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30.01.2004 - 

Erste Eindrücke vom Powerconnect-6024-Switch

Dell greift Cisco und Co. an

MÜNCHEN (IDG) - Mit zwei neuen Gigabit-Ethernet-Switches versucht Dell, in der Netzwerk-Oberliga Fuß zu fassen und Playern wie Cisco Konkurrenz zu machen. Die Layer-3-Switches positioniert der PC-Bauer für den Kernbereich der Unternehmensnetze. Im Testlabor stellten die "Powerconnect"- Switches ihre Talente unter Beweis.

Als PC-Gigant Dell 2001 mit dem Verkauf von Netzequipment begann, hatte der texanische Hersteller lediglich einfache Layer-2-Switches im Programm. Etablierte Anbieter wie Cisco, Nortel oder 3Com sahen denn auch dem Herausforderer gelassen entgegen, da sie ihr Geld mit großen Chassis-gestützten Layer-3-Switches verdienten. Eine Marktteilung, die Dells neue Switches "Powerconnect 6024" und "6024 F" auf den Kopf stellen dürften. Mit den rund 3500 Dollar teuren Produkten zielt Dell auf Rechenzentren sowie Enterprise LANs mittlerer Größe - also eine klassische Domäne von Cisco und Co.

Um sich gegenüber den etablierten Konkurrenten zu behaupten, setzt Dell bei seiner jüngsten Switch-Reihe auf eine Kombination aus attraktivem Preis und umfassender Ausstattung. Die 6024-Modelle verfügen über Features, die bei anderen Herstellern oft erst in den deutlich teureren Chassis-basierten Switches zu finden sind. So attestiert das IDG-Testcenter dem 6024, alle wesentlichen Merkmale gängiger Layer-3-Switches zu besitzen. Jedoch mit dem Unterschied, dass der Powerconnect einige hundert bis tausend Dollar günstiger ist als die Konkurrenzmodelle.

Anschlussvarianten

Der Powerconnect 6024 ist als echter Layer-3-Switch ausgelegt und mit 24 nutzbaren Gigabit-Ethernet-Anschlüssen in zwei Konfigurationen erhältlich. Beide Varianten besitzen 24 Ports, wobei acht davon als Kupfer- oder Glasfaseranschlüsse ausgeführt sind. Der 6024 F, die Glasfaserversion des Switches, verfügt über 24 Anschlüsse im SFP-Format (Small Form-factor Plugable) sowie acht Gigabit-Ports für herkömmliche Twisted-Pair-Kabel. Von diesen insgesamt 32 Anschlüssen lassen sich allerdings nur 24 gleichzeitig nutzen. Die Modellvariante für Kupferkabel hat 24 Kupferanschlüsse sowie acht SFP-Ports, wobei hier die gleichen Nutzungseinschränkungen wie bei der Glasfaserausführung gelten. Neben den interessanten Kombinationsmöglichkeiten zur Vernetzung, die sich aus den 32 Anschlüssen ergeben, überzeugte der 6024 im Testlabor mit einem Datendurchsatz von 35,6 Millionen Paketen pro Sekunde.

Protokollunterstützung

Keine größere Blöße gab sich der Dell-Switch bei den Features, die auf Enterprise-Networking-Ebene nachgefragt werden. So unterstützt der Powerconnect bis zu 4096 Virtual LANs (VLANs). Ferner beherrscht er die wichtigsten Protokolle wie OSPF, das Routing Information Protocol (RIP), das Distance Vector Multicast Routing Protocol (DVMRP) sowie das Virtual Router Redundancy Protocol (VRRP) und das Link Aggregation Control Protocol (LACP). Im Fehlerfall hilft die Full-Spanning-Tree-Funktion inklusive dem Rapid Spanning Tree bei der Wiederherstellung der Verbindung.

Diesen ingesamt positiven Eindruck trübt jedoch ein Manko: Dells Switch unterstützt nicht das Cisco Discovery Protocol beziehungsweise dessen offizielle standardisierte Variante, das Link Layer Discovery Protocol (LLDP 802.1ab). Überspitzt formuliert, ist der 6024 dadurch blind im Netz, weil er andere vorhandene Switches nicht erkennt. Eine Einschränkung, die das Netzwerk-Management unnötig erschwert. Auf Seiten von Dell ist man sich dieser Schwachstelle durchaus bewusst und verspricht, die LLDP-Unterstützung mit einem Firmware-Upgrade nachzureichen.

