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29.04.1988 - 

Quickstorming fördert Kreativität mit dem Rechner:

Denkturbo ersetzt langwieriges Brüten

Mit Dr. Hans Morawa, Leiter des Instituts für Industrie und Wirtschaftsführung in München, sprach CW-Redakteurin Ina Hönicke.

Ideen können künftig in kürzester Zeit entwickelt werden: Eine neuartige computergestützte Kreativitätstechnik namens "Quickstorming" soll dafür sorgen. Das von dem Münchener Management-Trainer Hans Morawa entwickelte PC-Programm ermöglicht die Ideenfindung mit Methode. Die Ergebnisse kommen nicht mehr - wie früher - per Zufall, sondern werden systematisch geplant. Gegenüber herkömmlichen Verfahren geht es, so der Erfinder und Autor von gesellschaftlichen Zukunftsentwürfen, rund dreimal so schnell. Den Nutzen davon soll vor allem der Topmanager haben, der diese Technik in einem Seminar erlernen kann.

- Sie versprechen, daß mit Ihrer computergestützten Methode "Ouickstorming" neue Ideen in kürzester Zeit entwickelt werden. Inwiefern steuert das Programm den Denkprozeß?

Die Kreativitätsprozesse werden mit Hilfe des PC vorgenommen. Der Computer bietet die Möglichkeit Ideen-Datenbanken aufzubauen. Auf diese Hintergrundinformationen kann man während des Denkprozesses immer wieder zurückgreifen. Die Speicherkapazität der dazugehörigen Software Quickstar beträgt pro Ideenbank 48 MB. Das entspricht in Text und Grafik einem Datenvolumen von 85 Büchern. Das Wichtigste: Der Computer zwingt den Benutzer durch eine Bedienerführung zum schnellen Denken. Die einzelnen Denkschritte werden dabei durch Archetypen gefördert. Dabei handelt es sich um vorstellbare Grundmuster, also um "Urbilder" und nicht um naturalistische Bilder. Das Programm zwingt somit auch zum Visualisieren.

- Seit wann beschäftigen Sie sich mit dieser Art des methodischen Denkens?

Bereits seit mehreren Jahrzehnten. Um einen gemeinsamen roten Faden in Methode n zu finden, mit denen Probleme gelöst werden, befragte ich Hunderte von bedeutenden Wissenschaftlern. Darunter waren Forscher des MIT, der Stanford-Universität, Astronauten, Zen-Meister sowie höchste Führungskräfte aus der Wirtschaft. Das Ergebnis war, daß sich alle Denkvorgänge letztendlich auf zwölf "Archetypen" reduzieren lassen. In einer Art geistigen Computer-Tomografie durchleuchtet "Quickstorming" den Fall aus verschiedenen Richtungen.

- Welche Rolle spielt der PC bei der Entwicklung kreativer Prozesse?

Die Denkprozesse werden automatisiert. Das computergestützte Moderieren bietet Vorteile wie rascheres Reagieren mit Hilfe des automatischen Systems, wenn der Denkprozeß ins Stocken gerät, oder auch ein schnelleres Notieren und grafisches Visualisieren von Ideen-Alternativen sowie Protokollieren der Denkschritte, die zum Lösungserfolg führen.

- Wie laufen Ihre Kreativitätskurse im einzelnen ab?

Zunächst einmal lernen die Kursteilnehmer, mit diesem Handwerkszeug umzugehen. Jeder bringt eine Problemstellung aus seinem Unternehmen oder Bereich mit, die dann von der gesamten Gruppe auf zwölf verschiedenen Wegen angegangen wird. Innerhalb kürzester Zeit kommen Ideen auf den Tisch, die bisher keiner gehabt hat. Gegenüber älteren Kreativitätstechniken wie Brainstorming wird nur noch ein Drittel der Zeit benötigt.

- Auf welche Weise können die Teilnehmer Quickstorming später in ihrer Praxis umsetzen?

Im Unternehmen wird mit Quickstorming am besten in einer Runde von mehreren Personen gearbeitet, wobei Fachleute für das gestellte Problem nicht unbedingt nötig sind. Oft kommen nämlich entscheidende Anstöße von Außenseitern, die noch nicht betriebsblind sind. Die zwölf Archetypen werden der Reihe nach durchgespielt. Zunächst hält man alle Ideen nur fest. In der Auswertungsphase trennen dann die Teilnehmer die Spreu vom Weizen. Zum Schluß bleibt aus der Fülle von Vorschlägen fast immer etwas übrig, was brauchbar ist.

- An wen richtet sich Ihr Seminar; ist es nur für Führungskräfte interessant?

Unser Programm richtet sich zunächst einmal an jeden, der unternehmerisch denken, planen und handeln muß - im besonderen natürlich an die Unternehmer selbst sowie an die Topmanager. Aber auch deutsche Politiker entdecken mehr und mehr die Bedeutung dieses neuen "Denkturbos".

- Besteht nicht die Gefahr, daß Quickstorming das Denken ganz überflüssig macht?

Auf keinen Fall. Wer das Programm nutzt, darf nicht davon ausgehen, daß ihm die Ideen vom Computer sozusagen frei Haus geliefert werden. Eigene Kreativität ist nach wie vor gefragt.

- Sie sagen, Quickstorming ist ein Programm für die Zukunft. Mit welchen Veränderungen in der Arbeitslandschaft rechnen Sie denn in den 90er Jahren?

Die zu erwartende superschnelle Technik wird ein bis dahin unbekanntes geistiges Arbeits-Tempo erzwingen, ein neues Tempo des Denkens und eine ungewöhnliche Flexibilität im unternehmerischen Verhalten. Unternehmen, die unvorbereitet oder methodisch nicht genügend gerüstet sind, werden verhängnisvoller denn je ihre eigenen Existenz- und Beschäftigungskrisen produzieren. Börsengewitter wie das vom Herbst 1987 werden keine Überraschung mehr sein, sondern ganz gewöhnliche Bestandteile der liberalisierten Großwetterlage unseres Wirtschaftssystems.

- Wie sollen die Unternehmen Ihrer Meinung nach auf diese neue Situation reagieren?

Die Forderung heißt: umdenken, flexibel reagieren können. Wer heute festgefahrene Denkweisen von gestern nicht über Bord wirft, macht sich zum geistigen Frührentner von morgen. Eine dramatische Entwicklung wird auch der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften nehmen. Neue bildungspolitische Maßnahmen sind unabdingbar. Ferner werden wissensbasierte Systeme konventionelle Arbeitsplätze weitgehend ersetzen. In wenigen Jahren könnte die Zahl der Positionen in mittleren Management nur noch halb so groß sein wie heute.

- Wie würden Sie den Trend für die 90er Jahre bezeichnen?

Die kommenden Jahre werden von einem neuen Kreativitätstrend geprägt, der ins Logisch-Analytische zielt. Kreatives Problemlösen auf pragmatischen Gebieten wird dominieren. Alles soll berechenbar, alles durchschaubar sein. Das nicht ganz Glasklare erscheint von vornherein verdächtig. Ein westliches ""Glasnost" steht uns auf ungeahnte Weise erst bevor.