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CW-Gespräch mit dem Olap-Experten Nigel Pendse


13.06.2003 - 

Der Analysemarkt dreht sich im Kreis

Nigel Pendse gilt als intimer Kenner und unbequemer Kritiker der Hersteller von Analysesoftware. Im Gespräch mit CW-Redakteur Sascha Alexander erklärt der Autor des "Olap Reports", warum Informationskreisläufe und BI-Plattformen unrealistisch sind und warum Microsoft im Markt gute Karten hat.

CW: Anbieter von Software für Business Intelligence (BI) und Online Analytical Processing (Olap) werben damit, dass ihre Produkte die Informationsversorgung verbessern. Sie propagieren Entscheidungs- und Datenkreisläufe über BI-Plattformen im Unternehmen und halten ihre Frontends für benutzerfreundlich. Versprechen sie dies nicht schon seit Jahren?

PENDSE: Ich bin diese Herstellerpräsentationen mit Informationskreisläufen und immer denselben Diagrammen für Manager leid. Das machen wir nun schon seit Jahren. Offenbar arbeiten wir immer noch an alten Problemen.

CW: Ist das nur die Schuld der Hersteller?

PENDSE: Es gibt in Unternehmen zwei zentrale Probleme, die nichts mit Technik zu tun haben: Mitarbeiter und Daten. Kunden fangen Projekte an, ohne ihre Anforderungen genau zu kennen. Im Projekt kann die IT sich normalerweise schlecht verständlich machen, und in den Fachabteilungen herrscht Konkurrenzkampf. Daher werden Projekte oft zu ambitioniert aufgesetzt. Später, wenn Realismus eingekehrt ist, werden sie zurechtgestutzt, weil sich die geplanten Plattformen nicht aufbauen und die gewünschte Datenqualität nicht herstellen lässt.

CW: Was könnte die Lage denn bessern?

PENDSE: Unternehmen sollten keine unternehmensweiten Projekte mehr angehen, sondern einen schnellen Payback anstreben, von dem die Benutzer unmittelbar bei ihrer täglichen Arbeit profitieren. Globale, langfristige Projekte laufen Gefahr, zu scheitern.

CW: Aber dieses kurzfristige Denken wird doch von Fachleuten immer kritisiert, weil so nur lokale Lösungen zur Entscheidungsunterstützung entstehen, die später zum Integrationsfall werden.

PENDSE: Damit muss man leben. Die Business-Leute wollen immer kurzfristige Vorteile.

CW: Also wird künftig weiter viel Geld mit dem unkoordinierten Einkauf von Analysesoftware verschleudert?

PENDSE: Warum glauben Sie eigentlich, dass integrierte Lösungen von einem Hersteller billiger wären? Sie sind sogar viel teurer. Es geht hier überhaupt nicht darum, für die IT Geld zu sparen, sondern die Lösungen sollen das Unternehmen steuern helfen und den Benutzer zufrieden stellen. BI-Produkte sind einfach Werkzeuge und auch lokale Lösungen haben ihren Sinn.

CW: Hersteller argumentieren aber, dass es aus Kostengründen nicht sinnvoll sei, Daten mehrfach auf Abteilungsebene vorzuhalten.

PENDSE: Auch in Kreislaufmodellen werden Daten und Metadaten mehrfach gespeichert, und jedes Produkt hat eigene Benutzer-Schnittstellen.

CW: Wozu dann überhaupt so viel Gerede über BI-Plattformen und Informationskreisläufe?

PENDSE: Jeder Hersteller will, dass Kunden alles von ihm kaufen. Das ist alles! Sie sagen dem Kunden: Du kannst mit unseren Produkten sämtliche Lücken schließen. In Wirklichkeit kann keiner einen kompletten Informationszyklus implementieren.

CW: Der steigenden Nachfrage nach BI- und Olap-Tools tut dies keinen Abbruch.

