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16.05.1986

Defensive Vorgehensweise im Börsenmonat Mai

In New York gibt die Markttechnik keinerlei Kaufsignale mehr. Vorsichtiges Anlageverhalten ist zur Zeit mehr denn je angesagt. Auch der Indikator " Überoptimismus" legt die Wahrscheinlichkeit von Rückschlägen sehr nahe. Doch ein Ende der seit 1982 andauernden Hausse ist dennoch nicht direkt in Sicht. Erst wenn ein kräftiger Zinsanstieg, begleitet von einem Wiederaufflackern der Teuerungsraten, deutlich werden sollte, ist Umsteigen von Geldwerten in Sachwerte geraten. Problematisch waren die einstigen Empfehlungen für DV-Aktien. So richtig der Tip "Apple" war, so schwierig ist es derzeit, neue Favoriten auszumachen. COMPUTERWOCHE gibt hier einen Überblick über die DV-Aktien-Szene.

Sell in may and go away? So lautet ein US-Börsenspruch seit Jahrzehnten. Der Mai ist als traditionell unterdurchschnittlicher Börsenmonat verrufen. Dies hängt nicht zuletzt mit der großen Anzahl von Feiertagen und der damit gebremsten Aktivitäten sowohl der Institutionellen- als auch der Privatanleger zusammen. 1985 war es allerdings vollkommen verkehrt, im April zu verkaufen und im Mai Urlaub zu machen. Wer so handelte, hat einen wesentlichen

weil des Kursaufschwungs im vergangenen Jahr verpaßt.

1986 dürfte es jedoch richtig sein, sich für den Börsenmonat Mai eine defensive Vorgehensweise vorzunehmen. Dies gilt sowohl für die Weltleitbörse in Wall Street als auch für die meisten europäischen Börsen.

Zinsrückgang kurzfristig gestoppt

Der Rückgang der Zinsen in den USA- und auch in Deutschland scheint kurzfristig gestoppt zu sein. Die Liquidität der US-Institutionen ist niedrig. Verkäufe insbesondere japanischer Investoren (die unter den nicht US-Anleger an erster Stelle der Käufer für US-Zinspapiere gestanden waren) lösen berechtigte Bedenken darüber hinaus, ob sich die Hausse der Zinsmarkttitel in den USA wird fortsetzen können.

Auch wenn dies nur kurzfristig wirkende Irritationen sind, beeinflußt die Korrektur im intakten Zinssenkungstrend die Stimmung für die Weltbörsen. Für weitere sinkende Zinsen spricht, daß der Nettozins immer noch sehr hoch ist und in jüngster Zeit sogar anzog, weil die Teuerungsraten stärker fielen als die Nominalverzinsung.

Dennoch: Vorsicht an den Weltaktienbörsen erscheint kurzfristig angeraten. Zumindest in New York gibt die Markttechnik keinerlei Kaufsignale mehr. Auch wenn die Mehrzahl der Indikatoren noch neutral ist gibt es verschiedene Verkaufssignale, die ein zumindest vorsichtiges Anlageverhalten notwendig machen. Grafik 1 gibt den Umsatz in Optionsscheinen an der New Yorker Stock-Exchange wieder.

Optionsscheine sind zeitlich begrenzte Anrechte zum Kauf von Aktien. Sie zeichnen sich durch niedrigen Kapitaleinsatz aus. Dieses Anlageinstrument wird in aller Regel von spekulativ operierenden Anlegern eingesetzt. Hoher Umsatz von Optionsscheinen weist auf hohe Spekulationsbereitschaft der Anleger hin. Diese Bereitschaft entsteht nur zu Zeiten ausgeprägten Optimismus für weitere Kurssteigerungen.

