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25.08.1995 - 

Gastkommentar

Demnaechst Versicherungspolicen aus dem Internet-Shop?

Nur mit Vorsicht gehen Versicherungen die ersten Schritte im Cyberspace: Waehrend heute kaum eine Publikation die Berichterstattung ueber die vielen Vorzuege des Internet beziehungsweise World Wide Web auslaesst, war bis vor kurzem selbst in US-Fachmedien recht wenig ueber die Moeglichkeiten und Probleme dieser neuen Kommunikationsform fuer die Assekuranz zu lesen.

Seit diesem Fruehjahr ist das anders: Wer will, kann via World Wide Web (WWW) die ersten Gehversuche grosser amerikanischer Versicherungen im Net beobachten. Noch sind die Homepages von Versicherern wie Aetna oder Mass Mutual, verglichen mit anderen Angeboten im Net, eher langweilig und alles andere als ein multimediales Cyberspace-Erlebnis. Trotzdem berichten die Betreiber von Hunderten von Besuchern, die taeglich diese Informationen abrufen. Allein diese Zahlen werden auch andere Versicherer rasch dazu bewegen, sich im Internet zu praesentieren.

In der Tat eroeffnet die Online-Kommunikation viele Moeglichkeiten fuer die Versicherungswirtschaft. Nicht nur als neues Marketing- Instrument, sondern auch fuer Marktforschung, die Bearbeitung von Schadensfaellen oder die Kommunikation mit Risikodatenbanken wird das Netz rasch Verbreitung finden.

Abgesehen von der zumindest theoretisch riesigen Zielgruppe, die sich mit dem neuen Medium ansprechen laesst, sind es dann vor allem Aktualitaet und Kosten, bei denen das WWW im Vergleich zu traditionellen Informationsmitteln wie Prospekten oder Tarifuebersichten gut abschneidet. Interessant ist fuer die Assekuranz sicherlich auch die Zielgruppe, die zu den aktivsten Usern im Internet gehoert: junge, gut verdienende Maenner und Frauen zwischen 25 und 35.

Bei den Trendsettern im Net wird sich allerdings auch entscheiden, ob die Angebote von Versicherern angenommen werden. Denn eines ist klar: Reine Werbung im klassischen Stil hat im Internet keinen Platz und laesst selbst schoen gestaltete Web-Seiten schnell zu Kommunikationsfriedhoefen werden. Nur dann, wenn fuer die Anwender ein Nutzen entsteht, werden sie das Internet auch akzeptieren.

Bei Aetna zum Beispiel laesst sich sehen, wie so etwas funktionieren koennte: Versicherte haben dort die Moeglichkeit, eine aktuelle Datei mit Adressen von Krankenhaeusern und Aerzten, mit denen das Unternehmen zusammenarbeitet, abzurufen http://www.aetnaz.com . Und Mass Mutual nutzt das Web geschickt fuer Personalakquise bis hin zum digitalen Formular, mit dem Bewerber Unterlagen anfordern koennen http://www.massmutual.com .

Direkte Versicherungsangebote sind allerdings noch kaum zu finden. Hier liegen auch die Schwierigkeiten des Mediums, mit denen die Industrie erst zurechtkommen muss. Neben den zu loesenden Sicherheitsproblemen im Netz wird es vor allem die bessere Vergleichbarkeit der Angebote sein, die fuer die Verbraucher moeglicherweise zu mehr Transparenz bei Tarifen und Leistungen fuehrt. Abnehmende Kundentreue und haeufigere Versicherungswechsel koennten die Folge sein.

Noch hat das World Wide Web den Charme von Fernsehsendungen der 50er Jahre, aber schon bald wird auch hier ein Wettlauf um Differenzierung einsetzen. Die Kosten, um Interessenten zu einem Besuch beim virtuellen Versicherungsvertreter zu bewegen, werden logischerweise anfangs hoch sein. Hier gilt es, eine sinnvolle Balance zwischen Unterhaltungsgrad und Nutzen zu finden.

Auch in Deutschland denken viele Versicherer bereits darueber nach, wie sie Online-Kommunikation fuer ihr Geschaeft nutzen koennen. Es spricht alles dafuer, dass zunaechst weniger der Endverbraucher als vielmehr Partner wie Makler und Vermittler im Mittelpunkt des Interesses stehen werden. Hier duerften die ersten professionellen Einsatzgebiete fuer das Internet bei deutschen Versicherungen liegen. Anwendungen, die die Zusammenarbeit in diesem fuer die Assekuranz wichtigen Bereich erleichtern, werden wir schon bald zu sehen bekommen.

Was die Endkunden anbelangt, haben manche deutsche Versicherungen bereits erste Erfahrungen mit Btx beziehungsweise Datex-J gesammelt. Wenn die Verbreitungsgeschwindigkeit des Internet weiter anhaelt, ist allerdings absehbar, dass diese komfortablere Online-Kommunikation dem deutschen Dienst bald den Rang ablaufen wird. Um so wichtiger ist es fuer die Assekuranzen, sich mit den Moeglichkeiten dieser Kommunikationsform eingehend vertraut zu machen. Noch ist Gelegenheit, um das neue Medium gruendlich kennenzulernen und erste Gehversuche zu unternehmen. Denn auch fuer Versicherungen gilt: Netsurfen ist angesagt!