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02.07.1993

Dedig will deutsches Engagement in Normierungsgremien verstaerken Gesellschaft soll die Popularitaet von EDI in Deutschland steigern

BERLIN (pg) - In der deutschen EDI-Szene soll kuenftig ein frischer Wind wehen. Zu diesem Zweck wurde in Berlin die "Deutsche EDI- Gesellschaft e.V." (Dedig) gegruendet, mit dem Ziel, den Aufschwung des elektronischen Austausches von Handelsdaten in Deutschland zu forcieren. Hinter den Kulissen werden jedoch auch Stimmen laut, die Zweifel an der Tauglichkeit der neuen Institution anmelden.

Die Dedig, eine Initiative des Bundesministeriums fuer Wirtschaft (BMWi), des Deutschen Industrie- und Handelstages und des Deutschen Instituts fuer Normung e.V. (DIN), wurde nach dem Muster auslaendischer EDI-Gesellschaften ins Leben gerufen. Sie loest im wesentlichen die "Deupro", den Ausschuss fuer die Vereinfachung internationaler Handelsverfahren im BMWi ab, der bislang auf Standardisierungsebene die Bundesrepublik repraesentierte.

Die Kritik an der Arbeit der Deupro wurde in der Vergangenheit jedoch immer staerker. "Die Wirtschaft hat sich durch die Deupro nicht richtig vertreten gefuehlt", moniert ein Insider die Handlungsweise der Organisation. Entscheidungen des Normenausschusses fuer Buerowesen (NBUe) im DIN seien, so der Kritiker, von der Deupro in den internationalen Gremien oft nicht mit Nachdruck unterstuetzt worden und haeufig sogar gegen die Interessen der Wirtschaft gerichtet gewesen.

Mit dem Ausscheiden von

Ernst-August Hoerig, dem Vorsitzenden der Deupro, wird diese Organisation im Oktober vom BMWi endgueltig aufgeloest. Ueber die Verlagerung der Aufgaben an eine externe Organisation duerfte man im BMWi nicht ungluecklich sein, das die Wirtschaft gern mehr in die Pflicht nehmen moechte. Das dokumentiert auch die Aussage von Ministerialrat Wolfram Berger, Leiter des Referates Informations- und Kommunikationstechnik im BMWi, der in Berlin meinte: "EDI ist keine Sache der Regierung, sondern eine ureigene Angelegenheit der Wirtschaft." Der BMWi-Vertreter raeumte vor der Presse aber auch ein, der Taetigkeit der Deupro seien durch die Einbindung in die Struktur eines Ministeriums Grenzen gesetzt gewesen.

Berger aeusserte die Hoffnung, dass die Dedig jetzt das richtige Forum fuer die Wirtschaft sei, ihre Interessen staerker als bisher in eigene Haende zu nehmen. Indiz fuer den Willen der Regierung, ihre Aktivitaeten bezueglich EDI zu reduzieren, duerfte ein Dokument sein, das die Dedig weitgehend legitimiert, die Interessen Deutschlands in den internationalen und regionalen Gremien zu vertreten.

Unter den Teilnehmern der Gruendungsveranstaltung bestand Einigkeit darueber, dass die

Bundesrepublik kuenftig staerker in den Normierungsinstanzen repraesentiert sein und ihren Einfluss entsprechend ihrer wirtschaftlichen Staerke geltend machen muesse. "Deutschland hinkt, obwohl es die staerkste Wirtschaftsmacht Europas ist, in Sachen EDI hinterher", beklagt zum Beispiel Rene Scheer, Geschaeftsfuehrer der IHK Gesellschaft fuer Informationsverarbeitung in Bonn, den Status quo, und Ministerialrat Berger sprach in diesem Zusammenhang von Deutschland als einem "schlafenden Riesen".

Auch Otto Bernd Kirchner, Vorsitzender der Dedig, konstatierte, Deutschland gehoere in puncto EDI zu den Zurueckgeblieben, bekraeftigte jedoch den Willen, diesen Zustand durch die Dedig zu aendern. Als Ursachen fuer die schwache EDI-Position der Bundesrupublik werden zwei wesentliche Faktoren genannt: das dezentrale Wirtschaftssystem sowie die bis vor kurzem gute wirtschaftliche Situation der deutschen Industrie, die die Notwendigkeit, den rationalisierenden EDI-Pfad zu beschreiten, gedaempft habe. Dazu Scheer: "Der Leidensdruck der Wirtschaft wird jetzt groesser, weil die Margen wegbrechen."

Nach Meinung des IHK-Vertreters stelle sich jetzt heraus, dass Laender, die bisher unter schwereren Bedingungen ihre Wettbewerbsfaehigkeit beweisen mussten, im innovativen Sektor viel weiter seien.