Gerade dieser Optimismus hat dann jedoch dazu geführt, daß die meisten in Frage kommenden Käufer engagiert sind und in nächster

Zukunft Käufer ausbleiben müssen (Liquiditätsengpaß)

Fazit: Spiegelt ein Indikator Überoptimismus wider, ist die Wahrscheinlichkeit für Rückschläge groß. Der aufgezeigte Indikator Umsatz in Optionsscheinen an der New York Stock Exchange hat sich extrem erhöht. Das Hoch Mitte 1983 (Verkaufssignal) und das Tief Mitte 1984 und im dritten Quartal 1985 (Kaufsignal) zeigen, wie zuverlässig der Indikator funktioniert. Die darüber abgebildete A/O-Linie USA spiegelt den Kursverlauf der Aktien an der New York Stock Exchange (Advancer Decline Line).

Ein Ende der seit Mitte 1982 andauernden Hausse ist jedoch noch nicht in Sicht. Stichwort: fehlende Anlagealternativen! Erst wenn ein kräftiger Zinsanstieg (wahrscheinlich begleitet von einem Wiederaufflackern der Teuerungsrate) das Anlageklima für Wertpapiere verdirbt, gilt es, von Geldwerten auf Sachwerte umzusteigen. Dennoch sollte weiterhin genauestens selektiert werden. Nur wirkliche Qualitätsaktien gehören in ihr Depot. Auch wenn - wie in Deutschland leider noch häufig anzutreffen - sagenhafte Gewinnchancen mit US-Dollaremissionen am Over-the-counter-Markt versprochen werden, sollten Sie auf diese Angebote nicht eingehen. Zu oft ist in der Vergangenheit Mißbrauch mit dem Anlegervertrauen getrieben worden. Auch 10 Prozent sind aufs Jahr gerechnet eine gute Rendite! Engagieren Sie sich deshalb nur in den amtlichen notierten Standardwerten, es sei denn, Sie verfügen über besondere Kenntnisse des Unternehmens.

Es war richtig, bei IBM ( 157 Dollar nicht zusammen mit den Wall-Street-Wölfen zu heulen. Die Preisrückführungen werden zwar kurzfristig leicht rückläufigen Gewinn zur Folge haben; per Saldo führt aber für den an DV-Aktien interessierten Anleger an IBM kein Weg vorbei. Nachdem der Aktienkurs während des gesamten ersten Quartals konsolidiert hat und in dieser Zeit den Kursanstieg im Dow-Jones weitestgehend verpaßte, ist die Akte jetzt erneut angesprungen. An schwachen Tagen Zukäufe vornehmen! Die Gewinnschätzung für IBM wurden auf 12 Dollar pro Aktie zurückgenommen. Der Rückfall des US-Dollars rechtfertigt jedoch Gewinnschätzungen die höher liegen.

Bei 13 Dollar Gewinn pro Aktie ist IBM etwas niedriger als der Durchschnitt in Wall-Street gewertet. Auch wenn man entgegenhält, daß IBM von einem Technologiewert zu einer zyklischen Aktie geworden ist handelt es sich immer noch um ein Unternehmen mit Technologie das an der Börse höher bewertet werden sollte als der Marktdurchschnitt. Hinzu kommt, daß die Kursgewinnverhältnisse in Wall-Street wegen des Zinsrückgangs im Durchschnitt ebenfalls steigen werden. Unter Zugrundelegung eines durchschnittlichen Kursgewinnverhältnisses von 16 bis 18 im Verlauf dieses Jahres und einer IBM Bewertung, die dieses Verhältnis um 10 Prozent übersteigt, könnte der IBM Kurs in der Spitze auf deutlich über 200 US-Dollar steigen. Dies soll keine Prognose sein, ist aber die Beschreibung einer als realistisch zu erachtenden Möglichkeit. Deutsche Anleger könnten jedoch den Kursanstieg der Aktie durch Verluste beim US-Dollar, dessen Kursrückgang sich fortsetzen wird, einbüßen. Deshalb - trotz der zeitlichen Befristung - auf Dollarkaufoptionen setzen. Auf ausreichende Laufzeit zumindest bis ins vierte Quartal 1986 achten!