PENDSE: Dafür gibt es verschiedene Gründe. Zunächst ist die Technik besser und billiger geworden. Außerdem lassen sich die Frontend-Tools leichter bedienen. Doch den eigentlichen Nachfrageboom erzeugt der zunehmende Wettbewerbsdruck unter den Unternehmen. Allerdings handelt es sich bei den meisten verkauften Lizenzen um Shelfware. Hersteller wie Cognos und Business Objects versuchen in Projekten immer mindestens doppelt so viele Seats zu verkaufen wie benötigt werden.

CW: Hersteller wie Cognos oder Hyperion werben auch damit, dass sie komplette Plattformen mit allen gängigen BI-Funktionen bieten können.

PENDSE: Hyperion hat vielleicht alle Teile, aber die stammen aus mindestens fünf Übernahmen und sind genauso wie die eigenen Produkte nicht integriert. Die Tools für Planung und Finanz-Reporting beispielsweise haben außer dem Logo nichts gemein, sondern nutzen unterschiedliche Datenspeicher, Metadaten und Excel-Interfaces.

CW: Cognos hat aber mit Series 7 eine integrierte Suite vorgestellt.

PENDSE: Series 7 integriert lediglich die Reporting-Software "Impromptu" und den Olap-Server "Powerplay" oberflächlich miteinander. Cognos hat zudem gerade sein eigenes Planungswerkzeug aufgegeben und Adaytum gekauft. Dies ist ebenso wenig kompatibel mit dem Rest des Portfolios wie "Cognos Fi-nance". Nur die Scorecard-Lösung "Metrics Manager" ist mit allen anderen Produkten verbunden.

CW: Welcher Hersteller steht für Sie denn überhaupt gut dar?

PENDSE: Alle haben Visionen, aber keiner erfüllt sie.

CW: Was halten Sie von Konzepten wie Corporate-Perfomance-Management, die momentan von vielen Herstellern beworben werden?

PENDSE: Das ist nur ein Buzzword und will sagen: Kauf alle Produkte von mir.

CW: Sie haben allein 30 Anbieter für Olap-Technik ausgemacht. Glauben Sie, dass alle den herrschenden Verdrängungswettbewerb überleben?

PENDSE: Der Markt expandiert, aber mit immer weniger Anbietern, weil viele von ihnen ein Kostenproblem bei der Entwicklung und Vermarktung haben. Nur die Hersteller haben langfristig eine Chance, die spezielle analytische Lösungen etwa für Budgetierung und Planung oder für einzelne Industrien entwickeln.

CW: Wie sollen Unternehmen in dieser Situation Produkte erwerben?

PENDSE: Kurzfristig kaufen, innerhalb von drei Monate live gehen und ein Payback innerhalb von zwölf Monaten anstreben. Sie können nicht mehr langfristig auf einen Hersteller setzen. Lösen sie heutige Probleme mit verfügbarer Technik. Gehen Sie davon aus, dass es in drei Jahren ein besseres Produkt als das gekaufte gibt und dass Sie es nach fünf Jahren austauschen.

CW: Was halten Sie von Anbietern relationaler Datenbanken wie IBM, Oracle oder Microsoft, die mittlerweile im Olap-Markt aktiv sind? Manche Analysten sehen zum Beispiel in dem Bundle aus Datenbank und Olap-Technik einen Vorteil, weil sich beide Systeme zusammen verwalten lassen.

PENDSE: Oracle war vor fünf Jahren sogar Marktführer im Olap-Markt und hatte mit dem "Express"-Produkt eine solide und praxiserprobte Software. Aber dann wurde durch Missmanagement die Weiterentwicklung verhindert und ein neues Produkt gekauft, das sehr fehlerhaft ist. Erst in gut zwei Jahren wird das neue Produkt wieder so sein wie das alte im Jahr 2000. Derzeit haben sie mit dem "Oracle 9i Olap Server" ein Produkt, von dem es keine produktive Anwendung gibt. Der Einsatz von "Express" hat sich in den letzten 18 Monaten halbiert.

CW: Auch Microsoft hat seine Olap-Technik "Analysis Services", die auch als separat nutzbarer Teil des SQL Servers vertrieben wird, zukaufen und überarbeiten müssen.

