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26.01.1996 - 

Problem 2000/Einer mittelgrossen Firma kostet es rund vier Millionen Dollar

Dem Kaufmann sicher: der Tod, die Steuern und das Jahr 2000

Das Hauptproblem mit den zwei Nullen liegt weniger in der technischen Umsetzung. Vielmehr unterschaetzt ein Grossteil der Verantwortlichen Umfang und Zeitrahmen moeglicher Loesungen. Noch ist es allerdings nicht zu spaet, Strategien zu erarbeiten, die das Ueberleben der betroffenen Unternehmen sichern.

Obwohl der Begriff "Jahr-2000-Krise" die Runde macht, sind viele Installationen schon heute betroffen. Wer beispielsweise ein Haus baut oder kauft, muss in der Regel langfristige Kreditvertraege abschliessen, die weit ueber die Jahrtausendwende hinausreichen. Betroffen sind alle Bereiche, in denen das Lebensalter eine Rolle spielt, sowie alle Vertraege mit Laufzeiten von mehr als vier Jahren. Staatliche Institutionen sind dabei genauso in der Pflicht wie Privatunternehmen.

Etwa 20 Prozent aller kommerziellen Anwendungen werden voraussichtlich schon im Laufe dieses Jahres falsche Ergebnisse aufgrund der fehlerhaften Berechnungsgrundlage produzieren. Ohne korrigierende Massnahmen koennte dieser Anteil bis zum Jahr 1999 sogar bis auf 90 Prozent ansteigen. Verschiedene Unternehmen berichten bereits vom Verlust von Wettbewerbsvorteilen, da sie spezielle Angebote mit mehrjaehrigen Laufzeiten einfrieren muessen, bis das Umstellungsproblem geloest ist.

Alle Hard- und Software-Ebenen sind betroffen, jedoch am staerksten die Grossrechnerprogramme. Sie sind am aeltesten, komplexesten, ueber Jahrzehnte gewachsen und angepasst - das Aufspueren der betroffenen "Lines of Code" erinnert an die beruehmte Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Selbst eine Modifizierung der Systeme auf vierstellige Datumsfelder garantiert noch nicht den reibungslosen Uebergang ins naechste Jahrtausend.

Eine zunehmende Zahl von Unternehmen - derzeit etwa ein Drittel - beginnt schon jetzt mit der Planung und Implementierung von Umstellungsmassnahmen. Etwa 20 Prozent befinden sich in der ersten Planungsphase, haben aber noch keine konkreten Schritte eingeleitet. Der groesste Teil jedoch, naemlich etwa die Haelfte aller Firmen, hat entweder ueberhaupt keine Plaene oder will bis 1998 oder sogar 1999 mit der Implementierung warten. Diese Seelenruhe beruht meist auf einer gefaehrlichen Unterschaetzung oder Verdraengung des Problems und seiner eklatanten Folgen - was sich im schlimmsten Fall zu einer existentiellen Bedrohung auswachsen kann.

Unter den Annahmen, dass jede Programmzeile etwa 30 bis 40 Prozent echten Programmcode enthaelt, eine Anwendung aus durchschnittlich 1500 Lines of Code besteht und etwa alle 50 Programmzeilen ein Zugriff auf die Datumsangabe erfolgt, laesst sich das finanzielle Ausmass der Umstellung grob beziffern.

Fuer ein Unternehmen von mittlerer Groesse, das rund 8000 verschiedene Programme zur Unterstuetzung saemtlicher Geschaeftsprozesse einsetzt, belaeuft sich der Gesamtaufwand - bei Umstellungskosten von 450 bis 600 Dollar pro Programm - auf insgesamt 3,6 bis 4,2 Millionen Dollar. Die Personalkosten machen dabei naturgemaess den groessten Anteil aus.

Als Loesungsstrategie bieten sich verschiedene Ansaetze an: Grundsaetzlich ueberlegenswert ist es, saemtliche Anwendungen im Paket gegen neuere auszutauschen. Wer sich fuer ein Redesign der bestehenden Programme entschliesst, muss entweder saemtliche Berechnungsformeln mit Zugriff auf das Datum umschreiben oder zusaetzlich das Datumsfeld der Datenbank auf vier Felder dimensionieren.

In der Praxis wird sich vielfach eine Kombination dieser drei Ansaetze als Koenigsweg erweisen, um eine gesunde Balance zwischen Kosten und Zeitaufwand einerseits und dem gewuenschten Ergebnis andererseits zu erzielen. Das Testen der entwickelten Loesungen macht einen Grossteil des Projektumfangs aus, da manche Module nur zu bestimmten Zeiten, beispielsweise am Wochen- oder Monatsende, auf das Datum zugreifen.

Bei der Planung der Umstellungsstrategie spielt der Zeitfaktor deswegen eine entscheidende Rolle. 24 Mitarbeiter sind etwa ein Jahr lang damit beschaeftigt, in dem beschriebenen Szenario eines mittelgrossen Unternehmens eine Loesung zu entwickeln und zu implementieren. Ein weiteres Jahr sollte fuer Tests einkalkuliert werden.

Der Einsatz von Werkzeugen, die bezueglich des Datums wiederverwendbare Programmroutinen aufspueren und isolieren, kann den Aufwand erheblich reduzieren. Bei der Auswahl entsprechender Tools ist zuvor ein exaktes individuelles Anforderungs-profil hinsichtlich der unterstuetzten Sprachen, Datenbanken und Betriebssysteme sowie der Funktionalitaet und dem benoetigten Know- how zu erstellen.

Angesichts dieser zeitlichen und finanziellen Dimensionen sowie schrumpfender DV-Budgets werden spezialisierte Beratungsunternehmen in den kommenden Jahren einen starken Zulauf verzeichnen koennen. Fuer die letzten beiden Jahre dieses Jahrtausends zeichnet sich schon jetzt eine Flut von Anfragen ab, die das Angebotspotential bei weitem uebersteigen wird.

Deshalb ist es fuer jedes Unternehmen unabdingbar, unverzueglich mit der Analyse der Anwendungsportfolios zu beginnen, eine Loesungsstrategie zu erarbeiten und die benoetigten Gelder bereitzustellen, um fuer das neue Zeitalter gewappnet zu sein. Denn drei Ereignisse sind sicher im Leben eines Kaufmanns: der Tod, die Steuern und das Jahr 2000.

*Frank Sempert ist Geschaeftsfuehrer der Gartner Group GmbH in Frankfurt.

Kurz & buendig

Die Bereinigung der DV eines mittelgrossen Unternehmens von zweistelligen Jahreszahlen wird 3,6 bis 4,2 Millionen Dollar kosten. Dieses ernuechternde Ergebnis einer Kalkulation nimmt der Autor zum Anlass, um darauf hinzuweisen, dass es noch einen weit betrueblicheren Aspekt gibt: Die benoetigte Zeit wird selbst bei sofortigem Arbeitsbeginn schon knapp. Die Anfragen in Sachen Umstellungshilfen werden 1998 und 1999 das Angebotspotential bei weitem uebersteigen. Wer die Zeichen der Zeit nicht erkennt, wird dann eine boese Ueberraschung erleben.

"Ich weiss nicht, wo ich am 31. 12. 1999 sein werde, aber so weit weg von jedem Job mit Computern wie moeglich ... Gott helfe vielen Computerprogrammen."

Ein US-amerikanischer Anwender in Compuserve

"Die Alternative dazu, sich mit dem Jahr 2000 auseinanderzusetzen, heisst, die Firma dichtzumachen."

Kevin SchickResearch Director, Gartner Group