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27.11.1974

Delphi-Prognosen für die kommende Datenfernverarbeitung

Während man in der BRD noch um die Postgebühren rangelt, während die Datenfernübertragungspläne der Bundespost nur im Schneckentempo vorankommen und wahrend die neue Verordnung über das öffentliche Direktrufnetz die künftigen Benutzer empfindlich einengt, hoffen DFÜ-Experten und Futurologen dennoch auf rosige Zeiten für die Datenübertragung in Europa. Die Entwicklungsmöglichkeiten hängen allerdings von technischen, organisatorischen und gebührenpolitischen Voraussetzungen ab, die beizeiten zu schaffen wären.

Eine diesbezügliche Studie wurde von der IBM World Trade Corporation vor einem Jahr abgeschlossen. Befragt wurden über 100 DV-Spezialisten, Futorologen, Nachrichtentechniker und Soziologen aus 19 europäischen Ländern. Dabei wurde nach Delphi-Methode der Fragebogen den Experten mehrmals vorgelegt, jeweils mit den Mittelwert-Ergebnissen des letzten Durchgangs. Ein iteratives Verfahren zur Entscheidungsfindung.

Die Umfrage diente dem weck, Informationen zu sammeln über die im Zeitraum 1975 bis 1985 benötigten Dienstleistungen und Einrichtungen für die Datenübertragung. Als Nebeneffekt hofft man sicher darauf, die europäischen Postverwaltungen zu einem schnelleren gemeinsamen Vorgehen bewegen zu können. Computerwoche bringt Auszüge aus dieser Studie.

Die bisher zur Übertragung eingesetzten Fernmeldeeinrichtungen werden auch 1985 noch vorhanden sein, doch wird ihr Anteil von heute 99 Prozent auf 72 Prozent absinken (Mietleitungen Fernsprechwählnetze von 33 auf 28 Prozent, Telegrafie- und Fernschreibnetze von 23 auf 11 Prozent und Privatleitungen gleichbleibend auf 11 Prozent).

Die Experten setzen dabei allerdings folgende Funktionen voraus: Möglichkeit der Rufwiederholung und der Kurzwahl, Vorrichtungen für Codeumwandlung und Kennungsverarbeitung, mehrfach zu benutzende Kanäle zwischen Netz und Zentraleeinheit sowie Fehlerkorrektureinrichtungen. Die Übertragungsgeschwindigkeiten unter 600 Bit/s werden bis 1985 anteilsmäßig von 58 auf 41 Prozent sinken. 80 Prozent aller Fernschreiber werden dann schneller arbeiten (mit 200 Bit/s statt wie bisher mit 50 Bit/s).

Geschwindigkeiten zwischen 600 und 9600 Bit/s werden, ausgelöst durch Bildschirme, Schnelldrucker und "intelligente" Terminalls, von 40 auf 48 Prozent ansteigen. Geschwindigkeiten ober 9600 Bit/s steigen von 2 auf 11 Prozent. Diese Zunahme ergibt sich aus der direkten Verbindung von Zentraleinheiten untereinander, aus dem steigenden Einsatz von Konzentratoren und Multiplexoren sowie aus der Notwendigkeit, häufiger umfangreiche Dateien zu übertragen. Diese hohen Geschwindigkeiten sind allerdings nur bei zirka fünf Prozent aller EDV-Anlagen zu erwarten.

Die Zukunft der Anwendungen hängt davon ab, ob es gelingen wird, neue oder verbesserte Einrichtungen zu schaffen, die für einen verstärkten Einsatz der Systeme wichtig sind. Nahezu bei jeder Anwendung waren über die Hälfte der DFÜ-Experten der Meinung, es müsse in dieser Richtung mehr getan werden (siehe Tabelle).

Zunächst fordern die Fachleute technische Verbesserungen wie kürzere Schaltzeiten und größere Übertragungsgeschwindigkeiten im Wählnetz, Videobandbreiten von über einem Megahertz für hohe Schrittgeschwindigkeiten und Anschlußmöglichkeiten für nicht ortsgebundene Datenstationen. Außerdem müsse die Betriebssicherheit der Einrichtungen (und damit die Sicherheit der Anwendungen) verbessert werden. Auch die Geräte für die Datenverarbeitung müßten technisch weiterentwickelt wenn den. Das wird nur gelingen, wenn die Postverwaltungen nicht durch sture Verordnungen die Initiative der Hardwareanbieter unterbinden.

Auch wären organisatorische Maßnahmen durchzuführen, wie das Erarbeiten allgemeingültiger Standards und das klare Definieren von Schnittstellen zwischen Verarbeitung und Übertragung - und zwar nicht nur auf der Ebene von Unternehmungen und Regierungen, sondern auch in übernationaler Sicht.

Schließlich fordern die Experten eine maß- und sinnvolle Gebührenpolitik, die nicht nur auf wenige kapitalkräftige Großbetriebe, sondern auch auf kleine und mittlere Anwender zugeschnitten ist. Sie muß verhindern, daß die Datenfernübertragung Hemmschuh für die technischen und organisatorischen Möglichkeiten der Datenverarbeitung wird.