PENDSE: Microsoft hatte anfangs beispielsweise keine BI-Clients, aber Partnerschaften mit Anbietern wie Proclarity oder Cognos. Oracle ist hingegen partnerfeindlich und bietet weder eigene noch fremde Frontends. Schon heute stammt der meist genutzte Olap-Server auf Oracle-Datenbanken von Microsoft.

CW: Wie hoch ist der Anteil solcher Installationen?

PENDSE: Jetzt existieren schon große Oracle-Installationen, in denen mehr Microsoft-Lizenzen im Einsatz sind als von Oracle. Die meisten Oracle-Kunden, die Analysis Services nutzen, verwenden den SQL-Server für die Metadatenverwaltung, migrieren aber nicht ihre Datenbank. Das könnte sich in Zukunft ändern, weil die Technik gut funktioniert. Allerdings wird kaum jemand Microsoft für unternehmenskritische Transaktionssysteme einsetzen.

CW: Wie bewerten Sie das Bundle von IBMs Datenbank DB2 mit Hyperions Olap-Server "Essbase", das als "DB2 Olap Server" vermarktet wird?

PENDSE: IBM hat bisher keine langfristige Olap-Strategie. Die Produkte sind nicht integriert und müssen separat verwaltet werden. Zudem muss Big Blue die hohen Hyperion-Lizenzpreise weitergeben.

CW: In Ihren Untersuchungen zum Olap-Markt sehen Sie Microsoft auf Platz eins zusammen mit Hyperion. In Deutschland ist diese Dominanz nicht zu erkennen.

PENDSE: Microsoft nimmt zwar Bestellungen für die Analysis Services entgegen, hat aber in Wirklichkeit keine Ahnung, wie es die Technik verkaufen soll. Dennoch gehen mittlerweile zwischen 20 und 30 Prozent der Datenbankverkäufe auf den Einsatz der Olap-Technik zurück. US-amerikanische und englische Unternehmen setzen den SQL-Server und Analysis Services bevorzugt ein, weil sie besser skalieren und billiger sind als andere Alternativen. In Deutschland hängt man dieser Entwicklung einige Jahre hinterher. Dort dominieren immer noch Anbieter wie SAS Institute, die SAP und IBM.

CW: Sie betonen das gute Preis-Leistungs-Verhältnis der Analysis Services. Aber muss man nicht die Gesamtkosten betrachten, um zu einer angemessenen Bewertung zu kommen?

PENDSE: Die Software kostet etwa ein Zehntel von dem, was Hyperion, Microstrategy oder Oracle verlangen. Die unterstützte Hardware wird vergleichsweise besser genutzt als bei Konkurrenzprodukten, und das Consulting sollte etwa die Hälfte kosten, da die Implementierung einfacher ist.

CW: Wo sehen Sie die Grenzen von Microsofts Olap? Hyperion gilt doch beispielsweise für Finanzanalysen und -reporting als technisch ausgereifter.

PENDSE: Für komplexe Analyseanwendungen, etwa in Finanzabteilungen, sieht die Kosten-Nutzen-Relation für die Analysis Services weniger gut aus. Die geeignetsten Einsatzgebiete sind einfaches Management-Reporting und Sales Analysis. Auch ist die Olap-Engine vergleichsweise langsam und hat bei der Verarbeitung von zehn bis 15 Dimensionen ihre beste Performance. Oracles Olap-Produkt würde allerdings schon bei zehn Dimensionen streiken.

CW: Können Sie schon Näheres zu Microsofts nächsten Datenbank-Release "Yukon" sagen?

PENDSE: Es ist eines der größten Microsoft-Projekte überhaupt. Der Olap-Teil ist im Wesentlichen komplett neu geschrieben worden. Näheres darf ich derzeit nicht sagen.

CW: Herr Pendse, warum interessieren Sie sich eigentlich so für den Olap-Markt?

PENDSE: Ich habe seit 1980 mit Olap zu tun, als Anwender, Produkt-Manager und Marketing-Director. Ich glaube, dass Olap der einzige Weg ist, ein Unternehmen zu verstehen. Die Welt ist multidimensional, aber nur Endbenutzer verstehen das. Es ist frustrierend, dass die Hersteller dies nicht richtig vermittelt haben und die IT die Implementierung oft nicht hinbekommt.