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23.08.2002 - 

Manager Schädel: "Die HP-Compaq-Fusion war für uns positiv"

Dell trotzt dem Trend und gewinnt Marktanteile

MÜNCHEN (jm) - Direktanbieter Dell hat das zweite Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2002/03 mit einem Nettogewinn von 501 Millionen Dollar oder 19 Cent pro Aktie abgeschlossen, eine Steigerung im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres von sechs Prozent. Der Umsatz betrug 8,5 Milliarden Dollar. Das sind elf Prozent mehr als im Geschäftsjahr 2001/02. Jetzt plant das Unternehmen, in das Geschäft mit Handhelds und Druckern einzusteigen.

Sein Selbstbewusstsein konnte Mathias Schädel bei Bekanntgabe der Zahlen vor der Presse kaum im Zaum halten. Dem Vice President and General Manager Central Europe von Dell war deutlich anzumerken, wie sehr ihm die Sonderrolle der eigenen Firma in der darniederliegenden IT-Branche zupass kommt. So wurde er denn auch nicht müde, die eigenen positiven Wirtschaftsdaten den wenig erfreulichen Ergebnissen der Konkurrenz gegenüberzustellen. Gleichzeitig verkündete Schädel noch etwas verklausuliert, was nachfolgende Nachrichten aus dem Hause Dell dann bestätigten: Um Umsatz und Gewinn weiter zu befördern, werden die Texaner nach Aussagen des Firmengründers Michael Dell jetzt auch Handhelds und Drucker in ihr Produktangebot aufnehmen und mit dem eigenen Logo vertreiben.

Außerdem plant Dell, sich auf einem Gebiet zu versuchen, das seinem Direktvertriebsmodell zuwiderläuft: In den USA will man über Händler eine No-Name-Produktlinie anbieten. Dort können die Anbieter "namenloser" Rechner immerhin 30 Prozent Marktanteile für sich verbuchen. Hiervon will Dell sich jetzt einen Teil abzweigen.

Schädel machte keine detaillierten Angaben zum europäischen und deutschen Geschäftsverlauf. Allerdings bestätigte er, dass ihn die Zahlen für Europa noch optimistischer stimmten als die für den weltweiten Bereich. Das Wachstum auf dem alten Kontinent liege über dem globalen Durchschnitt.

Dell sei in Deutschland um 17 Prozent gewachsen, der Gesamtmarkt um 0,5 Prozent geschrumpft. Habe sein Unternehmen hierzulande, über alle Systemlinien gerechnet, an Marktanteilen um16,6 Prozent zugelegt, hätten laut IDC die härtesten Konkurrenten erheblich verloren: Fujitsu-Siemens Computers (FSC) büßte 19,2 Prozent Marktanteile ein, das fusionierte HP/Compaq (HP neu) immerhin noch 16,4 Prozent.

Im umsatz- und gewinnträchtigsten Einzelsegment, dem der Server, liegt HP neu nach Stückzahlen mit einem Marktanteil von 36,8 Prozent in Deutschland klar an erster Stelle. Zweiter ist FSC (23,7 Prozent). Mit weitem Abstand folgt Dell auf Position drei (12,8 Prozent) noch vor IBM (11,9 Prozent). Aber sowohl HP neu (minus 23,9 Prozent) als auch FSC (minus 4,2 Prozent) verloren laut IDC vom ersten zum zweiten Quartal 2002 erhebliche Marktanteile. Dell hingegen legte um 31,6 Prozent zu.

Optimistisch in die Zukunft

Schädel sagte, Dell peile für die Zukunft an, den Umsatzanteil für Enterprise-Produkte und Dienstleistungen am Gesamterlös des Unternehmens auf 50 Prozent zu steigern. Das ist ein ehrgeiziges Vorhaben, erwirtschaftet Dell mit seinen Standard-Servern (Intel) momentan doch lediglich 20 Prozent des Gesamtumsatzes, hingegen 52 Prozent mit Desktops und 28 Prozent mit tragbaren Rechnern.

Schädel blickte optimistisch in die Zukunft. Dell erwarte für das dritte Geschäftsquartal einen Umsatz von 8,9 Milliarden Dollar. Im Jahresvergleich entspricht das einer Steigerung von 19 Prozent. Der Gewinn dürfte sich, so der Manager weiter, bei 20 bis 21 Cent pro Aktie einpendeln, ein Profitwachstum gegenüber dem Vergleichsvierteljahr von 2001/02 von 25 bis 30 Prozent. Die Analysten hatten laut First Call/Thomson Financial bisher Einnahmen von 8,56 Milliarden Dollar und 20 Cent Profit je Anteilschein erwartet.

Wie geruhsam Dell auf der Woge des Erfolgs schwimmt, zeigt auch die Steigerung der Betriebshandelsspanne (Gross Margin): Gegenüber dem Vorquartal (Ende: 3. Mai 2002) stieg sie für das Unternehmen weltweit von 17,2 auf 17,9 Prozent. In einem schwierigen Markt konnte Dell auch dank Kostensenkungsmaßnahmen seine Bruttomarge also noch einmal um rund 4,1 Prozent steigern.

