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19.09.2006

Dell entdeckt neue Tugenden

Der angeschlagene Hersteller bereitet einen Strategiewechsel vor: Künftig wird in das Design der Computer investiert.

Viele Investoren sind vergrätzt, die Börsenaufsicht ermittelt, Finanzberichte verzögern sich, Gewinne schmelzen, die Einnahmen wachsen nur langsam, der CEO steht in der Kritik, dem Rivalen Hewlett-Packard geht es wieder besser, und zudem müssen 4,1 Millionen fehlerhafte Notebook-Akkus ausgetauscht werden: Das Jahr 2006 wird Firmengründer Michael Dell lange Zeit in schlechter Erinnerung bleiben. Seine bitterste Erfahrung ist dass Kunden auf Dauer nicht mit Details zu schlanken Lieferketten zu begeistern sind.

Aus Dell wird Dell 2.0

Daher bemüht sich das Management derzeit mit Nachdruck, die Krise einzudämmen. Helfen soll die Renovierung des angekratzten Konzern-Images. Unter dem Schlagwort "Dell 2.0" - in Anlehnung an das seit Jahren allgegenwärtige "Web 2.0" - gelobt der Kistenschieber Besserung. Einerseits will Dell Fabriken in Wachstumsmärkten (Brasilien, Indien, Polen) aus dem Boden stampfen, andererseits soll mehr Nachdruck auf das Design gelegt werden, verkündete CEO Kevin Rollins vergangene Woche auf einer Technologiekonferenz.

"Wir haben 22 Jahre damit verbracht, dem Geschäftsmodell von Dell zu folgen", sagte Rollins, "doch die Märkte haben sich verändert und mit ihnen die Bedürfnisse und Vorlieben der Kunden." Jeder Aspekt des Geschäftsmodells stehe nun auf dem Prüfstand, angefangen von der Lieferkette und dem Design der Rechner über den Kundendienst bis hin zum Support. Der Plan sieht etwa vor, bis Ende des Jahres ein Team von 60 Designern zusammenzustellen, die das Aussehen und die Benutzerfreundlichkeit der Geräte verbessern sollen. Die Konzentration auf Preise und Leistungsmerkmale muss vorerst ins zweite Glied zurücktreten.

Kampf gegen Vorurteile

Die Entdeckung des Designs durch Dell ist ein erster Schritt. Allerdings muss sich der Konzern auf einen Marathon einstellen, denn Vorurteile in den Köpfen der Kunden lassen sich nicht über Nacht auflösen. Auch Apple ist nicht erst seit der Erfindung des "iPod" als Anbieter von optisch höherwertigen Rechnern bekannt. Zudem hat Dell ein spezielles Problem: Rund 80 Prozent seines Geschäfts macht der Konzern mit Unternehmenskunden. Hier spielt Design keine große Rolle bei der Investitionsentscheidung.

Im Frühjahr dieses Jahres sagte Michael Dell gegenüber europäischen Journalisten, dass eine Spaltung des Konzerns in eine Unternehmens- sowie eine Consumer-Marke nicht zur Diskussion steht. Dass die Konzernspitze ihre Meinung unter Druck auch mal ändert, zeigt die jüngste Annäherung an AMD. Mit dem Intel-Rivalen war zuvor eine Zusammenarbeit ausgeschlossen. (ajf)