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08.06.2001 - 

Componentware/Internet-Dienste für flexible Geschäftsbeziehungen

Den Web-Services gehört die Zukunft

Spätestens seit der UDDI-Initiative von Microsoft, IBM, Ariba und 130 weiteren Unternehmen ist klar: Die Zukunft gehört den Web-basierenden Anwendungen. Noch ist allerdings ungewiss, wie "nachfragende" Unternehmen die richtigen Anwendungen finden und was "zuliefernde" Unternehmen tun müssen, um ihre Anwendungen für den Web-Service fit zu machen. Von Ute Schullan und Daniel Hefele*

Vorbei die Zeiten, in denen die Online-Gemeinde das Internet als Medium für Dokumente und einfache Transaktionen nutzte. Das WWW entwickelt sich zu einer umfassenden Infrastruktur mit komplexen Web-Services für die elektronische Abwicklung von Geschäftsprozessen - so das Credo der Visionäre. Davon profitieren sowohl die Unternehmen, die auf Electronic Business setzen, als auch IT-Firmen. Wer heute in der Network Economy erfolgreich sein will, weiß, wie flexibel und schnell er auf die ständig wechselnden Anforderungen des Marktes reagieren muss. Eine Voraussetzung dafür sind insbesondere dynamische Geschäftsbeziehungen - die Möglichkeit, Ad-hoc-Geschäfte mit bisher unbekannten Partnern aufzubauen und abzuwickeln. Wenn beispielsweise ein Maschinenbauer nicht pünktlich liefern kann, weil ein Zulieferer in Verzug gerät, muss er dringend einen anderen Partner finden. Die neuen Web-Services sollen diese Geschäftsabwicklung einfach und zeitnah über das Internet ermöglichen.

Funktionen via Internet anbietenAuch für IT-Unternehmen bricht mit der Idee der Web-Services eine neue Ära an. Denn mit diesem Ansatz gehören Softwareprodukte als Komplettpaket auf CD der Vergangenheit an. Ganze Funktionen lassen sich als Web-Service über das Internet anbieten. Die Idee begeistert vor allem die Großen der Branche: Zur Zeit verfolgen Microsoft mit .NET und Sun mit ONE (Open Network Environment) Strategien, die auf solchen Komponenten basieren. Sie machen aus jedem Angebot (Aktienkurse, Sportergebnisse, Richtungsanweisungen, E-Mails oder Kalender) eine Dienstkomponente und stellen diese im Netz bereit. Vorteil des Konzepts: Interessenten können flexibel und zeitnah genau diejenigen Anwendungen nutzen und mit anderen kombinieren, die sie für eine bestimmte Aufgabe benötigen. Ein Web-Shop etwa, der in den Zahlungsprozess eine Anwendung für die Kreditkartenabrechnung einbinden möchte, kann die Software von einem entsprechenden Anbieter über das Internet beziehen.

In beiden Szenarien sind zwei Aufgaben wichtig: Erstens muss der Kunde in der unüberschaubaren Cyber-Welt genau den Web-Service finden, den er für eine Aufgabe braucht. Zweitens müssen die Unternehmen ihre IT-Infrastruktur für die Einbindung von Web-Services öffnen.

Die Fragen lauten also: Wer bietet solche Dienstleistungen an? Was kostet der Service? Welche Funktionalität ist enthalten? Bisher waren die Unternehmen auf mühsame Recherchen, den manuellen Vergleich unterschiedlicher Anbieter oder Empfehlungen angewiesen. In Zukunft sorgen Online-Directories für eine bessere Orientierung im Web-Service-Dschungel. Ein Projekt für solche E-Business-Verzeichnisse ist "Universal Discovery Description and Integration" (UDDI). Ähnlich den "Gelben Seiten" sind die Verzeichnisse dem freien Markt zugänglich. Sie bieten Unternehmen die Möglichkeit, Web-Services einzutragen und zu suchen. Ihr Angebot geht allerdings über das der "Gelben Seiten" hinaus, denn die Services lassen sich hier nicht nur aufspüren: Das virtuelle Branchenbuch enthält neben Firmendaten vor allem Informationen zu dem Dienst, der die Web-gestützte Applikation und Software-Komponenten bereitstellt.

Das UDDI-Projekt hat dazu auf XML basierende Standards definiert, mit denen die Unternehmen sich selbst, ihre Produkte und Dienstleistungen auf der Basis von einheitlichen Publishing- und Discovery-Standards beschreiben können. Kern der UDDI-Architektur ist eine Business Registry, die aus drei Komponenten besteht: den White, Yellow und Green Pages. Während die White Pages Namen, Adressen und andere Identifizierungsmerkmale von Unternehmen aller Branchen enthalten, findet man in den Gelben Seiten die Anbieter nach Branchenzugehörigkeit mit Produktspektrum und Kontaktmöglichkeiten. Die Green Pages enthalten Informationen über die von einem registrierten Unternehmen angebotenen Web-Services.

