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12.03.1993 - 

"Gewachsene Strukturen" bedeuten oft ein heilloses Chaos

Der Aufbau unternehmensweiter Netze braucht externe Fachleute

Fast jedes herstellende Unternehmen hat seinen eigenen Werkzeugbau. Hierin liegen die Produktionsgeheimnisse und der Wettbewerbsvorteil. In enger Zusammenarbeit mit den Werkzeugherstellern werden viele individuelle Werkzeuge fuer die eigene Produktion im Geheimen gebaut und eingesetzt.

Nicht anders wird es ueber kurz oder lang auch im Informationswesen aussehen. Je naeher man einer standardisierten, prinzipiell in jedem Unternehmen einsetzbaren Loesung ist, desto kleiner ist der Wettbewerbsvorteil. Mit Textverarbeitung, Spreadsheet, Auftragsabwicklung und Kalkulation mit dem Computer kann man sich heute vom Mitbewerber nicht mehr absetzen; wohl aber mit einem System, bei dem jeder Mitarbeiter den erfassten Text sofort korrigiert bekommt, mit geringstem Aufwand in ein Corporate-Design packen und grafisch schoen aufbereitet automatisch vom PC aus faxen kann - und zwar genau an die innerhalb von wenigen Minuten ausgewaehlten Adressaten.

Mit der Vernetzung allein ist es noch nicht getan

Keinen Wettbewerbsvorteil bedeutet es auch, wenn man zentral an einem Server von vielen PCs aus drucken kann oder eine Datenbank hat, die einfache Mailings erlaubt. Konkurrenzvorsprung bringen koennen dagegen automatische Dokumentenerkennung und Drukkerlast- Verteilung, ferner ein Datenbanksystem, welches Daten unterschiedlicher Strukturen an jeden gewuenschten Platz der Erde bringen kann.

Mit der unternehmensweiten Vernetzung als solcher ist es also noch nicht getan, vielmehr kommt es auf ihren nutzbringenden Einsatz an. Hier beginnen die Schwierigkeiten.

Der typische DV-Chef hat keine Erfahrung im Aufbau neuer Strukturen. Ueberlaesst man ihm die Leitung der Umstellung alleine, wird er Aenderungen und Erweiterungen nur auf Basis seiner innerbetrieblichen Kenntnisse vornehmen, und das reicht meist nicht aus. Statt dessen sollten Fachleute mit regelmaessiger Projekterfahrung, also etwa Systemintegratoren, die sich auf Netze und Kommunikation spezialisiert haben, mit den Aufgaben betraut werden.

Gute Spezialisten haben allerdings ihren Preis. Viele Unternehmen greifen deshalb letztlich doch auf die hauseigenen DV-Leute zurueck. Geplant und installiert wird dann, so gut es eben geht, und eingekauft, wo es moeglichst billig ist.

Solchen Einsparungen am falschen Ort ist nur zu begegnen, indem die Unternehmensleitung selbst die unternehmensweite Kommunikation zu ihrer Sache macht. Es geht nicht darum, auf Vorstandsebene die Topologie, die Protokolle oder das Betriebssystem auszuwaehlen. Angesprochen ist die Geschaeftsleitung aber, wenn es um das grundsaetzliche Konzept geht, um Art und Tragweite der elektronischen Kommunikation und um die Wahl zwischen heterogenen Systemen und monolitischer Architektur. Von hoechster Ebene muss auch die Entscheidung kommen, zur Neuordnung der DV auf ein externes Systemhaus zurueckzugreifen.

Hat man sich fuer eine Netzarchitektur entschieden, steht man vor dem zweiten Problem: Wo einkaufen? Da winken einerseits hohe Rabatte, andererseits ist man aber kaum in der Lage, zu unterscheiden, welches der vielen selbsternannten High-Tech- Haeusern das beste Angebot hat. Geht man ueber die eigene Einkaufsabteilung, so findet man ganz sicher den billigsten Anbieter. Laesst man die Techniker entscheiden, ist die Gefahr gegeben, betriebswirtschaftliche Aspekte zu vernachlaessigen. Fragt man den Wettbewerber, laeuft man Gefahr, keine objektive Antwort zu bekommen, und fragt man Kollegen aus anderen Branchen, so ist das Systemhaus vielleicht fuer diese besonders geeignet, nicht aber fuer den eigenen Betrieb.