Ebenfalls mit Einschränkungen muss der Anwender bei den Access Control Lists (ACLs) auf Layer-4-Ebene leben. Zwar können die ACLs mit einem physikalischen Port oder einem VLAN-Interface verbunden werden sowie Ports aggregieren, doch dies gilt nur für den eingehenden Verkehr. Einschränkungen zeigen sich ferner bei der Konfiguration der Quality of Services (QoS), denn der 6024 unterstützt nur acht Prioritätsklassen. Dafür gestaltet sich die Konfiguration der Klassen im Vergleich zu den Produkten anderer Hersteller relativ einfach. Schön gelöst hat Dell auch die VLAN-Konfiguration beim 6024. Der Anwender muss lediglich eine VLAN-Nummer vergeben, dem Interface eine IP-Adresse zuweisen und diesen Anschluss einem VLAN zuordnen. Voilà.

Ein auf den ersten Blick unbedeutendes Detail, aber in der Praxis sehr nützliches Feature ist der Ethernet-Management-Port, den der Switch zusätzlich zum üblichen seriellen Anschluss besitzt. Betreiber größerer Enterprise Networks sind so in der Lage, neben dem eigentlichen Produktivnetz dedizierte Management-Netze aufzubauen. Ebenfalls in den Bereich "nice to have" gehört ein anderes Ausstattungsmerkmal: der integrierte Kabeltester des 6024, mit dem Leitungen auf ihre Länge und mögliche Fehler überprüft werden können. Bedient wird der Kabeltester über das Web-Interface oder das Command Line Interface (CLI) des Switches.

Darüber, ob Dells Implementierung des CLI gelungen ist oder nicht, lässt sich trefflich streiten. Während die einen wahrscheinlich die starke Orientierung an Ciscos Betriebssystem IOS schätzen werden, dürfte dies andere im Alltag ärgern. Die Dell-Syntax weist zwar eine sehr enge Verwandschaft zu Ciscos IOS-Befehlssatz auf, weicht teilweise aber um einen Buchstaben ab. Feine Unterschiede, die besonders Administratoren in gemischten Umgebungen anfangs zur Verzweiflung treiben dürften, da hier Verwechslungen drohen.

Ein anderer Punkt, in dem sich der 6024 und auch Dells Geräte der 3300er Baureihe positiv von den Angeboten der Konkurrenz abheben, ist der kostenlos mitgelieferte "Openmanage Network Manager". Über diese Oberfläche können Administratoren die Dell-Produkte verwalten. Das kostenlose Tool erlaubt beispielsweise die gleichzeitige Einrichtung mehrerer Switches im Push-Verfahren, gibt Überblick über die Netztopologie und archiviert die Konfigurationsdateien. Für Systembetreuer, die ausgefeiltere Konfigurationsoptionen in Sachen VLAN, ACLs oder QoS benötigen, liefert Dell das Werkzeug noch in einer 4995 Dollar teuren Advanced Edition. (hi)

Pro und Kontra

Dell Powerconnect 6024

+ Günstiger Layer-3-Switch für den Einsatz im Enterprise Network;

+ flexibel verwendbar durch 32 Anschlussvarianten;

+ performante Backplane;

+ interessante Detaillösungen wie Ethernet-Port für Netz-Management;

+ integrierte Leitungsüberprüfung;

+ kostenloses Netzwerk-Management-Tool.

- Von 32 Anschlüssen lassen sich nur 24 Ports gleichzeitig nutzen;

- keine Unterstützung des Link Layer Discovery Protocol;

- gewöhnungsbedürftiges Command Line Interface;

- etliche Features weisen im Detail störende Einschränkungen bei den Konfigurationsmöglichkeiten auf;

- ausgefeilteres Management-Tool für VLAN, QoS etc. kostet rund 4500 Dollar Aufpreis.

Labortest belegt günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis

Insgesamt schlug sich Dells erster Core-Switch im Labor wacker und bewies mit Transferraten um 960 Mbit/s unter TCP seine Talente als performanter Switch. Der im Vergleich zur Konkurrenz günstige Preis lässt dann auch einige Schwächen wie die fehlende LLDP-Unterstützung oder die Einschränkung, dass sich beispielsweise DHCP-Dienste nicht für jedes VLAN einzeln einstellen lassen, verschmerzen.

Ob der 6024 sich endgültig mit der etablierten Konkurrenz von Cisco und anderen messen kann, wird sich erst im langfristigen Alltagsbetrieb erweisen. Zumindest eines zeigen die Labortests: Die Entwickler haben dem Powerconnect 6024 die wesentlichen Features für den Einsatz im Enterprise Network in die Wiege gelegt.

Während der Powerconnect 6024 in den USA ab Februar erhältlich ist, stand bis Redaktionsschluss für Deutschland noch kein Auslieferungstermin fest.