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08.08.1997 - 

Weltweit mit Elsa-Grafikkarten

Dell drängt ins Geschäft mit NT-Workstations

Wieder einmal hat sich der texanische Direktanbieter ein stark expandierendes Marktsegment ausgesucht. Die führenden Analysten sind sich einig, daß Windows NT bald das untere Segment des Workstation-Marktes dominieren wird. Anwender greifen vor allem aufgrund der gegenüber RISC-basierten Unix-Systemen niedrigeren Preise vermehrt zu Wintel-Lösungen. Clive Longbottom, Analyst bei der Meta Group, prognostiziert: "NT wird schon in den nächsten sechs Monaten den Low-end-Workstation-Markt erobern. Ich erwarte für die kommenden zwölf Monate eine massive Abwanderungsbewegung von Unix in Richtung NT." Die Softwarehersteller portierten bereits jetzt massiv auf das Microsoft-Betriebssystem. Allerdings gebe es auch Einsatzgebiete, in denen NT vorerst nichts erreichen werde: "Vor allem im High-end-Medienmarkt, etwa bei Animationen, werden Echtzeit-Goraud-Shading und andere exklusive Features benötigt. Dies wird auch weiterhin eine Domäne von SGI bleiben."

Die Gartner Group erwartet, daß Unix sich noch bis zum Jahr 2000 gegenüber NT behaupten kann. Darüber hinaus jedoch werde NT für technische Anwendungen die Plattform der Wahl darstellen. Mehr als 90 Prozent der unabhängigen Softwarehäuser würden bis dahin bevorzugt oder ausschließlich für die Microsoft-Intel-Plattform entwickeln. Unix-Workstations sollen dann nur noch High-end-Nischen abdecken und sich untereinander einen Kampf um die obersten fünf Prozent des Marktes liefern. Die Gartner-Auguren erwarten daher bis zum Jahr 2005 auch eine deutliche Konsolidierung des Unix-Marktes und rechnen damit, daß drei oder weniger Anbieter bestehen können.

Vor allem über günstige Preise will die Firma von Gründer und CEO Michael Dell ins Workstation-Geschäft einsteigen. Das schon bei den Servern erfolgreiche Geschäftsmodell soll kopiert werden: "Wir werden unsere Workstations ausgesprochen kostengünstig anbieten, wie wir dies auch mit Servern getan haben", erläutert Kevin Rollins, General Manager für die Amerika-Geschäfte.

Karen Benson, Workstation-Analystin bei Dataquest in Paris, billigt dem Direktanbieter dabei gute Chancen zu: "Bereits im PC-Geschäft arbeitet Dell vor allem mit Großkunden zusammen. Über 80 Prozent der Accounts sind Firmen mit mehr als 500 Angestellten. Diese Basis läßt sich natürlich hervorragend als Ansprechbasis für Marketing-Maßnahmen nutzen."

Neben dem direkten Vertriebsmodell setzt Dell auf Partnerschaften mit Software-Anbietern. Der Hersteller mit deutscher Niederlassung im hessischen Langen hält den neuen Markt für grundlegend anders strukturiert als das herkömmliche PC-Geschäft. "Der Markt für Workstations ist vor allem applikationsabhängig, die Hardware muß für spezielle Anwendungen optimiert werden", erläutert Charles Tebbs, als Marketing-Manager in Europa für die neuen Workstations zuständig. Deshalb kooperiert Dell im Bereich Mechanical Computer Aided Design (MCAD) unter anderem mit Parametric Technology, Autodesk, Bentley, Das- sault Systemes SA und EDS Unigraphics. Im Bereich Finanzdienstleistungen sollen Allianzen mit Reuters/Tibco, Neovision, Mathwork sowie System Programming und Network Computing das Angebot ergänzen. Neben den genannten Anwendungsbereichen positioniert der Direktanbieter seine Workstations auch für das Software-Engineering.

Dell legt nach eigenen Angaben großen Wert auf eine nahtlose Integration seiner NT-Systeme in Umgebungen, die vor allem RISC- Unix-basierte Maschinen einsetzen. Durch die enge Kooperation mit Anbietern wie Netmanage will Dell sicherstellen, daß beide Plattformen problemlos in heterogenen Umgebungen harmonieren.

Meta-Group-Analyst Long- bottom bescheinigt den Entwicklern in Round Rock gute Arbeit: "Die neuen Workstations sind eigenständige Entwicklungen und nicht einfach nur High-end-PCs. Die Glint-Grafikkarte, die Dual-Pentium-II-Konfiguration oder etwa das aktive Kühlsystem für die Ableitung der Prozessorabwärme stellen sicher, daß die neuen Systeme im unteren Bereich des Workstation-Markts konkurrenzfähig sind. Sie werden zwar Silicon Graphics nicht wehtun - SGI wird sie vermutlich gar nicht bemerken - und Sun nur am Rande treffen, aber mit Compaq, IBM und HP können sie sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern." Nicht ganz so optimistisch urteilt Karen Benson von Dataquest: "Ich glaube nicht, daß wir Innovationen von Dell erwarten können - das Unternehmen wird gute Main- stream-Produkte zu günstigen Preisen anbieten." Dell habe, gemessen an Konkurrenten wie IBM oder der Digital Equipment Corp., nicht den technischen Background, um vergleichbare Systeme liefern zu können.

Mit der "Workstation 400" eröffnet Dell den Preiskampf im NT-Workstation-Geschäft. Das System enthält als Herzstück Intels Pentium-II-CPU mit 266 beziehungsweise 300 Megahertz Taktfrequenz. Es ist als Einzel- oder Dual-Prozessor-Konfiguration erhältlich. Eine Einstiegsvariante mit einer 266-Megahertz-CPU, 64 MB Arbeitsspeicher in Error-Correcting-Code-(ECC-) Ausführung, einer 3,2-GB-EIDE-Festplatte, einer "Millenium"-Grafikkarte von Matrox mit 4 MB Bildspeicher sowie einem EIDE-CD-ROM-Laufwerk mit 24facher Standardgeschwindigkeit kostet knapp 7500 Mark. Im Preis ist bereits ein 17-Zoll-Monitor enthalten.

Für rund 17000 Mark erhalten anspruchsvollere Kunden eine Ausstattungsvariante mit zwei 300-Megahertz-Pentium-II-CPUs, 128 MB ECC-Hauptspeicher, ei-ne Ultrawide-SCSI-Platte mit 4 GB Kapazität und ein SCSI-CD-ROM-Laufwerk mit achtfacher Standardgeschwindigkeit sowie Elsas "Gloria-L/MX"-3D-Grafikbeschleuniger mit insgesamt 16 MB Bildspeicher.

Überhaupt darf sich der Aachener Telekommunikations- und Grafikkartenspezialist Elsa freuen: Weltweit setzt Dell bei Kunden, die auf Hochleistung bei Open GL, Autodesks "Heidi" und Direct 3D besonderen Wert legen, auf dessen Gloria-Karten. Diese bieten einen dedizierten Grafikprozessor und je 8 MB für Frame Buffering und Texturen. Alternativ steht der "Jeronimo-J2"-Grafikadapter zur Auswahl, der Dual-Monitor-Systeme unterstützt und laut Anbieter damit vor allem für den Einsatz bei Finanzdienstleistungen zugeschnitten ist. Der 64-Bit-Beschleuniger ermöglicht eine Auflösung von bis zu 3200 x 1200 Bildpunkten.