UDDI führt zur Peer-to-Peer-BeziehungIn der Praxis sieht die Recherche in etwa so aus: Eine Firma auf der Suche nach einem Geschäftspartner nutzt den Discover Service des UDDI. Er erhält die gewünschten Informationen über einen potenziellen Partner und seine Leistungen, die dieser dem Business Registry auf der Grundlage des Publishing-Standards zur Verfügung gestellt hat. Für die Beschreibung der Services nutzt UDDI die Web Service Description Language (WSDL), die auf XML basiert. Wenn sich das suchende Unternehmen für einen Partner entschieden hat, kontaktiert es diesen mit Hilfe der im Registry enthaltenen Informationen auf direktem Weg. Der Geschäftsprozess wird als Peer-to-Peer-Beziehung zwischen beiden abgewickelt. Die Partner verwenden dazu als neutrales Übertragungsprotokoll das Simple Object Access Procotol (Soap).

Werden immer mehr solcher Web-basierenden Transaktionen geschaffen, führt diese dynamische Bündelung von Geschäftsprozessen schließlich zu "Business Webs". Derzeit müssen Unternehmen vor allem feststellen, welche Produkte und Leistungen sie diesen dynamischen Business Webs zur Verfügung stellen wollen.

Die Idee der Web-Services stellt Unternehmen allerdings vor eine neue Herausforderung: Sie müssen bestehende Anwendungen "dienstfähig" machen. Dabei ist zunächst eine detaillierte Analyse notwendig: Welcher Aufwand ist zu betreiben, um aus dem eigenen Angebot einen Web-Service bereitzustellen? Hieraus ergeben sich zwei Aufgaben:

- bestehende Anwendungen in Komponenten umwandeln, die allein für sich existieren können und sich mit anderen Komponenten kombinieren lassen;

- eine Integrationsschicht aufbauen, die den flexiblen Zugriff auf die Komponenten ermöglicht.

Zwei VorgehensoptionenDabei bieten sich für die erste Aufgabe zwei Optionen an: Im ersten Fall ermöglichen Unternehmen den Zugriff auf Anwendungen, indem sie lediglich den Datenstrom lesen, also die Informationen, welche die Anwendung als Ergebnis präsentiert. Der Vorteil dieses Verfahrens besteht da-rin, dass die eigentliche Anwendung nicht verändert werden muss. Allerdings sind die so entstandenen Komponenten sehr unflexibel. Spätere Modifikationen lassen sich nur mit einem hohen Aufwand durchführen.

Der zweite Lösungsweg ist die Bildung echter funktionaler Komponenten. Dabei entsteht zunächst ein größerer Aufwand, da die Unternehmen ihre bestehenden Anwendungen verändern, indem sie einzelne Teile kapseln. Der Vorteil: Die gekapselten Module sind sehr flexibel und lassen sich, einmal erstellt, immer wieder einsetzen. Hinzu kommt, dass Unternehmen ihre Anwendungen mit diesem Verfahren schrittweise umstellen können. Während sie eine Funktion kapseln, laufen alle anderen weiter.

Mit der Menge der Komponenten wächst allerdings auch die Zahl der Schnittstellen und damit die Notwendigkeit, eine Integrationsschicht mit einfachen Zugriffsmöglichkeiten zu erstellen. Mit leistungsfähigen Middleware-Produkten lässt sich über eine einzige Schnittstelle auf alle Komponenten zugreifen. Unternehmen können intern ihre bestehenden Architekturen wie Corba, COM oder RPC weiterhin nutzen, während sie für die externe Kommunikation das herstellerneutrale Übertragungsprotokoll Soap und die XML-basierende Beschreibungssprache für Web-Services WSDL einsetzen. Die Middleware übernimmt die wichtige Aufgabe der Integration zwischen der "alten" Welt und dem Internet, indem sie die technischen Schnittstellen standardisiert und damit einen "single point of entry" zur Verfügung stellt. Gleichzeitig vereinfacht sie so die Wartung und Administration der Schnittstellen.

*Ute Schullan und Daniel Hefele sind Product Marketing Manager bei der Software AG in Darmstadt.

GlossarXML: Die Extensible Markup Language ist ein offener Standard für die Datenbeschreibung.

UDDI: Bei Universal Discovery Description and Integration handelt es sich um einen Standard für Online-Datenbanken, der auf der Extensible Markup Language (XML) basiert. UDDI definiert, wie eine Online-Directory aufgebaut sein sollte.

Soap: Das Simple Open Access Protocol basiert auf XML und erlaubt über Remote Procedure Calls (RPC), Anwendungen oder Module über das Internet anzusprechen und auszuführen. Zusammen mit XML ermöglicht Soap die Entwicklung von Cross-Plattform-Anwendungen.

WSDL: Web Service Definition Language ist die Beschreibungssprache für Web-Services, die auf XML basiert und die Services sowie die technischen Details ihrer Nutzung beschreibt.

Linkshttp://www.uddi.org

http://www.w3.org/2001/03/WSWS-popa

http://www.w3.org/TR/2000/NOTE-SOAP-20000508

http://www.w3.org/Submission/2001/07

Abb: Web-Services-Szenario

Der Provider gibt seinen Web-Service dem UDDI-Broker bekannt. Der Requester sucht und findet den Dienst und baut eine Peer-to-Peer-Beziehung mit dem Provider auf. Quelle: Software AG