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11.01.2006

Den richtigen Linux-Dienstleister finden

Peter Ganten
Linux-Services gibt es eigentlich reichlich. Aus dem Angebot das Geeignete herauszufiltern ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Die Kriterien sind teilweise anders als im proprietären Umfeld.

Einer Unternehmensführung, die zum ersten Mal den Einsatz von Linux plant, stellen sich einige schwer zu beantwortende Fragen: Welcher Dienstleister erfüllt die Anforderungen am besten? Schafft er die Systemumstellung in der vorgegebenen Zeit? Kann er den geforderten Support leisten und in kritischen Situationen schnell zur Verfügung stehen? Schon die Geschäftsmodelle in der Linux-Szene und die Existenz unterschiedlicher Distributionen verwirren manchen Entscheider. Meist weiß er nicht, an welchen Maßstäben er die Qualität der Dienstleistungsangebote messen soll.

Hier lesen Sie …

• welch unterschiedliche Geschäftsmodelle und Spezialisierungen es bei Linux-Dienstleistern gibt;

• wie sich die Qualität der Anbieter bewerten lässt;

• wie sich Anwender gegen Risiken absichern können;

• was Einfluss auf die Preise hat.

Linux gehört zur so genannten freien Software. "Frei" heißt nicht "kostenlos", sondern bedeutet, dass jeder die Freiheit hat, Einsicht in den Quellcode zu nehmen, die Software zu kopieren, weiterzugeben sowie nach Belieben zu verändern und weiterzuentwickeln. Trotzdem dürfen Interessenten freie Software verkaufen und für eigene Weiterentwicklungen ein Copyright beanspruchen. Tatsäch-lich verdienen Dienstleister aus dem Linux-Sektor ihr Geld in erster Linie mit Service und Support. In diesem Zusammenhang haben sich in der Vergangenheit bei Linux- und sonstigen Open-Source-Anbietern unterschiedliche Geschäftsmodelle etabliert:

• Das reine Systemhausgeschäft

Systemhäuser beraten Kunden, konzipieren Projekte und führen sie aus. Dazu gehören die Anpassung von Soft- und Hardware und das Implementieren der Lösungen. Viele Systemhäuser verdienen durch den Verkauf von Hardware und die Partnerschaft mit Open-Source-Softwareherstellern, von denen sie Margen für den Weiterverkauf dieser Produkte erhalten.

• Die Softwareentwicklung

Der Entwickler erstellt meistens projektspezifische Software für einen Kunden und lässt sich seinen Aufwand entsprechend honorieren.

• Die Entwicklung und Pflege von freier oder proprietärer Software für Linux

Hier verdienen die Anbieter daran, dass sie Pakete aus freier Software und zugehörigen Serviceleistungen "schnüren" und diese lizenziert verkaufen. Der Kunde bezahlt letztendlich nicht für die Software, sondern für ihre Pflege und den Support.

• Die Linux-Distribution

Linux-Distributoren stellen Pakete mit Linux und anderer Open-Source-Software zusammen. Zu den wichtigsten Linux-Distributionen, die in Unternehmen eine Rolle spielen, gehören die der Novell-Tochter Suse und die von Red Hat. Immer weiter verbreitet sich auch die Betriebssystem-Variante Debian, für die Firmen wie Univention Services anbieten. Diese Distributoren sorgen dafür, dass die Programme problemlos zusammenarbeiten und sich leicht verwalten lassen. Linux-Distributionen sind gelegentlich noch über den klassischen Verkauf erhältlich, als Standard hat sich aber das so genannte Maintenance-Modell durchgesetzt. Das bedeutet, jeder Kunde erhält für einen festgelegten Zeitraum die Pflege seiner Software und den Zugriff auf Updates garantiert.

Unabhängig vom Geschäftmodell verdienen viele Anbieter zusätzlich durch Beratung, Support und Schulungen.

Linux und andere Open-Source-Software bilden heute ein so breites Feld, dass sich keinDienstleister auf allen Gebieten gleich gut auskennt. Je nachdem, ob jemand ein Linux-basierendes Content-Management-System einrichten oder seine Microsoft-Infrastruktur durch Linux ablösen will, sucht er sich darauf spezialisierte Anbieter.

