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26.05.1995

Den menschlichen Faktor beruecksichtigen Michael Hammer: Re-Engineering steckt noch in den Kinderschuhen

FRAMINGHAM (IDG) - 1993 landeten der ehemalige MIT-Professor Michael Hammer und sein Co-Autor James Champy, Chairman der Consulting-Firma CSC Index, mit dem Buch "Reengineering the Corporation" einen welt-weiten Erfolg. Vor wenigen Wochen liess Hammer seinem Bestseller ein zweites Werk folgen, das den Titel "The Reengineering Revolution" traegt (Co-Autor: Steven A. Stanton). "Computerworld"-Redakteur Joseph Maglitta hat dem US- Star auf den Zahn gefuehlt.

CW: Warum war ein zweites Buch zum Thema Re-Engineering noetig?

Hammer: Weil es sich nicht gerade um eine einfache Materie handelt. Ich moechte in meinem neuen Buch ein paar Tricks verraten, wenngleich zu diesem Thema niemand fertige Rezepte liefern kann.

CW: Gibt es Aussagen aus Ihrem ersten Buch, von denen Sie sich heute distanzieren wollen?

Hammer: Ich bedauere nichts von dem, was ich gesagt habe. Allerdings gibt es einiges, das damals ungesagt blieb. Das betrifft vor allem den menschlichen Aspekt, der bedeutender, aber auch schwieriger ist als der technische oder der prozessorganisatorische.

CW: Zu behaupten, Re-Engineering-Projekte scheitern so haeufig, weil die Menschen sie nicht bewaeltigen, ist, als rede man einerseits dem Kommunismus das Wort und mache andererseits das Fehlverhalten der Kommunisten fuer dessen Scheitern veranwortlich ...

Hammer: Der Unterschied ist, dass Kommunismus nie funktioniert hat, waehrend Re-Engineering-Projekte durchaus erfolgreich verlaufen. Wenn manche Menschen an Re-Engineering-Projekten scheitern, heisst das noch nicht, dass der Ansatz als solcher verkehrt ist.

CW: Kritiker behaupten dennoch, die Re-Engineering-Welle sei bereits vorueber.

Hammer: Re-Engineering ist erst im Teenager-Stadium. Sicher, in den letzten Jahren hat es viele Diskussionen gegeben, doch meines Erachtens ist die Entwicklung erst zu 15 bis 20 Prozent gelaufen. Es handelt sich nicht um eine Modeerscheinung, sondern um eine Bewegung. Wir stehen unmittelbar vor der zweiten grossen Welle.

CW: Die juengste Untersuchung von CSC-Index deutet darauf hin, dass Business Re-Engineering seinen Zenit bereits ueberschritten hat.

Hammer: Die Zahlen belegen vielmehr, dass Re-Engineering nicht in erster Linie eine Angelegenheit oder Aktivitaet des IT-Managements sein muss. In Wirklichkeit kommen heute nur zehn bis 15 Prozent der Re-Engineering-Verantwortlichen aus dem IT-Management. Die Welt gewoehnt sich an den Gedanken, dass nicht unbedingt der CIO der Re- Engineering-Champion sein muss.

CW: Sie haben ueber verquere Darstellungen des Themas in der Presse geklagt. Wo werden Fehler gemacht?

Hammer: Viele Journalisten - allerdings auch Teile der Computerindustrie - verwechseln Re-Engineering schlicht mit Downsizing. Andere setzen es einfach mit der Einfuehrung neuer Technologien gleich.

CW: Ihre Aeusserung, dass 70 Prozent aller Re-Engineering-Projekte scheitern, ist in aller Munde. Stehen Sie noch dazu?

Hammer: Ich habe lediglich gesagt, dass 70 Prozent der Vorhaben, die ich gesehen habe, fehlgeschlagen sind. Das bedeutet keineswegs, dass durchschnittlich 70 Prozent scheitern. Die Rate ist heute besser als frueher. Rund 50 bis 60 Prozent der Projekte verlaufen erfolgreich, und die Quote duerfte sich weiter verbessern.

CW: Re-Engineering ist von Kritikern immer wieder als inhumane, unmoralische Methode hingestellt worden, die vor allem Jobs zerstoert ...

Hammer: ... letztendlich traegt sie doch dazu bei, Jobs zu retten. Oft ist die Alternative zu einem derartig radikalen Ansatz lediglich die, zuzusehen, wie die Firma stirbt. Re-Engineering dient dem Ueberleben eines Unternehmens.

CW: Gibt es Unternehmen, die Sie als herausragende Beispiele fuer gelungenes Re-Engineering anfuehren wuerden?

Hammer: Eine der besten Firmen ist American Standard. Deren CEO versteht wirklich sein Handwerk. Positive Beispiele stellen auch Progressive Insurance, Texas Instruments und Shell Chemical dar.

CW: Welche technologische Entwicklung beobachten Sie zur Zeit am genauesten?

Hammer: Firestone hat etwas Interessantes angekuendigt. Sie bauen in jeden Lkw-Reifen einen Chip mit Sensoren sowie einen Sender ein. Ueber den Chip werden staendig Temperatur und Druck registriert und auf einen Bildschirm uebertragen. Das Beispiel zeigt, wie vielseitig Computertechnik zu verwenden ist.