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29.01.1982 - 

Zweite Folge: Mikro-Elektronik macht Makro-Ökonomie:

Dem einen sein Killer, dem andern sein Knüller

WIEN (eks) - Österreichs Position im Internationalen Elektronik-Wettbewerb ist Gegenstand einer Untersuchung, deren erster Teil in der COMPUTERWOCHE Nr. 4/82, schon besprochen wurde. Hier eine Schlußbetrachtung, die die in der Studie herausgearbeiteten Zukunftsaspekte kritisch unter die Lupe nimmt. In fünf sogenannten Scenarien (Tabelle 3; nur 1990) lassen sich mögliche Auswirkungen sozial- und handelspolitischer Maßnahmen für die Zeit bis 1985 beziehungsweise 1990 abschätzen. So verlockend es ist, das einzelne Zukunftsbild- zu betrachten, der Wert dieser Modellrechnungen liegt doch hauptsächlich im Blick auf die "ceteris paribus" bewirkten Veränderungen.

So liefert eine Arbeitszeitverkürzung auf die 35-Stundenwoche sowie eine Verringerung der Investitionen für Mikroelektronik um 25 Prozent, bedingt durch verzögerte Einführung, etwa 200 000 Beschäftigte mehr (+ 7 Prozent), von denen aber jeder um 23 000 Schilling jährlich weniger verdient (- 14 Prozent). Österreichs Wirtschaft hätte einen Nachfrageausfall von fast 70 Milliarden Schilling (- 10 Prozent) zu beklagen (Szenario I gegen II).

Bei gleichbleibender Arbeitszeit (40 Stunden) rascher Einführung der Mikroelektronik, die zur Gänze importiert wird, aber gleichzeitiger Exportsteigerung um zirka 10 Prozent wird etwa dieselbe Beschäftigtenzahl erreicht wie bei Verzögerung des Mikroelektronik-Einsatzes. Aber jeder Beschäftigte könnte sich über jährlich 161 000 Schilling netto im Lohnsäckchen freuen (+ 1 Prozent) und der private Konsum würde auf 700 Milliarden Schilling klettern (Szenario IV gegen I).

Würde Österreich es schaffen, alle Mikroelektronik-Investitionsvorhaben auch durch inländische Produkte zu befriedigen, so wäre das Arbeitskräftepotential zu 97 Prozent ausgeschöpft, und es gäbe sogar um 6 Prozent zu wenig weibliche Arbeitskräfte. Nettolohn und privater Konsum würden nur unwesentlich steigen (Szenario III gegen I).

Bei gleichbleibender Arbeitszeit und maximaler Verbreitung der Mikroelektronik scheiden sich die Geister. 2,8 Millionen Beschäftigte würden mit 180 000 Schilling Jahresnettolohn bereits zu einem Drittel an automatisierten Arbeitsplätzen "Knöpfchen drücken". Aber für fast 650 000 Arbeitslose müßte ebensoviel an Unterstützung aufgebracht werden, wie die Investitionen in die Mikroelektronik ausmachen.

Das Gebäude der österreichischen Zukunft scheint in jedem Fall labil. Zumindest soweit es durch das vorliegende sozio-ökonometrische Nachfragemodell gültig dargestellt ist. Denn durch Variationen in der Arbeitszeit von 10 Prozent, bei den Mikroelektronik-Investitionen von 25 beziehungsweise 100 Prozent und von 10 Prozent beim Export würden sich die

- Arbeitslosenzahlen verachtfachen,

- Mikroelektronik-ausgerüsteten Arbeitsplätze verdreifachen,

- die Freigesetzten vervierfachen.

Devise der 80er Jahre für Arbeitgeber und Arbeitnehmer muß also sein "don´t rock the boat". Wobei die Studie keinen Zweifel daran läßt, daß Österreichs Wahl eben höchstens in einigen Prozent des Einführungstempos liegt.

Nicht alle Folgerungen der Studie sind mit dem beigefügten Datenmaterial nachvollziehbar. So würde zum Beispiel das Angebot an weiblichen Hochschulabsolventen in allen Scenarien nur zu drei Viertel ausgenutzt, hingegen müßten sich die Unternehmen um Frauen mit geringe Bildungsgrad reißen. In der Studie steht´s umgekehrt.

Aber das Modell ist ebenso wie die gesamte Studie eine sehr brauchbare Grundlage, auf der weitere Diskussionen geführt werden können.