Unverzichtbar sind wasserdichte Vertraege, Systemanalysen und Referenzen. Denn ein unternehmensweites Kommunikationssystem kostet schnell seine 500 000 Mark; das System nur zur Haelfte nutzen zu koennen bedeutet dann 250 000 Mark Verlust, ueber die eine Einsparung von 100 000 Mark beim Einkauf nicht hinwegtroesten kann. Ein detailliert ausgearbeitetes Konzept mit klaren Funktionsweisen ist sicherlich eines der wichtigsten Hilfsmittel bei der Systementscheidung.

Viele DV-Anlagen sind in den letzten Jahren "gewachsene Strukturen" geworden. Das ist der diplomatische Ausdruck fuer das heillose Durcheinander, das sich in der Vergangenheit angesammelt hat. Wo man alles selbst ausprobieren wollte, gibt es DV- Abteilungen, die groesser sind als die Labors grosser Systemhaeuser. Dieser Computerschrott allein ist teurer als die teuerste Beratung durch geeignete Experten, die unendlichen Zeitverluste durch die Spielerei mit den Produkten gar nicht gerechnet.

Die unternehmensweite Kommunikationsstruktur muss also eigens projektiert werden. Das heisst, es ist zusammen mit den betroffenen Mitarbeitern eine Liste der Anforderungen zu erstellen, die die Haus-DV erfuellen muss. Diesen Katalog sollte dann die Unternehmensleitung mit Experten verschiedener Systemhaeuser und dem eigenen

Unternehmensberater an einem Tisch eroertern. Herauskommen sollte dabei ein verbindliches Angebot der verschiedenen Systemhaeuser. Der Bewerbungssieger muss die Installation auch ueber einen gewissen Zeitraum durch Service, Ausbildung und Ausbau betreuen koennen.

Den Nutzen kalkulieren

Man muss konkret pruefen, ob die Vertriebsabteilung fuer die monatliche Kundenumsatz-Statistik je Vertriebsgebiet mit Produktumsatz-Nachweis 285 Mark bezahlen wuerde; ob es der Projektabteilung 1200 Mark wert waere, ein Angebot fuer eine neue Stahlkonstruktion in vier Tagen anstatt bisher zwei Wochen kalkulieren zu koennen; ob der Einsatz von E-Mail fuer die Vertriebsberichte nicht doch einigen Verteilaufwand sowie Hunderte von Berichtseiten und Kopien einsparen koennte.

Die LANs haben bereits Ende der 80er Jahre in den Unternehmen Einzug gehalten. Da ist das Unix-Netz in der Entwicklung, das PC- Netz in der kaufmaennischen Abteilung, das kleine PC-Netz in der Personalabteilung, das andere im Vertrieb, das mit dem im Marketing verbunden werden soll. Aber ein einziges, unternehmensweites Netz existiert nicht. Netz-Management wird zu Netz-Managementerie. Unterschiedliche Straenge, Topologien, Protokolle und Administratoren sorgen fuer ein unuebersichtliches Kommunikationsgebilde, das weder effizient noch managbar ist.

Auch hier zeigt sich in der Begrenzung der Meister. Ein Kommunikationsnetz muss nahezu jeden Dienst fuer nahezu jedes Endgeraet erreichbar machen. Ein Administrator in Frankfurt zum Beispiel muss von seinem Arbeitsplatz aus jedes Endgeraet, jeden Dienst auf jedem Host oder Server in jeder Stadt der Erde erreichen und managen koennen. Globale Namenssysteme erlauben jederzeit die Analyse und Neukonfiguration beliebiger Services in einem Netz. Management-Standards wie das Simple Network Management Protocol (SNMP) ermoeglichen die Analyse von Systemen unterschiedlichster Hersteller, und Protokollstandards wie TCP/IP erlauben den gleichzeitigen Transport von Daten unterschiedlichster Systeme.

*Axel Schultze ist Vorstand der Asonic Computer Equipment GmbH in Muenchen.