Keine TÜV-Plakette für Linux …

Bei der Auswahl eines geeigneten Linux-Dienstleisters kämpfen Kunden mit dem Problem, dass für Anbieter keine festgeschriebenen, normierten und verbindlichen Qualitätsstandards existieren. Ebenso fehlen Dachorganisationen oder Branchenverbände mit "Weisungsbefugnis" beziehungsweise "Richtlinienkompetenz". Im Linux-Verband engagieren sich eine Reihe renommierter Dienstleister für technische und rechtliche Standards. Aber eine Mitgliedschaft allein stellt noch keine Qualitätsgarantie dar.

… aber Zertifizierungen

Obwohl es kein einheitliches Gütesiegel gibt, dienen Zertifizierungen des Linux Professional Instituts (LPI) dem Kunden erfahrungsgemäß als sinnvolle Orientierungspunkte. LPI-zertifizierte Mitarbeiter von Unternehmen gewährleisten in der Regel zumindest mittlere bis gute Qualität. "Jeder Kunde sollte bei einem Dienstleister auf Zertifizierungen durch die namhaften großen Hersteller und Distributoren achten. Novell und Red Hat spielen eine wichtige Rolle, Debian ist klar im Kommen", schildert Andreas Niederländer, Vorstand für Systemtechnik beim ausschließlich auf Linux als Betriebssystem spezialisierten Dienstleister iKu Systemhaus aus Saarbrücken, die Situation.

Partnerschaften des Dienstleisters mit den Herstellern und ihre Kooperationen mit Open-Source-Projekten sind ebenfalls "ein Vertrauen erweckendes Zeichen", so Niederländer. "Je intensiver sie sind, desto bessere Qualität verspricht der Produktsupport." Die dabei gewonnene Kompetenz schlägt sich oft in einem Angebot von Schulungen durch den Dienstleister nieder, das nach Ansicht des iKu-Managers ebenfalls auf ein hohes Maß an Professionalität hinweist.

Sinnvolle Bewertungskriterien

Grundsätzlich gelten ein paar Dinge, auf die der Interessent bei der engeren Auswahl der Dienstleister achten sollte. So setzt ein vertrauenswürdiger Dienstleister schon seit längerem Linux auch im eigenen Haus ein und zwar nicht nur auf irgendwelchen Servern, sondern auch auf dem Desktop. Er muss Erfahrung mit der Einführung von Linux und Open-Source-Software in Unternehmen und Behörden gesammelt haben und Kunden betreuen, die damit arbeiten.

Um etwas über die Praxisnähe des Unternehmens zu erfahren, empfiehlt sich ein Blick auf die Referenzen. Dabei spielt es nicht nur eine Rolle, wie viele Aufträge ein Dienstleister fertig gestellt hat, sondern auch, welchen Umfang diese Aufträge besaßen. Wenn ein Dienstleister zwischen fünf und zehn Aufträge für Firmen mit jeweils tausend Mitarbeitern erfolgreich bewältigt hat, beweist das seine Professionalität. Vorausgesetzt natürlich, dass die Aufträge beispielsweise nicht nur die Verkabelung eines Vorzimmertelefons, sondern jeweils einen größeren Teil der Infrastruktur betrafen.

In Bezug auf die Referenzen spricht es für einen Dienstleister, wenn er zu den ausgewiesenen Beispielen Ansprechpartner nennen kann. "Der Dienstleister sollte umfassende Informationen zu den in den Referenzen aufgeführten Kunden geben können", empfiehlt Manfred Walterscheid, Prokurist und Leiter Informationstechnologie beim unter anderem auf Linux spezialisierten Dienstleister Comdok aus Sankt Augustin. "Wir vermitteln unseren Kunden im Einzelfall Kontakte zu den Unternehmen, bei denen wir bereits Projekte betrieben haben."

Minimales Risiko

Häufig geäußerte Sorgen der Linux-Interessenten betreffen nicht nur die Erfahrung, sondern auch die Verfügbarkeit des Dienstleisters. Dazu zählen Personalstärke, die wirtschaftliche Absicherung des Beraters und die Präsenz vor Ort. Diese Größen wirken sich auf die reale Sicherheit eines Kunden unterschiedlich aus. Die Personalgröße eines Dienstleisters sollte natürlich der Auftragsgröße angemessen sein. Der Auftraggeber muss sichergehen können, dass er jederzeit den nötigen Support erhält.

