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15.02.2002 - 

IT in Versicherungen/Die Pflicht vor der Kür

Den Altbestand mit EAI aufpolieren

15.02.2002
Mit Enterprise Application Integration (EAI) wird in der Versicherungswirtschaft verstärkt eine neue Technologie eingesetzt, jedoch keine, die die unüberschaubare Vielfalt der Individualprogrammierungen um neue Facetten bereichert. Vielmehr agiert sie wie ein Katalysator und ermöglicht die Erweiterung und Erneuerung von Systemlandschaften sowie die Migration von geschäftskritischen Daten. Von Ulf Andresen*

Deregulierung, offensiver Wettbewerb, immer anspruchsvollere Kunden im Privat- wie auch Geschäftsbereich zwingen zu genauester Marktorientierung und fordern höchste Flexibilität in den Geschäftsprozessen und Organisationsformen. Auch deshalb nehmen die großen Versicherungen jetzt endlich die Integrations-Herausforderung an; klar ist, dass der künftige Erfolg unmittelbar von solchen Geschäftsprozessen abhängt, die Informationen ohne Zeitverzögerungen vorhalten können. Die Zeiten haben sich geändert, und der Assekuranz steht eine gründliche Bestandsaufnahme ins Haus, wobei der Akzent auf Neuordnung, das heißt Integration, der bestehenden Landschaft und nicht auf der Einverleibung neuer Anwendungen liegen sollte: Enterprise Application Integration (EAI) erobert auch diese Zunft.

Für Unternehmensberater, die vor Ort bei der Implementierung von Projekten agieren, rangiert EAI ganz oben auf der Agenda. Und die Versicherungsunternehmen haben ihrerseits erkannt, dass eine weitere Interpretation neuer Applikationen beziehungsweise Funktionen ihre Systemarchitektur sprengen könnte. Daher befindet sich die IT der Versicherungswirtschaft DV-technisch gesehen in einem profunden Konsolidierungsprozess. Doch bevor individuelle betriebswirtschaftliche und technische Ausprägungen geschaffen werden, ist es geboten, die unternehmensweite IT zu integrieren und konsolidieren.

Ein in der Assekuranz noch häufig vorzufindender Integrationsansatz ist die Point-to-Point-Verbindung. Diese Architektur ist das Resultat von über Jahrzehnte gewachsenen Strukturen, das heißt der häufigen Ergänzung der Systemlandschaft um weitere Applikationen. In diesem Fall ist die vorhandene Systemlandschaft zu keinem Zeitpunkt umfassend reorganisiert worden. Die Nachteile dieses Modells kristallisieren sich deutlich heraus: ein hoher Aufwand sowohl bei der Wartung der Schnittstellen als auch bei der Integration zusätzlicher Anwendungen, die suboptimale Nutzung der Ressourcen sowie das verzögerte Bereitstellen der Daten.

Zwar hat die Assekuranz in den vergangenen Jahren Fortschritte bei der Anwendungsintegration erzielt, zum Beispiel mit der Einführung von ERP-Systemen von SAP, Peoplesoft oder Oracle, aber der große Wurf blieb aus.

Das ERP-System als KernanwendungDenn auch künftig werden nicht mehr als 40 Prozent der benötigten Anwendungsunterstützung durch ERP-Systeme abgedeckt, branchen- oder unternehmensspezifische Anforderungen werden durch proprietäre Lösungen ergänzt. ERP-Systeme haben somit eine hochgradige "Integrationspotenz". Sie allein machen die Anwendungen aber noch nicht flexibler und marktorientierter.

Beispiel: Hub-and-Spoke-ArchitekturDer EAI-basierende Lösungsansatz zielt darauf, die Kommunikation zwischen verschiedenen Systemen und Anwendungen innerhalb einer Systemlandschaft unter anderem durch Standardisierung der Schnittstellen-Konzeption zu vereinfachen und zu beschleunigen. Darüber hinaus bieten diese Lösungen einen Prozesssteuerungs-Mechanismus, der die zentrale Koordination der entsprechenden Transaktion übernimmt. Ganz wichtig in diesem Zusammenhang: Es können Integrationsmaßnahmen durchgeführt werden, ohne die Systeme selbst zu verändern.

