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25.06.1993

Den Ex-Pepsi-Manager zieht es an die Ostkueste Sculley raeumt den Chefsessel bei Apple zugunsten von Mike Spindler

MUENCHEN (CW) - John Sculley, seit fast zehn Jahren Chef bei Apple, macht Plaene fuer die Zeit danach. Die amerikanische Tageszeitung "USA Today" berichtete in der Ausgabe vom 16. Juni, dass Sculley mit dem Gedanken spielt, den Chefsessel bei Apple zu raeumen und an der heimatlichen Ostkueste sein eigenes Hightech- Unternehmen zu gruenden.

Zwar dementierte die Apple-Pressestelle die Abwanderungswuensche ihres Chefs, aber am Wochenende ist es doch passiert: John Sculley ueberlaesst den ersten Platz im Unternehmen dem Deutschen Michael (MikeSpindler, der bereits seit 1990 als Chief Operating Officer (COO) fuer das Tagesgeschaeft verantwortlich ist. Sculley soll als Vorsitzender des Verwaltungsrats weltweit Ausschau nach neuen Geschaeftsfeldern halten.

Auf Spindler, nach Compaqs Eckhard Pfeiffer der zweite Deutsche an der Spitze eines amerikanischen PC-Herstellers, warten schwierige Aufgaben.

Trotz steigender Verkaufszahlen des Macintosh werden die Halbjahres-Umsaetze fuer 1993 die Vergleichszahlen des Vorjahres nicht erreichen koennen. Als Gruende werden zu hohe Betriebskosten bei Apple und die

fallenden PC-Preise genannt. Erst kuerzlich gab der Hersteller Preisreduzierungen zwischen neun und elf Prozent auf einige Rechnermodelle und Peripheriegeraete bekannt. Analysten schaetzen fuer 1993 aufgrund des Preiskampfs einen Rueckgang des Gewinns um 15 Prozent, fuer 1994 um weitere zehn Prozent. Von dem 50jaehrigen Spindler erwartet man, dass er die Kosten in der Verwaltung, im Marketing sowie in Forschung und Entwicklung druecken wird - auch durch Freisetzung von Personal. Laut "New York Times" hat sich Spindler schon entschieden, 2000 der rund 15 000 Angestellten zu entlassen. Die Zeitung beruft sich auf einen nicht namentlich genannten leitenden Mitarbeiter, nach dessen Aussagen Abteilungsleiter Listen mit Entlassungskandidaten anfertigen.

Moeglicherweise muessen

2000 Mitarbeiter gehen

Ein weiterer Punkt auf der Negativliste ist der enorme Erfolg von Windows, das die Vorteile des Mac gegenueber dem PC nahezu aufhebt. Der Rechtstreit ueber die Oberflaeche ist zwar noch nicht entschieden, jedoch rechnen Insider nicht damit, dass Apple die geforderten 5,5 Milliarden Dollar Entschaedigung zugesprochen werden. In diesem Zusammenhang wirft das "Wall Street Journal" Sculley vor, Ende der 80er Jahre die

Entwicklung verschlafen zu haben als er das Macintosh- Betriebssystem nicht an andere PC-Hersteller lizenzieren wollte. Damit haette man eine Konkurrenz zu Microsoft geschaffen und Apple aus der Nische herausgeholt und zu einem Softwaregiganten gemacht.

Die Spekulationen ueber den Grad der Schwierigkeiten bei Apple erreichen mittlerweile das Stadium, dass ueber moegliche Fusionen laut nachgedacht wird. Neben Novell wird die AT&T-Tochter NCR als moeglicher Fusionspartner gehandelt. Als John Sculley als Nachfolger von IBM-Chef John Akers im Gespraech war, wurde er mit der Idee zitiert, dass die Mainframe-Company die unprofitablen Geschaeftsbereiche abstossen und mit Apple fusionieren solle. Wegen der schwachen IBM-Aktie und einer weiteren Verwaesserung nach dem Merger konnte sich die IBM-Fuehrungsspitze nicht fuer Sculleys Plan erwaermen und entschied sich fuer

Louis Gerstner als neuen CEO. Im US-Wahlkampf Ende letzten Jahres wurden Sculley ebenfalls gute Chancen auf einen Ministerposten in Bill Clintons Kabinett eingeraeumt.