Die wirtschaftliche Stabilität eines Dienstleisters entzieht sich oft einer Bewertung. Der Kunde kann aber das Risiko eines Supportausfalls deutlich verkleinern, indem er Standardprodukte und keine selbstgebastelten Insellösungen kauft. Denn selbst wenn ein Dienstleister insolvent werden sollte, findet ein Kunde dann noch Ansprechpartner bei den Herstellern oder deren Partnern.

Im Linux-Umfeld ist häufig eine gewisse Bastlermentalität anzutreffen. Die Gefahr bei solchen Dienstleistern besteht darin, dass die Lösungen eher schlecht als recht funktionieren und nur unzureichend dokumentiert sind. Das führt neben dem mangelhaften Ergebnis zu unerwünschter Abhängigkeit. Setzt der Dienstleister hingegen Standardprodukte ein, steigt in der Regel die Qualität seiner Arbeit, weil er sich auf die wesentlichen Dinge wie Beratung und die sachgemäße Implementierung der Produkte konzentrieren kann.

Projektdauer gibt Hinweise

"Wenn ein Dienstleister viele Anpassungen des Produkts an die gegebene Infrastruktur für nötig hält, ist dies oft kein gutes Zeichen", weiß iKu-Manager Niederländer. "Auch wenn die veranschlagte Zeitdauer für ein Projekt sehr lange erscheint, sollte der Auftraggeber überprüfen, ob dies an zu zahlreichen Modifikationen liegt."

Die Präsenz eines Dienstleisters vor Ort ist nicht unbedingt nötig, obwohl sie oft für den "gefühlten" Service des Kunden wichtig ist. Tatsächlich lassen sich die meisten Aufgaben, die nach der Implementierung anfallen, per Fernwartung erfüllen.

Comdok-Spezialist Walterscheid beschreibt, wie so etwas aussieht: "Für die Friedrich-Naumann-Stiftung setzten wir den Auftrag um, einen weltweiten VPN-basierenden Kommunikationsverbund aufzubauen. Zu den Aufgaben zählten die Installation und Konfiguration von weltweit 40 Linux-Servern, Einweisung der Ortskräfte, Programmierung von Skripten, Entwicklung sowie Support von Datenbankanwendungen und vieles mehr. Nach der Installation vor Ort erledigen wir über 90 Prozent der Serviceleistungen und Benutzeranfragen per Fernwartung, das heißt mittels VPN, Secure Shell, Internet-Telefonie und E-Mail."

Unbedingt Preise vergleichen

Die Preise können für die gleichen Leistungen bei unterschiedlichen Anbietern erheblich schwanken. In einzelnen Fällen kommt es zu Differenzen von über 100 Prozent. Für die Preiskalkulation spielt neben Tagessätzen eine große Rolle, ob der Anbieter eigene Konzeptionierungs-, Anpassungs-, Konfigurations- oder sogar Entwicklungsarbeiten berechnen muss.

Verlangt ein Auftraggeber zahlreiche Anpassungen eines Produkts, damit es individuellen Wünschen gerecht wird, steigen natürlich nicht nur die Kosten für den unmittelbaren Auftrag, sondern auch die langfristigen Ausgaben für Weiterentwicklung und Support. Setzt ein Anbieter hingegen standardisierte Produkte ein, sinkt der Mehraufwand. Stattdessen fallen Lizenz- und Maintenance-Kosten an. Natürlich sollte sich der Blick nicht nur auf die Preise allein, sondern auf ihr Verhältnis zur angebotenen Leistung richten. Komplexere Fälle erfordern ein Pflichtenheft. Auch dabei bieten gute Dienstleister ihre Unterstützung an.

Zukunftssichere Investition

Die Partnerschaft mit einem verantwortlichen Linux-Dienstleister zahlt sich auf jeden Fall aus. Denn Linux und Open-Source-Software setzen sich nach und nach in Unternehmen und der öffentlichen Verwaltung durch. Das Prinzip der offenen und freien Entwicklung und Bereitstellung wird sich in vielen Bereichen der IT-Industrie verbreiten und weiterentwickeln. Obwohl es immer proprietäre Software geben wird, sind die natürlichen und evolutionären Entwicklungsprozesse bei Open Source dem zentral gesteuerten Entwicklungsansatz bei proprietärer Software oft überlegen. (ls)