Die Hub-and-Spoke-Architektur ist unter den EAI-Varianten eine häufig gewählte Konzeption, da sie für die gezielte Weiterleitung von Anwendungsdaten über integrierte Geschäftsprozesse sorgt. Hierbei hat auch ein ERP-System wie SAP keine gewichtigere Rolle als eine Datenbank oder eine beliebige Legacy-Anwendung, da es nur als eine unter mehreren Anwendungen fungiert, die gleichberechtigt neben den anderen an den zentralen Hub angeschlossen ist.

EAI-Produkte stellen eine signifikante Erweiterung klassischer Middleware-Produkte dar: Während unter Verwendung von Middleware-Produkten vornehmlich die Verbindung von Applikationen auf Datenebene realisiert wird, erfolgt der Einsatz von EAI-Produkten im Integrationsumfeld multipler Applikationen und unter Verwendung von Prozesssteuerungs-Mechanismen. Die Erweiterung klassischer Middleware um die Integration auf Objekt- und Prozessebene ist durch EAI gegeben.

Enterprise Application Integration mittelfristig unumgänglichFür die Implementierung einer EAI-Plattform spricht eine Reihe überzeugender Argumente:

- Investitionsschutz: Versicherungsunternehmen, die sehr viel Geld in die Jahr-2000-Fähigkeit und in die Euro-Umstellung investiert haben, können ihre Systeme auch über die nächsten Jahre erhalten.

- Operative Integration von Versicherungsunternehmen nach Fusionen oder Übernahmen: Hier kann ein EAI-Ansatz zu erheblichen Einsparungen bei der IT-Integration führen.

- Integration von Standardsoftware: Versicherungsunternehmen haben die Notwendigkeit erkannt, den Einsatz von Standardsoftware auf Grund der Zeit- und Kostenersparnis deutlich zu erhöhen. Die Standardsoftware ist in die bestehende Systemlandschaft zu integrieren.

- Geschäftsprozessoptimierung: Auch der Kunde soll Nutznießer schnell verfügbarer, fehlerfreier Daten sein. Der hohe Automatisierungsgrad der IT schafft Optimierungspotenziale.

- Zeitersparnis bei der Einführung neuer Systeme: Versicherungsprodukte, deren Bereitstellung durch die Systeme unterstützt wird, können schneller auf den Markt gebracht werden.

Fazit: Die Auswahl und Entwicklung einer EAI-Lösung setzt eine sorgfältige Analyse der Anforderungen und eine genaue Untersuchung der bestehenden Anwendungslandschaft voraus. Wesentliche Anforderungen zu Grundsätzen und Verfahren bei der Datenadministration, zur Sicherheit und insbesondere zum Management sowie zur Optimierung von Geschäftsprozessen sind vor einer Auswahl von Produkten zu analysieren.

Versicherungsunternehmen sind auf Grund ihrer großen Datenmengen und der historisch gewachsenen, komplexen Anwendungslandschaften nicht in der Lage, eine neue IT-Welt auf der "grünen Wiese" zu entwickeln. Deshalb muss nach Wegen gesucht werden, das Neue mit dem Vorhandenen zu verbinden. EAI stellt unter den genannten Voraussetzungen den aussichtsreichsten Lösungsansatz dar; er ist sowohl technisch als auch wirtschaftlich sinnvoll und mittelfristig unumgänglich. (bi)

*Ulf Andresen ist Partner Financial Services IT Solutions bei Pricewaterhouse-Coopers (PWC) in Hamburg.

Abb: Der umfassendste Lösungsansatz

Keine neue IT-Welt auf der "grünen Wiese", aber eine EAI-Plattform. Quelle: PWC