Wie problematisch es war, Empfehlungen für den Datenverarbeitungsbereich auszusprechen, zeigt Graphik 2. Während der Standard & Poor's Index 500 seit Anfang 1982 von 120 auf jetzt 235 Punkte stieg, konnte sich der Index der Computerwerte innerhalb des Standards & Poor's kaum verbessern. Ursache hierfür war nicht nur die enttäuschende Entwicklung der US-Konjunktur, sondern auch die Übertreibung in der Kursentwicklung der Computeraktien bis Mitte 1983. Trotz der Erholung - auch bei den Halbleiteraktien - während der vergangenen Wochen wäre es weiterhin verkehrt, in zu hohem Depotanteil auf US-Datenverarbeitungsaktien zu setzen. So richtig Empfehlungen etwa für Apple gewesen sind, so schwierig ist es jetzt, neue Favoriten auszumachen.

Burroughs (Dollar) behauptete sich in den vergangenen Jahren immer besser gegen die Konkurrenz von Big Blue. Seitdem W. Michael Blumenthal 1980 den Vorstandsvorsitz übernommen hatte, konnte der Jahresgewinn von 82 Millionen Dollar 1981 auf 248 Milliarden Dollar gesteigert werden. Lediglich im ersten Quartal 1986 gab es einen Gewinneinbruch um 66 Prozent. Wegen der Rationalisierungsbestrebungen der vergangenen Jahre (25 Fertigungsstätten wurden seit 1980 geschlossen) und des großen Investitionsvolumens (285 Millionen Dollar 1985, 310 in diesem Jahr geplant), ist man in Detroit zuversichtlich, diese Scharte auch kurzfristig auswetzen zu können.

In der von IBM dominierten Welt der Mainframe-Systeme versucht sich Burroughs durch besondere Kundennähe und Flexibilität zu behaupten. Mit der Einführung der neuen A-15-Serie, der Antwort von Burroughs auf IBMs 3090, glaubt man in Detroit, bewiesen zu haben, daß man nicht nur in den USA gegen den Konkurrenten IBM, sondern auch international mithalten kann. Die Perspektiven für 1986 werden recht optimistisch eingeschätzt. Dennoch könnte es länger dauern als vermutet, bis sich die Gewinnqualität, die im ersten Quartal nachließ, wieder verbessern läßt. Deshalb ist Burroughs zur Zeit kein Kauf.

American Telephone & Telegraph (The Bell Laboratories) konnte im ersten Quartal 47 Cents (nach 31 Cents im Vorjahresquartal) verdienen. Erfolgreiche Rationalisierung im Personalbereich wurde erstmals wirksam. Hinzu kam ein starkes Wachstum des Telefonverkehrs sowohl in den USA als auch im internationalen Bereich. Die Aktie stieg auf in der Spitze 26 Dollar.

Wang: Tiefpunkt überschritten

Digital Equipment wartete für das erste Quartal ebenfalls mit spektakulärem Gewinn auf. Auch Umsatzwachstum konnte vermeldet werden. Die Gesamtleistung des Unternehmens erhöhte sich um 14 Prozent. Hierbei konnte der Nettoverdienst um 86 Prozent pro Aktie (nach Split) verbessern. 1,32 Dollar waren das Ergebnis für das erste Quartal. Candy Corporation (40 Dollar) war ebenfalls auf der Gewinnerseite. Für das dritte Quartal des laufenden Geschäftsjahres, das mit dem März zu Ende ging, wurden 0,47 Dollar Gewinn pro Aktie nach 1/4 Dollar berichtet. Das Brokerhaus E. F. Hutton schätzt für 1986 einen Gewinn pro Aktie von 2,65 Dollar (nach 2,11 Dollar in 1985).

Wie weit die Börse tatsächlich Entwicklungen vorwegnimmt, zeigt die Gewinnentwicklung bei Texas Instruments. Trotz steigender Kurse wurden für das erste Quartal ein Verlust von 55 Cents pro Aktie bekanntgegeben. Die Bestellungen für die Halbleiterprodukte des Unternehmens zogen an. Auch hat sich nach den Kapazitätsrückführungen der Vergangenheit die Preisqualität verbessert. Durch Rationalisierung könnten im Halbleiterbereich kräftige Kosteneinsparungen durchgesetzt werden. Ob - wie optimistische Wall-Street-Schätzungen lauten - im laufenden Geschäftsjahr allerdings schon 3 Dollar pro Aktie (nach 4,74 Dollar Verlust in 1985) verdient werden können, ist zweifelhaft.

