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19.11.1999 - 

Wie sich Frauen in der IT-Branche behaupten

Den Wiedereinstieg über eine freiberufliche Tätigkeit finden

Auslandsaufenthalte stehen bei Unternehmen offiziell hoch im Kurs. Wenn man jahrelang im Ausland gearbeitet hat, fällt der Wiedereinstieg in Deutschland aber oft nicht leicht. Für die Diplominformatikerin Brigitta Bartosik war die freiberufliche Tätigkeit eine Lösung.

Das Informatikstudium an der TU München hat Bartosik als "easy" empfunden: "Solange man fachlich gut ist, nehmen einen die männlichen Kommilitonen auch ernst. Allerdings darf man sein Frausein nicht zu sehr in den Vordergrund stellen. Das mögen die Männer nicht." Der Taschentrick funktionierte trotzdem, erzählt sie lachend. "Wenn ich keine Lust hatte, meine Tasche zu tragen, fand sich immer jemand, der das für mich gemacht hat."

Nach Studienabschluß und einer Weltreise arbeitete Bartosik zehn Jahre in der englischen Softwarebranche. Im Februar letzten Jahres zog sie mit ihrem Sohn wieder nach Deutschland. Um den Wiedereinstieg in den deutschen Arbeitsmarkt leichter zu gestalten, entschied sich die Informatikerin für eine freiberufliche Tätigkeit. "In England ist es nicht üblich, ein schriftliches Arbeitszeugnis zu bekommen. Dort gibt man nur seine früheren Chefs als Referenzen an, bei denen sich der neue Arbeitgeber erkundigen kann." Ihr war klar, daß diese Praxis den Einstieg in ein festes Arbeitsverhältnis erschweren und in die Länge ziehen würde, da in Deutschland Arbeitszeugnisse notwendig sind.

"Ich wollte aber gleich wieder arbeiten und gar nicht erst auf Idee kommen, mir selbst leid zu tun", erzählt sie. Nach einer Woche kam dann schon der erste Auftrag. Bartosiks Schwerpunkte liegen in der Projektarbeit, Support und Schulung. Ihre perfekten Englischkenntnisse erleichtern ihr zusätzlich die Arbeit. Für ihren momentanen Auftraggeber, die Softwaregesellschaft der bayerischen Sparkassen IZB Soft, München, testet sie Software und ist beratend tätig. "Ich habe den Eindruck, daß ich als Freiberuflerin schwierigere Aufgaben bekomme und mich rascher einarbeiten muß. Zum Glück habe ich eine schnelle Auffassungsgabe."

Der Job läßt sich gut mit den Aufgaben einer alleinerziehenden Mutter vereinbaren. Ihr viereinhalbjähriger Sohn besucht einen Ganztagskindergarten. "Ich muß viel mehr planen und meine Zeit einteilen, aber es klappt sehr gut", sagt Bartosik. Wenn die Projekte in der heißen Phase stecken, helfen die Großeltern bei der Kinderbetreuung aus.

Nach eineinhalb Jahren hat sich Brigitta Bartosik als freiberufliche Informatikerin etabliert. Nur: Wie sieht es mit passenden Karriereperspektiven aus? "In der jetzigen Position sind die Chancen dazu eher schlecht, denn Freiberufler bekommen meist keine größeren Verantwortungsbereiche zugeteilt", weiß sie aus Erfahrung. "Der große Vorteil meiner Arbeit ist aber, daß ich in kurzer Zeit viel Expertenwissen ansammeln konnte."

*Ingrid Weidner ist freie Jounalistin in München.