Das Ende des EDI-Dornroeschenschlafes in Deutschland kann nach Ansicht der meisten Experten nur ein staerkeres Engagement in den Standardisierungsgremien bewirken. "Wir brauchen Pressure-groups wie sie andere Laender laengst haben", fordert Tuisko Buchmann, EDI- Mananger und Edifact-Koordinator bei SNI. Buchmann, der auch im NBUe des DIN taetig ist, sieht in der Mitgliedschaft von Anwendern und Anbietern in Dedig vor allem die Chance, das EDI-Geschehen aktiv mitbeeinflussen zu koennen und staendig auf dem Laufenden zu sein.

Skeptischer fallen dagegen die Reaktionen anderer EDI- Honoratioren auf die neue Gesellschaft aus. "Die Dedig hat das Problem, kaum Pluspunkte aufweisen zu koennen, um Mitglieder zu gewinnen", bewertet ein Insider, der anonym bleiben will, das inhaltliche Programm der Vereinigung als eher negativ. Das Positivste an der Organisation sei, dass sie nicht mehr so unter dem Einfluss der Regierung stehe wie die Deupro, und die Wirtschaft jetzt vielleicht das reflektieren koenne, was sie wirklich wolle.

Hinter vorgehaltener Hand wurden auch Klagen ueber das fuer den Geschmack einiger Beobachter zu starke Engagement des DIN in der Dedig laut. "Das DIN hat sich fuer die Gruendung der Dedig nur deshalb so eingesetzt, weil es auf eine gute Einnahmequelle hofft", lautet einer der Vorwuerfe. Eine andere Stimme gibt der Befuerchtung

Ausdruck, auch das DIN werde die Interessen der deutschen Industrie nicht richtig wahrnehmen, weil, so die Aussage, "den DIN-Leuten die freie Wirtschaft nicht liegt".

Kein Blatt vor den Mund nimmt dagegen Hinrich Schlieper, Mitarbeiter der technischen Unternehmensvertretung der IBM Deutschland und Mitglied in zahlreichen Gremien der Edifact- Normung: "Die Dedig kann kein reiner Foerderverein des NBUe im DIN sein", warnt der Experte und gibt offen zu, die EDI-Gesellschaft lieber ausschliesslich in Haenden der Wirtschaft statt beim DIN angesiedelt zu sehen. Problem sei aber gewesen, raeumt Schlieper freimuetig ein, dass sich in der Wirtschaft keiner gefunden habe, der diese Aufgabe uebernahm.

Dedig als Drehscheibe

zwischen Norm und User

Abzuwarten bleibt auch, ob die Dedig dem Anspruch eine Organisation fuer Anwender zu sein, gerecht werden kann. Laut Vorsitzendem Kirchner versteht sich die EDI-Gesellschaft als Drehscheibe zwischen der Normierung und den Interessen der Anwender. Schwerpunkte will die Dedig dabei auf die Beratung von Mitgliedern, aber auch von nicht an der Institution beteiligten Interessenten in Sachen EDI und Edifact sowie Veranstaltungen legen. Dabei soll das Augenmerk insbesondere kleinen und mittelstaendischen Unternehmen aus den neuen Bundeslaendern gelten.

Hinter der Akzeptanz der Dedig bei Grossunternehmen steht jedenfalls ein Fragezeichen, auch wenn namhafte Unternehmen wie die Telekom, Deutsche Bundesbahn, Daimler Benz, IBM, Siemens sowie die Deutsche Bank zu den 22 Gruendungsmitgliedern zaehlen. Zurueckhaltung gegenueber der EDI-Gesellschaft hat zum Beispiel die Automobilindustrie signalisiert, trotz des Beitritts von Daimler Benz. Die Sindelfinger, die, so ein Kenner der Szene, einen Beiratsvorsitzenden in der Dedig stellen wollten, seien bei diesem Vorhaben vom VDA zurueckgepfiffen worden.

Die einzige Moeglichkeit fuer die neue Organisation, Mitglieder zu gewinnen, besteht nach Ansicht des Insiders im Prinzip Hoffnung - naemlich darauf, dass nach und nach Anwender und Anbieter aus Prestigegruenden eintreten, weil sich andere auch beteiligen. Die grosse Gelegenheit, aus der Dedig von Beginn an eine Anwenderorganisation zu machen, sei jedoch vertan worden. "Das DIN hat gute Anwender verprellt, weil es diese nicht aufgefordert hat, die Dedig mitzugruenden und ihren Input beizusteuern", trauert der Experte dieser vergebenen Chance nach.