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13.11.1992

DEC: Was taugen die Produkte von morgen?

Es ist schon ungewöhnlich, daß der Betriebsrat eines großen Computerherstellers mit seiner Management-Schelte an die Öffentlichkeit geht. Für die Arbeitnehmervertreter von DEC Europe ist die Konzentration auf einige Kernkompetenzen, wie es das Sanierungskonzept der Digital-Konzernspitze vorsieht, schlicht falsch (Seite 1). Ein Rezept haben auch sie nicht. Daß es den einstigen Minicomputer-Krösus kalt erwischt hat, kann man nicht sagen. Wie kam es dann, daß die DEC-Strategen in den vergangenen Jahren so oft daneben lagen? Das Positionspapier des europäischen Digital-Betriebsrates wirft dazu mehr Fragen auf, als es beantwortet. Wichtig und richtig ist, daß der Kunde in den Mittelpunkt gerückt wird. Was taugen die DEC-Produkte von morgen? Um diese Frage geht es. Das heißt aber nicht, daß DEC mit Alpha steht oder fällt. Wollen die Marketiers aus Maynard uns einreden, daß der Markt auf die 64-Bit-Architektur gewartet hat?

Nur notorische DEC-Feinde werden sich auf derartige Spiegelfechtereien einlassen. Die Verantwortlichen bei Digital sehen sich als Systemintegratoren, die mehr können, als nur Blechkisten zu bauen. Das Argument hat Gewicht. "Systemintegration" ist neben "Downsizing" das beherrschende Thema im Meinungsstreit der großen DV-Hersteller, die sich davon lukrative Projektgeschäfte erhoffen. "Repositionieren", so nennen Marketing-Strategen den Versuch, das Image des reinen Hardware-Anbieters, des Boxen-Schiebers loszuwerden - so etwa das Vorhaben, Mitarbeiter aus unrentablen Geschäftsbereichen als DV-Berater einzusetzen.

Auf dem Weg zur "Computerless Computer Company", so der Titel eines Aufsatzes, der in der DV-Industrie für einigen Wirbel gesorgt hat: Man kennt das von Control Data, von Prime, von SNI, von Wang - und neuerdings von IBM. Das macht die Sache nicht glaubwürdiger. Hier haben wir eine Erklärung für die Identitätsprobleme bei DEC: Man hat IBM im Auge, anstatt - warnendes Beispiel - auf Control Data zu schauen. Der BUNCH-Anbieter stolperte bei dem Versuch, gegen den Mainframe-Riesen IBM anzustinken, und zwar zu einer Zeit, als Digital Equipment noch vom Mainframe-Abrüsten profitierte. Das endgültige Aus für Control Data als Hardware-Hersteller kam dann mit der Unix-Welle.

Jetzt gerät mit DEC ein Hersteller in Schwierigkeiten, der den Unix-Trend unterschätzt hat. Die Kunden wollen offene und schlanke Systeme einsetzen. An die Adresse der selbsternannten System-integratoren: Die Anwender wollen noch Produkte

kaufen. Sie beziehen sie heute bei HP, bei Apple, bei Sun. Control Data geht es übrigens gut - man ist bescheiden geworden. Bleibt die Frage: Will Digital in die Sonne (Sun!) oder in die Röhre (Systemintegration!) gucken?