischen Siliziumanbieter wie Hitachi, NEC, Toshiba, Thomson oder Wunschkandidat Siemens dazu durchringen, Alpha-CPUs in Lizenz zu produzieren. Auch ist die Liste der Alpha-Systemanbieter bislang beängstigend kurz: Nischenanbieter Kubota hofft, als Anbieter von Hochleistungs-Grafik-Workstations mit Alpha-Systemen Silicon Graphics Kunden abzuwerben.

Cray Research plant nach Aussagen von dessen CEO John Rollwagen, die Alpha-CPU in zukünftigen massiv-parallelen Architekturen zu verwenden. Allerdings hat der Supercomputer-Marktführer nach dem Aufkauf von Floating Point Systems und der Übernahme der massiv-parallelen, aber auf Sparc-Chips basierenden Technologie noch ein zweites Eisen im Feuer.

Bleiben die Mannen von Olivetti, die bislang auf Mips setzten. DEC hat sich bei der Benedetti-Company eingekauft, im Gegenzug soll Olivetti Alpha-Systeme vertreiben. Fraglich ist, ob die Italiener Mengenumsätze generieren können.

DECs Top-down-Strategie: Erstmal mit Leistung klotzen

DEC verfolgt mit der Vorstellung eine Top-down-Strategie: Zunächst will der Minicomputer-Platzhirsch die Konkurrenz mit Leistung erschlagen. So steigt man mit dem Sandpiper-Tischmodell (offiziell: DEC 3000 AXP, Modell 400) bei 105 Specmarks Rechenleistung ein. Allerdings beruhen diese Angaben auf den Spec-89er-Werten und sind deshalb mit Vorsicht zu genießen.

Der Alpha-Prozessor (130 Megahertz) wird im kommenden Jahr durch eine "PC-Variante" mit niedrigerer Taktrate (80 Megahertz) und später auch "PC-Versionen" von Alpha-Workstations ergänzt. 512 MB Arbeitsspeicher, drei Turbo-Channel-Steckplätze, eine mit 93 MB/ s angegebene I/O Leistung, 2D-Grafik-Beschleuniger bei einer 24-Bit-Farbtiefe und l9-Zoll-Monitor sind weitere Charakteristika der Sandpiper-Maschine, die zwischen 55 000 und 65 000 Mark kosten wird.

Modell Flamingo (DEC 3000 AXP, Modell 500) positioniert DEC als Midrange-Server. Entsprechend ist das je nach Ausstattung zwischen 70 000 und 100 000 Mark teure System mit drei zusätzlichen Turbo-Kanälen sowie bis zu 1 GB ausgebautem Artbeitsspeicher ausgestattet.

Mit RICS und Unix den Mainframe-Bereich entern

Modell Cobra (DEC 4000 AXP, Modell 610/620) soll als Abteilungsrechner fungieren. Besonderheit hier: zwei Alpha-Prozessoren, die mit 160 Megahertz getaktet sind, zusätzlich ein mit dem Futurebus + ausgestattetes I/O-System, das bis zu 185 MB/s Durchsatz realisieren soll, sowie ein 600-MB-CD-ROM-Laufwerk.

Modell Ruby (DEC 7000 AXP, Modell 610/660) schließlich zielt auf die unternehmensweite DV-Versorgung: Maximal mit sechs Prozessoren ausgestattet, errechnet DEC eine Spitzenrechenleistug von 960 Specmarks. Neben vier Futurebus + I/O-Kanälen und maximal 168 GB internem Massenspeicher (extern bis zu 10 TB) verfügt der "RZ-Server" über bis zu 14 GB Arbeitsspeicher. Alle DEC-Alpha-Systeme laufen unter der OSF/1-Unix-Variante sowie Open-VMS. Microsoft hatte sich schon Anfang des Jahres verpflichtet, Windows NT auf die Alpha-Plattform k12zu portieren. Erste unter dem Gates-Betriebssystem laufende Systeme wurden in den USA bereits gezeigt.