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22.08.2006

Dell macht schwere Zeiten durch

Dell weht der Wind ins Gesicht: enttäuschende Geschäftszahlen, Untersuchungen der US-Börsenaufsicht und die Aktie im freien Fall.
Der Wert der Dell-Aktie hatte sich innerhalb von zwölf Monaten halbiert.
Der Wert der Dell-Aktie hatte sich innerhalb von zwölf Monaten halbiert.

Der weltgrößte PC-Hersteller Dell hat in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres 2006/2007 einen scharfen Gewinneinbruch erlebt. Gleichzeitig gab das Unternehmen bekannt, dass die amerikanische Börsenaufsicht seit August 2005 eine "informelle" Untersuchung des Unternehmens durchführt. Bislang gibt es nur wenige Details zu den Hintergründen. Das Unternehmen mit Sitz im texanischen Round Rock erklärte lediglich, die Behörde wolle von Dell Informationen über Umsatzrechnungen und andere Bilanz- und Finanzausweise haben.

Gewinn sackt ab

Negative Schlagzeilen bescherte dem PC-Marktführer auch die zuletzt schwachen Geschäftszahlen. Der Gewinn sackte in dem am 4. August 2006 beendeten Dreimonatsabschnitt gegenüber der entsprechenden Vorjahresperiode um 51 Prozent auf 502 Millionen Dollar oder 22 (Vorjahresvergleichszeit: 41) Cent je Aktie ab. Der Umsatz erhöhte sich um fünf Prozent auf 14,1 Milliarden Dollar. Dell setzte in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres 28,3 Milliarden Dollar um oder sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Der Halbjahresgewinn fiel scharf auf 1,3 (2,0) Milliarden Dollar oder 55 (78) Cent je Aktie.

Die schwachen Dell-Ergebnisse standen in krassem Gegensatz zu der guten Gewinnentwicklung beim Hauptkonkurrenten Hewlett-Packard, der seine Quartalsergebnisse einen Tag zuvor vorgelegt hatte (siehe Seite 9).

Dell-Konzernchef Kevin Rollins war über die Quartalsergebnisse "enttäuscht". Man unternehme Schritte, um Fehlentwicklungen zu korrigieren und die Resultate langfristig zu verbessern. Rollins will die Kosten senken, mehr Geld in den Service stecken und ein besseres Preis-Management betreiben.

Stückzahlen sinken

Dell plant ferner, verstärkt PCs und Server mit Chips des Intel-Konkurrenten AMD anzubieten. Erstmals im Mai 2006 kündigte der PC-Hersteller die exklusive Kooperation mit Intel auf - zunächst für Servermodelle, zwei Wochen später auch für PCs.

Dells Geschäftsbericht gibt klare Hinweise darauf,wo die Probleme im Detail liegen: Entgegen der Aussage von Firmenchef Rollins hat der Anbieter nicht nur einen Umsatzrückgang bei PCs - dem wichtigsten Produktsegment des Unternehmens - hinnehmen müssen. Vielmehr sanken im zweiten Quartal 2006 auch die Stückzahlen verkaufter Desktop- und Mobilrechner um ein, gegenüber dem ersten Quartal 2006 sogar um sechs Prozent.

Unausgewogene Produktpalette

Zudem weist das Unternehmen in seinen Produktlinien ein starkes Übergewicht bei Desktops, Notebooks und Workstations aus - genau den Segmenten, die in punkto Umsatz- und Stückzahlen rückläufig sind. Mit diesen Rechnerkategorien erwirtschaftet Dell rund 61 Prozent seiner gesamten Einnahmen. Zu den Mobilsystemen zählt der Hersteller zwar auch die "Axim"-Handhelds und MP3-Abspielgeräte. Diese spielen im internationalen Herstellervergleich jedoch keine Rolle. So führt etwa Gartner bei der Untersuchung der weltweiten Marktanteile zu Personal Digital Assistants (PDAs) RIM, Palm, HP, Mio Technology und Nokia an der Spitze auf, Dell verschwindet in der Rangfolge hingegen in der Rubrik "Andere".

Auf Server entfällt ein Umsatzanteil von nur 9,9 Prozent. Peripherie-Systeme wie Drucker, TVs, Displays etc. tragen mit 15,6 Prozent zum Umsatz bei. Erfreulich aus Dells Sicht ist lediglich die Entwicklung bei den so genannten Enhanced Services. Deren Umsatz stieg im Jahresvergleich um 21 Prozent an, trug zum Gesamtumsatz aber ebenfalls nur 9,9 Prozent bei. Um 36 Prozent und damit satt angestiegen ist der Umsatz mit Speichersystemen. Allerdings machen sie nur 3,5 Prozent des Dell-Ergebnisses aus.

Geografisch nicht ausbalanciert

Und auch die Umsatzverteilung auf die geografischen Regionen ist wenig ausbalanciert. Aus Amerika (=Nord- und Lateinamerika) stammt 64,5 Prozent des Erlöses, aus dem Wachstumsmarkt Asien-Pazifik lediglich 13,5 Prozent. Europa trägt lediglich zu 21,3 Prozent zum Ergebnis bei.

Zu allem Übel muss Dell auch noch 4,1 Millionen Notebooks mit fehlerhaften Akkus zurückrufen und reparieren. Wie hoch diese Kosten sein werden, lässt sich noch nicht sagen. Dem Image bekommt diese Meldung nicht, insbesondere, da dieses Missgeschick dem Unternehmen bereits mehrmals unterlief. (jm)