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25.01.1980 - 

Der einzig mögliche Weg zu wirtschaftlicher Basisdatenverarbeitungssoftware:

Den Markt definieren die vereinigten Anwender

STUTTGART - Es ist immer noch die Regel, daß ein Software-Hersteller sich bei

der Entwicklung eines Software-Produkts an den Vorstellungen eines einzelnen

Anwenders orientiert: Nach wie vor werden auch komplexe Problemlösungen meist

im Hinblick auf ein Einstiegsobjekt entwickelt.

Dies kennzeichnet (meist einschränkend) die Anwendungsbreite dieser Software. Was entsteht, ist eine Insellösung, die aufgrund des enorm hohen Kostenaufwands zum Standardmodell für einen größeren Benutzerkreis hochstilisiert werden muß - zugegeben, vielfach Produkte optimaler Qualität. Aber aus einem zu engen Spektrum heraus entwickelt, sind sie nicht in der Lage, den branchenweit allgemeingültigen Leistungsumfang objektiv darzustellen.

Tatsächlich lassen sich in der Praxis Software-Pakete nur mühsam den unterschiedlichen Anforderungen verschiedener Unternehmen anpassen. Meist sind erst umfangreiche Modifikationen erforderlich, die dann ihrerseits stets der Entwicklung der Basis-Software folgen müssen, was wiederum ständig hohe Folgekosten verursacht. Dem Kenner der Szene wird daher nicht entgehen, wie die ständig wachsenden Herstellungskosten einerseits und der Bezugszwang auf zu viele Einzelsituationen andererseits den Software-Markt vor ein strukturelles Problem stellen.

Es soll hier nicht die Frage diskutiert werden, ob und inwieweit sich die Tätigkeit kreativen Denkens rationalisieren läßt. Die Bemühungen um zeitgemäße Methoden der Analyse und Programmierung sind insgesamt sicher richtig. Aber sie berühren nur die Spitze des Eisbergs. Die Hauptmasse des Problembergs der Software-Szene liegt unterhalb dieser Wasserlinie.

Die gegenwärtige Preisentwicklung für Software ist zum großen Teil eine Folgeerscheinung der Knappheit an Programmierkapazität. Gleichwohl ist letztere in hohem Maße vorhanden. Aber sie sieht sich am Markt einer Phalanx unkoordiniert formulierter Einzelsituationen gegenüber, die den konzentrierten und damit wirtschaftlichen Einsatz ihrer Kräfte verhindert.

Einzelsituationen koordinieren

Wo es also darum geht, die Softwarekostenentwicklung in den Griff zu bekommen, muß sich das Bemühen viel mehr auf ihre Umweltbedingungen als auf die Herstellungsmethoden konzentrieren. Die Leistungs- und Qualitätsmerkmale des Anwenders müssen eine Marktsituation darstellen.

In der überdimensionalen Auslegung dieses Leitsatzes entstanden Software-Pakete imposanten Ausmaßes, die in der Bandbreite ihrer Anwendungsmöglichkeiten haarscharf an den individuellen Wünschen des Anwenders vorbeizielen. Die tatsächliche Markterfordernis ist sehr viel differenzierter. Denn vereinfacht man die Problemsituation auf diesen globalen Nenner, so läuft man Gefahr, den erwarteten Anwendungsrahmen zu weit zu stecken. Damit werden die Methoden zu verallgemeinernd, und darunter leidet der individuelle Qualitätsanspruch aus der Sicht des einzelnen Anwenders. Wiederum sind umfangreiche Modifikationen zur Anpassung notwendig, und nichts Grundlegendes hat sich an der Software-Szene geändert.

Mini-Welten schaffen

Also kommt es auf die Dimensionierung des Rahmens - man könnte sagen, das Ausmaß der Mini-Welt - an, innerhalb deren Grenzen sich die Qualitäts- und Leistungsmaßstäbe der einzelnen Unternehmen zu einer gemeinsamen Systemanalyse, formulieren lassen. Diese Mini-Welt ist die differenzierte Marktsituation für den Software-Hersteller.

Was bedeutet dies konkret? Im Grunde ist es verblüffend einfach und allgemein bekannt: Vorleistung für erfolgreiche Datenverarbeitung ist die entsprechende Analyse der Problemzusammenhänge. Ihre spätere Umsetzung in ein Maschinenprogramm ist letztlich die handwerkliche Herstellung des Maßanzuges. Zuschnitt und Beschaffenheit jedoch werden vorher bestimmt. Also ist die Problemanalyse bereits ein ganz entscheidendes Stück Datenverarbeitung. Erweitert man jetzt diese einfache Betrachtung um den Begriff Anwendungsvolumen, so wird das Ausmaß der Problemanalyse zur Marktanalyse.

Maßanzug von der Stange

Deren Aufgabe ist es nun die differenzierte Marktsituation auszumessen. Sie gemeinsam für einen Kreis gleichartiger Unternehmen präzise zu definieren, ergibt die Dimension des Aufgabenkomplexes, wenn erlaubt, die Mini-Welt. Dieser Begriff steht für die Umweltbedingung, die beide Hauptforderungen erfüllt: hochqualifizierte und Anwender-individuelle EDV-Software und wirtschaftlicher Einsatz der vorhandenen Programmierkapazität.

Somit fällt bereits im Vorfeld der eigentlichen Datenverarbeitung die Entscheidung darüber, wie sich langfristig das Verhältnis von Qualität zu Kosten entwickeln wird. Dies erfordert zwar die entsprechende Einstellung auch der Hersteller-Seite, aber es ist durchaus nicht die Domäne der EDV-Spezialisten allein. Vielmehr ist die Initiative gemeinsamen Handelns auf Anwender-Seite gefordert. Die, wie bisher praktiziert, relativ einseitige Handhabung der EDV-Politik durch den Hersteller bedeutet für den Anwender den Verzicht auf autonome Wahrnehmung seiner ureigenen Interessen.

Im genannten Vorfeld der Datenverarbeitung muß der Anwender die ihm gemäße Rolle annehmen und in koordiniertem Zusammenwirken (in Verbänden und dergleichen) seinen Teil zur Verbesserung der Verhältnisse beitragen.

*Hermann Haug ist Systemberater bei ICL-Dataskil. Krailenshaldenstraße 44, 7000 Stuttgart 30. Tel.: 07 11/81 30 77.