Problematisch allerdings ist die ungewöhnlich starke Ausrichtung des Geschäfts auf die USA: 73 Prozent des gesamten Umsatzes erwirtschaftet der Direktanbieter in dieser Region. Europa (18 Prozent) und Asien (neun Prozent) tragen anders als bei nahezu allen anderen international ausgerichteten IT-Herstellern wesentlich weniger zum Gesamterfolg bei. Die Abhängigkeit vom US-amerikanischen Markt hat sich im vergangenen Quartal prozentual sogar noch leicht erhöht. Der Firmen wie etwa Fujitsu-Siemens gern gemachte Vorwurf, sie hätten ihr Geschäft nicht erfolgreich internationalisiert, muss bei diesen Zahlen auch für Dell gelten.

Die positiven Quartalsergebnisse resultieren denn auch vor allem aus einem starken US-Geschäft und erfolgreichen Kostensenkungen. Im Vorjahresquartal hatte Dell einen Nettoverlust von 101 Millionen Dollar oder vier Cent je Anteilschein gemeldet. Damals drückten allerdings Sonderbelastungen von 742 Millionen Dollar vor Steuern auf das Ergebnis.

Firmenchef Michael Dell visiert Einsparungen von einer Milliarde Dollar an. Schädel wollte nicht erklären, wie das erreicht werden soll. Er sprach lediglich von Maßnahmen, die alle Mitarbeiter inklusive des Managements befähigen sollen, vorhandene Technologie noch ökonomischer zum Vorteil des Unternehmens zu nutzen. Zudem sollen die Kundenbeziehungen weiter verbessert werden. Mitarbeiterentlassungen werde es aber nicht geben. Im Gegenteil habe Dell in diesem Jahr allein in Deutschland die Belegschaft um rund zehn Prozent (700 Mitarbeiter) aufgestockt.

Eine Milliarde Dollar sparen

Der Krise der PC-Industrie trotzte Dell einmal mehr mit einem 18-prozentigen Wachstum der ausgelieferten Stückzahlen - der Rest der Branche kann davon nur träumen. In den USA legte Dell um 23 Prozent zu, vor allem bei Heim-PCs sowie im Bildungssektor und dem Geschäft mit der öffentlichen Hand.

Michael Dell erklärte, der US-PC-Markt setze seine langsame Erholung fort. Gleichzeitig steigere Dell sein Geschäft mit den margenträchtigeren Servern und Storage-Systemen, was die Aussichten des Unternehmens verbessere. Für das dritte Quartal rechnet Dell mit guten Geschäften mit Heimanwendern und Behörden sowie in der Region Europa. Die ausgelieferten Stückzahlen sollen gegenüber dem Vorjahresquartal um 22 Prozent steigen.

Finanzchef James Schneider sagte, die operativen Kosten seien nach 10,3 Prozent vom Umsatz nun auf 9,9 Prozent gefallen und sollten im Verlauf des Jahres noch weiter sinken. Schädel machte aus der Tatsache, dass Dell im Vergleich zur Konkurrenz wenig für Forschung und Entwicklung ausgibt, eine Tugend: "Wir nutzen ausschließlich Standardsysteme und lehnen proprietäre Entwicklungen grundsätzlich ab." Lediglich 1,3 Prozent des Nettoumsatzes spendiert Dell seinen Forschern, also 110,5 Millionen Dollar. IBM finanziert seine Grundlagenforschung mit 1,3 Milliarden Dollar. Das sind rund 6,25 Prozent des gesamten Umsatzes.

Bald die Nummer eins?

Schädel kommentierte die Kostenstruktur des eigenen Unternehmens mit selbstbewussten Seitenhieben auf die Konkurrenz. Dells Betriebsausgaben lägen unter zehn Prozent. "Alle anderen Hersteller wie etwa auch HP neu rangieren bei den Betriebsausgaben über 20 Prozent. EMC und Sun Microsystems kommen sogar auf über 40 Prozent."

Setzt sich Dells Erfolg fort, dürfte das Unternehmen bald statt HP neu der größte PC-Hersteller weltweit sein. IDC schätzt, dass Dell im zweiten Kalenderquartal in einem ansonsten stagnierenden Markt seine Stückzahlen um 16 Prozent steigern konnte und auf einen weltweiten Marktanteil von 14,8 Prozent kam - HP liegt mit 15,1 Prozent in unmittelbarer Reichweite. "Sie nehmen allen Wettbewerbern Umsatz ab, und es sieht nicht danach aus, als ob sich das ändern würde", konstatiert Barry Jaruzelski, Analyst bei Booz Allen Hamilton.

Kein Dumping

Schädel wollte den Eindruck vermeiden, Dell kaufe sich Marktanteile durch Preisdumping: "Wir geben nur Preisvorteile aggressiv weiter." Er verwies allerdings darauf, dass wegen des bekannten direkten Geschäftsmodells der durchschnittliche Preis eines Dell-Rechners mit 1770 Dollar erheblich niedriger sei als vergleichbare Systeme der Konkurrenten.

Schädel unterließ es nicht, insbesondere gegen HP neu zu sticheln: Nach der Fusion der Corporation müsse die Zusammenführung der beiden Firmen etwa in Deutschland wegen der schärferen arbeitsrechtlichen Bestimmungen erst noch bewältigt werden. Bei Kunden herrsche deshalb momentan noch einige Unklarheit darüber, welcher Vertriebsmann denn nun das Sagen habe: der von HP alt oder der des ehemaligen Compaq-Unternehmens.

Zum Schluss sagte Schädel, für Dell gebe es überhaupt keinen Grund, seine Geschäftsstrategie und sein Angebot zu verändern, also etwa stark in das Beratungs- und Servicegeschäft einzusteigen. "Wir agieren aus einer Position der Stärke und sehen deshalb keine Veranlassung, unsere Strategie zu verändern."