Nach dem 90prozentigen Gewinneinbruch des vergangenen Jahres scheint bei Wang der Tiefpunkt jetzt überschritten zu sein. Zwar haben sich in den vergangenen 6 Monaten (gebrochenes Geschäftsjahr) die Erträge weiter zurückgebildet anziehende Nachfrage, neue Produkte und eine Verbesserung der Kostenstruktur sollten jedoch dazu führen, daß die zweite Hälfte des Geschäftsjahres der Gewinn des krisengeschüttelten Unternehmens wieder ansteigen kann. Im Bereich Büroautomatisation hat sich Wang eine Marktnische erobert. Deutlich zu spüren bekam das Unternehmen jedoch Preiskämpfe im Bereich der Personalcomputer. Hoher Abschreibungsbedarf auf Lagerbestände schmälerte die Gewinne. Die renommierte Schweizer Wirtschaftszeitung "Finanz und Wirtschaft" berichtet, daß Wang angelegentlich einer Pressekonferenz in Zürich durchaus eigene Fehler eingeräumt hat. So wurde jahrelang die Kompatibilität von Wang-Maschinen vernachlässigt. Als schließlich IBM-kompatible Systeme angeboten wurden, konnten erklärte Lieferfristen nicht eingehalten werden.

Das Europageschäft verläuft erfreulich. Das Unternehmen mit dem Absatz am Heimatmarkt noch nicht zufrieden. Für das Geschäftsjahr 85/ 86 erwarten Wall-Street-Analysten einen Gewinn von 80 Millionen Dollar. Damit würde eine Umsatzrentabilität von etwa 3 Prozent erwirtschaftet. Vergleicht man dies mit den Rentabilitätszahlen der "fetten" Jahre (10 Prozent), wird deutlich, mit welchen Strukturproblemen die DV-Branche immer noch zu kämpfen hat. Ob die optimistischen Prognosen des Unternehmens (Konzernumsatz bis in 10 Jahren 25 Milliarden Dollar) eintreffen werden, erscheint zumindest zweifelhaft. Eine Prognose bis ins Jahr 1995 zu wagen, ist gewagt. Um dieses Ziel zu erreichen, müßte sich der Umsatz jährlich um 25 Prozent steigern. Die Aktie (auch in Zürich gehandelt) notiert mit 18 Dollar in der Nähe ihres laufenden Tiefstkurses von 15 Dollar (1985). Dies entspricht einem geschätzten Kurs/Gewinn-Verhältnis von 34.

Noch keine Eile für Neuengagements an den vorsichtiger eingeschätzten europäischen Aktienmärkten. Siemens korrigierte um in der Spitze fast 200 DM (640 DM). Der deutsche Markt sollte seine Konsolidierung noch einige Wochen fortsetzen. Nixdorf (620 DM) hält sich gut oberhalb der charttechnischen Ausbruchslinie von 600 DM. Sollten sich Börsengerüchte über einen Großauftrag eines US-Kaufhauskonzerns für 7 ein Kassier- und Fakturiersystems bewahrheiten, könnte der Kurs noch einmal anziehen.

In Italien und Frankreich sollten Gewinnmitnahmen nicht vergessen werden. Weiterhin billig und während der Hausse des letzten Halbjahres kaum gestiegen: Philips in Amsterdam (60,3 hfl.). Der holländische Markt tendiert zur Zeit lustlos. Die Wahlen am 21. Mai belasten. Es besteht die Möglichkeit, daß die bürgerlich-liberale Regierung von einer bürgerlich/sozialen abgelöst werden wird. Die politische Meinungsbildung sollte genau beobachtet werden. Bei einem politischen Überleben der bürgerlich-liberalen Koalition hat Amsterdam ein erhebliches Nachholpotential, von dem auch Philips im Kurs profitieren sollte.