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13.02.1987 - 

Einsatz eines Variantengenerator in einem PPS-System:

Den Aufwand für Spezialfertigung reduzieren

13.02.1987

Der scharfe Wettbewerb im Maschinenbau und in der metallverarbeitenden Industrie zwingt die Hersteller in diesen Branchen immer mehr zu Spezialanfertigungen.

Vor allem Mittelbetriebe aber klagen über den aufwendigen Verwaltungsablauf in den konventionellen PPS-Systemen zur Abwicklung und Pflege von kundenspezifischen Fertigungsaufträgen.

Problematisch bei der Produktionsplanung von Spezialanfertigungen und deshalb häufiger Kritikpunkt sind vor allem:

- Aufwendige Stücklisten und Arbeitsplanverwaltung

Ein Variantenfertiger erstellt aus einer Grundstückliste oder einem Grundarbeitsplan für jede Kundenanfertigung eine kundenspezifische Stückliste und einen kundenspezifischen Arbeitsplan. Dadurch entsteht eine große Anzahl von Stücklisten und Arbeitsplänen, deren Wartung sehr problematisch ist. Darüber hinaus gibt es eine hohe Fehlerquote, da die Stücklisten und Arbeitspläne für jeden vom Standard abweichenden Fertigungsauftrag aufs neue durchdacht werden müssen.

- Wiederholte Rückfragen zwischen Verkauf und Fertigung

In konventionellen PPS-Systemen ist eine umständliche Abstimmung zwischen Verkauf und Fertigung notwendig. Der Verkauf nimmt die, Spezifikationen des Kunden entgegen und die Mitarbeiter in der Fertigung prüfen die Realisierbarkeit der Variante und kalkulieren den Preis. Der Verkauf übermittelt diese Informationen an den Kunden. Erneute Rückfragen des Verkaufs bei der Fertigung sind oft unumgänglich.

- Feldende kurzfristige Preiskalkulation

Eine kurzfristige Preiskalkulation ist oft entscheidend für einen Vertragsabschluß. In konventionellen PPS-Systemen muß eine umständliche und zeitraubende Prozedur abgewickelt werden, bis eine Angebotskalkulation vorliegt.

- Stammdatenpflege

Stammdaten von Produktvarianten weichen nur in einigen wenigen, aber sehr wesentlichen Punkten von den Stammdaten des Produkttyps ab. Neben der Identifizierung sind es vor allem klassifizierende Kriterien. Konventionelle PPS-Systeme erfordern entweder die Anlage eines Teilestammes pro Produktvariante oder haben nur eine Zuordnung zum Produkttyp. Der erste Fall erfordert eine sehr aufwendige Abwicklung, der zweite ist eine zu grobe statistische Zuordnung.

In einigen PPS-Systemen gibt es in den Struktursätzen für Teile und Arbeitsgänge die Möglichkeit, Selektionskriterien anzugeben. Damit ist ein erster Schritt getan, und Stücklisten und Arbeitspläne brauchen nicht mehr in jedem Fall mehrfach abgespeichert zu werden. Mit diesem Schritt ist aber nur ein kleiner Teil der anstehenden Probleme gelöst. Die Selektionskriterien sind oft unzureichend, es fehlt vor allem die Möglichkeit, auch Berechnungen in die Selektion aufzunehmen.

Die Idee für eine echte Lösung der anstehenden Probleme wurde erstmals von Professor Schönsleben veröffentlicht (1).

- Merkmalstabellen werden als Wertetabellen oder Wertebereiche festgelegt. Wertetabellen können zum Beispiel Farben, Typ oder Abmessungen sein. Wertebereiche beinhalten unter anderem Spannungen, Abmessungen und Temperaturen.

- Diese Merkmalstabellen dienen dazu, einen Produktionstyp zu definieren. Die Definitionskriterien können verkaufs- oder produktionsorientiert sein.

- Jedem Teil der Stückliste und jedem Arbeitsgang des Arbeitsplanes werden Bedingungen zugeordnet, die definierten Merkmale sich auf die definierten Merkmale des Produkttyps beziehen. Diese Bedingungen können auch Rechenoperationen sein.

- Dieses Verfahren wird nicht nur zur Erzeugung von Stücklisten und Arbeitsplänen, sondern auch zur Erzeugung von beschreibenden und identifizierenden Produktmerkmalen und von kompletten Fertigungsaufträgen sowie zur Preiskalkulation verwendet.

- Die Generierung der Daten kann auch unmittelbar bei der Bearbeitung des Verkaufsauftrages erfolgen.

Der Einsatz des Variantengenerators ändert den Arbeitsablauf für den Verkauf und die Produktion von Kundenanfertigungen erheblich.

Konsequenzen im Verkauf ...

Der Sachbearbeiter erfaßt am Bildschirm, die vom Kunden gewünschten Produktmerkmale. Anhand dieser Merkmale erzeugt der Variantengenerator eine Produktidentifikation sowie eine Produktklassifizierung und errechnet den Preis für das Produkt. Das System erstellt eine Auftragsbestätigung.

Nach Durchführung der Produktion schreibt das System die Lieferpapiere. Der Verkauf erhält eine Information aus dem Versand, daß die Lieferung durchgeführt ist und veranlaßt den Rechnungsabruf.

... und in der Fertigung

Der Sachbearbeiter in der Fertigung erhält einen Fertigungsvorschlag (über den elektronischen Postkorb). Der Fertigungsvorschlag wird durch Verkaufsaufträge ausgelöst.

Der Sachbearbeiter stößt den Variantengenerator zur Generierung der Fertigungsaufträge an. Weiter terminiert er den Auftrag und sorgt mit Hilfe eines Programms für die Materialbereitstellung. Material, das nicht am Lager ist oder in einer laufenden Lieferantenbestellung reserviert werden konnte, führt im Einkauf zu einem Bestellvorgang (über den elektronischen Postkorb). Fertigungspapiere können zu einem bestimmten Termin abgerufen werden.

Das Arbeiten mit dem Variantengenerator führt dazu, daß die Erfassung der Stammdaten mehr Gewicht erhält: Für jedes Teil und jeden Arbeitsgang muß festgelegt werden, unter welchen Bedingungen das Teil oder der Arbeitsgang Verwendung finden.

Vorteile dieser Lösung:

- Kundenbezogene Stücklisten und Arbeitspläne brauchen nicht mehr gepflegt zu werden, da sie vom Variantengenerator immer neu generiert werden.

- Fertigungsaufträge für Kundenanfertigungen

- Der Variantengenerator erzeugt einen kompletten Fertigungsauftrag für Kundenanfertigungen aus den Produktmerkmalen zwischen Verkauf und Fertigung

- Kommunikation

Der Variantengenerator überprüft die Realisierbarkeit der Kundenvariante. Werte oder Bereiche von Produktmerkmalen, die nicht definiert sind, werden abgelehnt.

- kurzfristige Preiskalkulation

- Der Variantengenerator kann Preise während der Bearbeitung durch den Verkaufssachbearbeiter kalkulieren.

Der Variantengenerator kann beschreibende und identifizierende Produktmerkmale für Kundenvarianten erzeugen und abspeichern.

*Hanns Sedlmayr, Sedlmayr & Partner, München und Rudolf Flückiger, Texdata, St. Gallen/Schweiz

(1) Schönsleben: Flexible Produktionsplanung und -steuerung mit dem Computer, CW-Edition